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Berlin vertraulich!: Adieu Angela!

Die deutsch-französische Charme-Attacke hat ein Ende: keine Handküsse für Angela Merkel von dem Grand Charmeur Chirac. Ob auch Sarkozy Eisbein mit Erbsenpüree goutiert, bleibt zweifelhaft. Dann ist da noch Horst Seehofer, der unverblümt Eigenwerbung betreibt.

Von Hans Peter Schütz

Adieu Angela! Für Jacques Chirac hat es sich jetzt erst einmal ausgeküsst bei unserer Kanzlerin. Fürwahr ein Verlust! Wer schmatzt denn fortan Angela Merkel so betörend die Hand wie dies der französische Präsident beim Abschiedsbesuch in Berlin noch einmal getan hat? Zwar hat er beim ersten mal die Kanzlerin überrascht mit seiner galanten Attacke auf ihren Handrücken, zumal er diesen stets ziemlich nach oben riss, um ihn seinen Lippen näher zu bringen.

Aber bei allen späteren Gelegenheiten hat sich die 22 Jahre Jüngere dem französischen Charmeur erkennbar genüsslich ergeben. Sie dankte dem "lieben Jacques" zum Abschied "für die vielen Erfahrungen, die ich mit Dir teilen konnte und mir geholfen haben, meine Arbeit als Bundeskanzlerin zu tun." Unterm Strich steht eine überaus positive Bilanz unter den deutsch-französischen Beziehungen zwischen den beiden. Er hat die Wiedereinführung des Handkusses in der deutschen Politik realisiert, sie beschenkte ihn mit einem Rosenstock aus der Zucht von Konrad Adenauer. Und sie hat es geschafft, dass ein Franzose bei jedem Aufenthalt in Berlin sein deutsches Leibgericht bestellte: Eisbein mit Erbspüree und Sauerkraut. Alors - Chirac ein "Kraut."

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Was hat die Oettinger-Filbinger-Affäre mit Horst Seehofers Ambitionen auf den CSU-Vorsitz zu tun? Aus der Sicht des Agrarministers die Tatsache, dass die CSU offenbar gut beraten ist, wenn sie ihn und nicht Erwin Huber zum Parteichef macht. Denn jetzt sei einmal mehr bewiesen worden, sagt er, dass unter dieser Kanzlerin nur einer CSU-Chef werden dürfe, der - anders als Oettinger und die von Merkel schon früher abgehalfterten CDU-Politiker-Bundespolitik nicht erst noch lernen müsse. Das nennt man unverblümte Eigenwerbung.

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Seine Chancen gegen Huber, so Seehofer selbstbewusst, seien auch aus anderem Grund mittlerweile gewachsen. In Bayern werde die Basis den wählen, dem sie das beste Wahlergebnis bei Wahl eins nach Stoiber zutraue. Der hat die Latte auf 60 Prozent gelegt." Und ein Duo Beckstein/Seehofer holt bei der nächsten Landtagswahl über 60 Prozent der Stimmen! Darauf wette ich." Und Günther Beckstein, der nächster Ministerpräsident werden soll und bei Huber im Wort ist? Ach, sagt Seehofer, der wolle doch auch bei den Gewinnern sein. Und was die bis heute völlig ungeklärten familiären Verhältnisse des Landwirt-schaftsministers betrifft, so werde er darauf kaum noch angesprochen. Abwarten! In etwa sechs Wochen dürfte der Seehofer-Nachwuchs das Licht jener Welt erblicken, auf der er schon so viele Schlagzeilen produziert hat.

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Wenig beeindruckt zeigt sich CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder davon, dass der SPD-Vorsitzende Kurt Beck erklärt hat, ein Scheitern der Koalitionsgespräche über das Thema Mindestlohn sei für ihn der "Casus belli." So gehe das nicht, meint Kauder. Er werde dem Genossen bei Gelegenheit ein Buch schenken, in dem er lernen könne, wie man formgerecht einen Krieg erklärt. "Wenn er Krieg will, muss er uns mindestens einen Brief schreiben."

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Ein bemerkenswertes Kompliment hat jetzt ein führendes Mitglied der CSU-Landesgruppe nach Zusicherung äußerster Diskretion Altkanzler Helmut Schmidt gemacht. "Er leistet heute noch bemerkenswerte politische Beiträge." Kurze Pause, dann folgte der Nachsatz: "Wenn er nicht in Hamburg ausgewachsen wäre, sondern in Bayern, wäre er CSU-Chef geworden."

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Politisch ist nichts mehr zu hören vom bayerischen SPD-Abgeordneten Otto Schily, der es sich ganz bequem auf der hintersten Bank des Bundestags gemacht hat. Erinnert an den Genossen Ex-Innenminister hat jetzt allerdings Olaf Scholz. Wenig begeistert sei die SPD über immer neue Vorschläge von Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zur Verbesserung der Terror-Abwehr. Sie hält der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD für rundum überflüssig: "Wir hatten sieben Jahre lang einen Innenminister namens Otto Schily. Da braucht man eine Lupe, um Lücken in der Inneren Sicherheit zu finden." Bleibt eine Frage: Weshalb hat die SPD nicht schon zu Schilys Zeiten kritisiert, was sie heute ablehnt?