HOME

Berlin vertraulich!: So blond, so schön, so Schwesig

These 1: Horst Seehofer ist dem Charme von Manuela Schwesig verfallen. These 2: Nicht Berlin - Klaus Wowereit gilt den Berlinern als sexy.

Von Hans-Peter Schütz

Mit großem Vergnügen druckten die deutschen Zeitungen nach, was der Chef der Linkspartei, Klaus Ernst, im stern so alles dahergeplaudert hat. Etwa, dass er gerne "guten Wein schluckt, aber keinen Fusel". Und weit abseits des "Entbehrungssozialismus" lebt, denn "wer nicht genießt, ist ungenießbar". Empört sind die Ernst-Kritiker in der Linkspartei vor allem darüber, wie er sie durch die Kuhkacke gezogen hat. Eine Linke, so Ernst, die ihren führenden Leuten - etwa ihm - vorschreibe, wie sie zu leben haben, "ist so attraktiv wie ein Kuhfladen".

Eine andere Passage des Interviews blieb indes völlig unbeachtet, obwohl die Spannungen, die zwischen Ernst und seiner Co-Vorsitzenden Gesine Lötzsch herrschen, darin unübersehbar sind. Sie hat dem Porsche-Fahrer Ernst, der sich jederzeit zu seinem mehr als 20 Jahre alten Gefährt tapfer bekennt, mal dezent vorgehalten, das sei doch ein Gefährt, in das man "mit dem Schuhlöffel einsteigen" müsse. Darauf hat Ernst jetzt geantwortet: "Man braucht mit zunehmendem Alter eine gewisse Gelenkigkeit, um ins Auto rein zu kommen." Seither rätseln sie in der Linkspartei, wie die Antwort zu lesen ist. Wollte der 56 Jahre alte Parteichef der eher fülligeren 49-jährigen Parteichefin mitteilen, sie könne, obwohl sieben Jahre jünger, mit ihm auch körperlich nicht mehr mithalten? Oder steckte in der bemängelten Beweglichkeit vielleicht gar ein politischer Unterton? Zur derzeitigen Stimmung in der Spitze der Linkspartei würde das ja passen.

*

Es ist ein mühsames Gefeilsche, das da derzeit läuft zwischen Regierung und Opposition in Sachen Hartz IV. Doch man kommt voran - und das könnte eine ganz besondere Ursache haben, eine feminine. Jedenfalls lobte Manuela Schwesig, SPD-Vizechefin und Verhandlungsführerin der Genossen, letzthin im Hintergrundgespräch mit Journalisten gleich mehrfach den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer, nachdem der sich zum ersten Mal persönlich am Pokerspiel über einen Kompromiss beteiligt hatte. Eine ganz "neue Offenheit" lasse er erkennen, lobte Schwesig den Bayer. Die Genossin gilt unter den Spitzenpolitikerinnen der Republik als die unstrittig attraktivste Vertreterin ihres Geschlechts. Weil Seehofer nach der letzten Gesprächsrunde so intensiv mit Schwesig plauderte, dass er zu einem Presseauftritt nicht pünktlich antrat, mahnte ihn die CDU-Ministerin Ursula von der Leyen streng: "Horst, hör' jetzt auf zu schäkern!" Sie scheint nicht vergessen zu haben, wie leicht Horst dem Charme schöner Frauen zuweilen schon erlegen ist.

*

Wie attraktiv ist andererseits Klaus Wowereit? Nach demoskopischen Sympathiewerten liegt der Regierende Bürgermeister von Berlin derzeit vorn. Und nun hatte die Berliner SPD ein Erlebnis, dank dessen sie noch hoffnungsfroher als bisher der Landtagswahl im Herbst entgegen blickt. Die Partei ließ 50.000 Postkarten mit Redezitaten "Wowis" in Kneipen verteilen. Die mit der Aktion beauftragte Firma staunte: Die Mitnahmequote lag bei 85 Prozent. Ein sensationeller Wert, normal sind eher 40 Prozent. Nun rätselt die SPD darüber, was sie bisher an ihrem Regierenden übersehen hat. Denn die 85-Prozent-Quote, sagt die mit der Aktion beauftragte Firma, sei normalerweise nur mit Tierbabys erreichbar. Und mit Nackedeis!

*

Mit Spannung wird in der FDP derzeit bereits jetzt der innerparteilichen Diskussion nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz entgegen gesehen. Wie müssen die Wahlergebnisse interpretiert werden? Welche Konsequenzen sind zu ziehen? Um dafür erkenntnistheoretische Substanz zu schaffen, macht jetzt der baden-württembergische Liberale Wolfgang Weng, einst stellvertretender FDP-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, der bekanntlich den Rücktritt von FDP-Chef Guido Westerwelle gefordert hat, seiner Parteiführung folgenden Vorschlag: Für FDP-Wähler müssen die Stimmzettel neu gestaltet werden. Sie sollten bei der Stimmabgabe für die Partei mit einem zweiten Kreuz kennzeichnen können, warum sie die FDP gewählt haben: a.) wegen ihres Programms, b.) wegen ihrer Kandidaten, c.) wegen Guido Westerwelle, d.) trotz Guido Westerwelle. Eigentlich schade, dass das Wahlrecht Erkenntnisgewinn auf diesem Wege nicht erlaubt. Denn diese Methode gäbe nicht zu leugnende Aufschlüsse.