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Bahnchef Grube über Stuttgart 21: "Es wird keinen Baustopp geben"

Heute treffen erstmals Gegner und Befürworter des Milliardenprojekts Stuttgart 21 zu Gesprächen zusammen. Die katholische Kirche hat sich eingeschaltet, will vermitteln. Bahnchef Grube spricht vor dem Treffen klare Worte.

Nach den Massenprotesten gegen den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs treten auch die Befürworter des Milliardenprojekts stärker in der Öffentlichkeit auf. Mit einem gemeinsamen Lauf durch den Stuttgarter Schlosspark und einer anschließenden Kundgebung demonstrierten am Donnerstagabend nach Polizeiangaben über 2000 Menschen für Stuttgart 21. An diesem Freitag treffen erstmals Gegner und Befürworter zu Gesprächen zusammen. Bei dem von der katholischen Kirche in Stuttgart vermittelten Dialog soll es unter anderem um die Einsetzung eines Moderators gehen.

Bahnchef Rüdiger Grube schloss vor diesem Treffen den von den Projektgegnern geforderten Baustopp erneut aus. Das gelte auch für die Dauer der Gespräche mit den Gegnern, sagte er im Hessischen Rundfunk. "Es wird keinen Baustopp geben. Alle hatten lange genug Zeit, sich an dem demokratischen Prozess zu beteiligen", sagte Grube nach Angaben des Senders. Es gehe schon längst nicht mehr um Stuttgart 21. "Wir sind zwischen die Fronten der Wahlkampfstrategen geraten mit Blick auf die Landtagswahl 2011 in Baden-Württemberg.".

Drexler-Nachfolger wird vorgestellt

Fast zeitgleich mit dem Sondierungsgespräch wollen Baden- Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) und Grube in Stuttgart Nachfolger für den zurückgetretenen SPD-Politiker Wolfgang Drexler als Sprecher des Projekts offiziell vorstellen. Wie bereits bekannt wurde, sollen künftig der ehemalige Stuttgarter Regierungspräsident Udo Andriof (CDU) und der Leonberger Unternehmensberater Wolfgang Dietrich die Aufgabe gemeinsam übernehmen. Drexler war kürzlich von dem Posten zurückgetreten, weil er seine ehrenamtliche Tätigkeit nicht mehr mit der Haltung der SPD im Land und im Bund vereinbaren konnte. Die SPD tritt für einen sofortigen Baustopp ein, Drexler musste als Projektsprecher die Bauarbeiten am Stuttgarter Hauptbahnhof verteidigen.

Der Pro-Stuttgart-21-Lauf fand bereits zum dritten Mal statt. Mit Sprüchen wie "Wir sind Stuttgart" zogen die Demonstranten am Donnerstag durch die Stadt. Auch der Chef der CDU-Landtagsfraktion, Peter Hauk, legte gemeinsam mit anderen Projektbefürwortern die Strecke zurück. "Wer heute mitgelaufen ist, hat ein eindeutiges Bekenntnis für das Jahrhundertprojekt Stuttgart-Ulm abgegeben", sagte Hauk. Im Schlossgarten kam es zu einem Aufeinandertreffen von Gegnern und Befürwortern des umstrittenen milliardenschweren Bahnprojekts, das aber friedlich blieb. Die Läufer wurden allerdings vereinzelt beschimpft.

Der Initiator des Sondierungstreffens am Freitag, Stadtdekan Michael Brock, hofft, dass die Begegnung dazu beiträgt, das friedliche Zusammenleben in Stuttgart zu bewahren. Brock hält es für sinnvoll, eine von allen akzeptierte Persönlichkeit als Moderator einzusetzen. Für die Position hatte sich bereits der Stuttgarter Schauspiel-Intendant Hasko Weber ins Gespräch gebracht.

zen/dho/DPA / DPA