Beisetzung Fallschirmspringer trugen "Jürgen Weh" zu Grabe

Abschied von Jürgen Möllemann in Münster - sechs Kameraden seines Fallschirmspringerclubs trugen den Buchenholzsarg zum Grab. Zuvor hatten Redner bei der Trauerfeier den Umgang der Parteiführung mit dem früheren FDP-Politiker angeprangert.

Neun Tage nach seinem tödlichen Fallschirmsprung ist der ehemalige FDP-Spitzenpolitiker Jürgen Möllemann am Freitag auf dem Münsteraner Zentralfriedhof beigesetzt worden. Sechs Kameraden seines Fallschirmspringerclubs trugen nach einer Trauerfeier den hellen, mit roten Rosen geschmückten Buchenholzsarg zum Grab.

Neben der Familie und engen Freunden aus Politik und Sport erwiesen auch der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher und der FDP-Fraktionschef im Kieler Landtag, Wolfgang Kubicki, dem verstorbenen 57-Jährigen die letzte Ehre. Die Witwe Carola Möllemann-Appelhoff und die drei Töchter wurden auf dem Weg zum Grab von Weinkrämpfen geschüttelt und mussten gestützt werden.

Beisetzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit

In der für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Trauerfeier würdigte der mit Möllemann eng befreundete Kubicki den Verstorbenen als Politiker, "der für das Gemeinwesen und die FDP mehr geleistet hat, als viele, die seine Integrität jetzt in Zweifel ziehen". Erneut wies der Kieler Fraktionschef die Antisemitismusvorwürfe gegen Möllemann zurück. Die hätten den Verstorbenen tief verletzt. Mit tränenerstickter Stimme sagte Kubicki über Möllemann: "Er bleibt ein großer Liberaler." Pfarrer Michael Scharf nannte den Verstorbenen in seiner Trauer-Rede einen "homo politicus" zum Wohle vieler Menschen.

Der Möllemann-Vertraute Uwe Tönningsen sprach von einem "Vollblutpolitiker". Möllemann habe "die Politik ein Stück ehrlicher machen wollen". Der Vorstandsvorsitzende des Fußballclubs Schalke 04, Gerhard Rehberg, mahnte in seiner Ansprache, der Tod des ehemaligen FDP-Politikers sei "eine ernste Mahnung, bei Differenzen im menschlich-persönlichen und politischen Bereich nicht so miteinander umzugehen, wie man es mit Möllemann getan hat."

"Erinnerung an einen couragierten Politiker"

Zuvor hatten etwa 1.500 Menschen am Freitagmorgen vor der Friedhofskapelle, in der der Sarg aufgebahrt war, Abschied von Möllemann genommen. Die Trauernden trugen sich in Kondolenzbücher ein. Viele legten Blumen nieder. Einige hundert Menschen verfolgten danach die Trauerreden, die über Lautsprecher aus der Kapelle übertragen wurden. "Es bleibt die Erinnerung an einen couragierten und eigenwilligen Politiker", meinte einer der Zuhörer, als der Sarg aus der Kapelle getragen wurde.

Der Sarg war geschmückt mit einem Rosengesteck und umgeben von Kränzen des Bundespräsidenten, der Bundesregierung und des Bundestagspräsidenten. Möllemanns Ehefrau sei sehr bewegt über die überwältigende Anteilnahme aus allen Teilen der Bevölkerung, sagte Tönningsen vor Beginn der Trauerfeier. Auch der Oberbürgermeister von Münster, Berthold Tillmann (CDU), erwies dem toten Politiker die letzte Ehre. Möllemann habe Münster als Verpflichtung angesehen und sei ein Mitbürger im besten Sinne, sagte er.

Genaue Ursache des Unglücks noch unklar

Möllemann war am Donnerstag vergangener Woche bei einem Fallschirmsprung aus 4.000 Meter Höhe am Flugplatz Marl-Loemühle in Westfalen ums Leben gekommen. Die genaue Ursache des Unglücks ist noch unklar, doch spricht nach Angaben der Ermittler vieles für einen Selbstmord. Am Tag seines Todes hatten Staatsanwälte im In- und Ausland Wohn- und Geschäftsräume des früheren Bundeswirtschaftsministers und Vizekanzlers durchsucht.


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