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Berlin vertraulich! Gabriel wird schlanker und schicker


Wozu Babypausen doch gut sind! SPD-Chef Gabriel nutzt sie, um pausenlos zu twittern oder Interviews zu geben - was ihn offenbar in Form bringt.
Von Hans Peter Schütz

Linkspartei-Fraktionschef Gregor Gysi ist neuerdings sehr freundlich gegenüber Sahra Wagenknecht. Er spricht ihr nicht nur politische, sondern auch erotisierende Wirkung zu: "Sie hat einen distanzierenden Charme, der Männer besonders reizt", sagte er dieser Tage der "Bunten". Eigentlich schätzt Gysi die Parteifreundin nicht so sehr, weil sie ganz offensichtlich im Sinn hat, ihn nach der kommenden Bundestagswahl vom Posten des Fraktionschefs zu verdrängen. Gysi hat ihren Aufstieg deshalb argwöhnisch beobachtet und schon mal gemäkelt, sie sei in ihrer politischen Analyse zu eindimensional. Jetzt lässt er verlauten, sie habe offenbar "nicht nur Karl Marx gelesen, sondern auch Ludwig Erhard – und verstanden". Der bemerkenswerte Meinungswandel Gysis hat ganz konkrete Gründe. Bei allen internen Umfragen der Linkspartei über ihr Spitzenpersonal liegen zwar Oskar Lafontaine und Gysi noch immer vorn in Sachen Bekanntheit, aber dicht gefolgt von Wagenknecht. Und dies mit großem Abstand zu allen anderen Links-Genossen. An Wagenknecht führt in Zukunft offenbar kein Weg mehr vorbei.

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Offiziell befindet sich SPD-Chef Sigmar Gabriel im Vaterschaftsurlaub und kümmert sich hauptberuflich um seine vier Monate alte Tochter Marie. Am 18. August schiebt er schnell einen Heiratstermin mit Maries Mutter, der Zahnärztin Anke Stadler ein, 38 Jahre jung. Ihr Einfluss auf Gabriel wird in der SPD hoch geschätzt. Zum einen habe er schon ein bisschen abgenommen. Außerdem habe sie es geschafft, dass der SPD-Chef endlich nicht immer in verschossenen, schlecht sitzenden Hosen daherkomme und auch seine Jacketts halbwegs passend sitzen. Seine Babpause nutzt Gabriel im Übrigen auch politisch, er gibt pausenlos Interviews und schreibt programmatische Papiere für seine Partei. Man muss dabei jedoch bedenken, dass die Babypause für Gabriel vorteilhafter ist als für normale Angestellte. Er ist schließlich Bundestagsabgeordneter und die haben generell keinen Rechtsanspruch auf Elternzeit. Er muss aber daher auch keine Gehaltseinbußen in Kauf nehmen wie normale Väter und Mütter. Auch seine Aufwandsentschädigung als SPD-Chef läuft weiter während seiner "Auszeit", die in Wirklichkeit gar keine ist. Sie diene schließlich, mutmaßen Parteifreunde, dem Ziel, doch noch SPD-Kanzlerkandidat für die nächste Bundestagswahl zu werden.

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Ob das neue Modebewusstsein und die hohe Medienpräsenz Gabriels Chancen beim Kampf um die Kanzlerkandidatur optimieren? Bei der SPD schüttelt man bei dieser Frage den Kopf. Steinmeier und Steinbrück seien modisch betrachtet Gabriel noch immer um Welten voraus.

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Eine andere Politiker-Tochter, nämlich Horst Seehofers außerehelich geborene Anna-Felicia, macht ihrem Vater eher politischen Ärger. Der CSU-Vorsitzende hat nämlich im Streit der schwarz-gelben Koalition um die steuerliche Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften mit dem Satz Position bezogen, die normale Ehe sei der Hort der Gesellschaft und das Zentrum der Familie mit Kindern. Das hat die FDP-Familienpolitiker mit Blick auf Seehofers uneheliche Tochter mit einem starken Gegenargument versehen: "Mit seiner besonderen Lebenserfahrung sollte doch gerade einer wie Horst Seehofer ganz genau wissen, dass Kinder auch außerhalb der traditionellen Ehe entstehen können – und das ganz ohne steuerliches Splitting-Privileg." Ein politisches Gegenargument Seehofers ist nicht bekannt.


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