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Berlin vertraulich! Wenn Gabriel zu seiner Lieblingswaffe greift


In der Politik ist längst nicht alles grau: Annette Schavan lächelt auch beim Dauerstolpern, die Kanzlerin sorgt sich um die Kunst, und Sigmar Gabriel ist ein ganz gnadenloser Witzbold.
Von Hans Peter Schütz

Annette Schavan wird einmal ins politische Geschichtsbuch eingehen als die Frau, die immer mal wieder für höchste Ämter im Spiel war, aber dann den Sprung nach ganz oben nie schaffte. 2004 war sie schon einmal als Kandidatin fürs Amt der Bundespräsidentin im Gespräch, bis ihr Horst Köhler in den Lebensweg kam. Als sie Nachfolgerin von Erwin Teufel als Ministerpräsidentin von Baden-Württemberg werden wollte, kam ihr Guenther Oettinger dazwischen.

Wieder nichts mit dem Aufstieg. Jetzt sollte sie erneut Bundespräsidentin als Nachfolgerin von Christian Wulff werden – abermals ging es schief. Zwar wollte Angela Merkel ihre Freundin laut zuverlässigen FDP-Informationen ins Schloss Bellevue hochschieben, aber dann hat die Kanzlerin das selbst torpediert. Sie schickte dem FDP-Vorsitzenden Rösler eine SMS, in der die Frage stand, ob die FDP die Bundesbildungsministerin als Bundespräsidentin ertragen könnte. Rösler lehnte ab und die SMS ermutigte ihn, unverzüglich bei Merkel Joachim Gauck als FDP-Kandidaten vorzuschlagen. Als dies geschehen war, musste auch Merkel Schavan als Präsidentin wieder fallen lassen. Jetzt darf sie CDU-Vizevorsitzende bleiben.

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Die liebste Waffe von SPD-Chef Sigmar Gabriel im politischen Klein- und Klatschkrieg ist der Witz. Wo immer er einen kennt, der gerade in die Szene passt, erzählt er ihn nimmermüde. Zurzeit läuft ja in Nordrhein-Westfalen ein heftiger Wahlkampf. Und gegen den CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen, der sich nicht festlegen will, ob er nach Düsseldorf geht, wenn er die Wahl nicht gewinnt, stichelt Gabriel daher mit diesem Witz: Er rät: Wenn jemand von Berlin nach Düsseldorf und zurück fliegen wolle, möge er am Lufthansa-Schalter ein "Röttgen-Ticket“ ordern. "Dann weiß die Dame am Schalter sofort, dass es um einen Hin- und Rückflug geht.“ Man müsse dann nur noch sagen, ob man Business-Klasse oder Economy fliegen wolle. Wenn ein Zuhörer lacht, dann kichert Gabriel noch heftiger und fügt schnell einen zweiten Witz an: "Der Röttgen-Witz kommt übrigens aus der CDU.“ Ha,ha,ha.

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Kunst-Genuss ist politisch nicht leicht für Angela Merkel. Welche Bilder auch immer sie im Kanzleramt auf- oder abhängen lässt – die Aktion wird immer unverzüglich politisch ausgedeutet. So etwa die Tatsache, dass sie die einst noch vom Amtsvorgänger Gerhard Schröder in der so genannten "Sky Lobby“ - so heißt der Flur in ihr Büro in der obersten Etage des Kanzleramts - aufgehängten Bilder entfernen ließ. Eines der Bilder dort hieß "Nach dem Knall“, gefertigt von dem Künstler Bernd Zimmer, der in der Berliner Künstler-Kolonie zur Gruppe der "Jungen Wilden“ gerechnet wird. Behauptet wird jetzt, das "Knall“-Bild sei entfernt worden, weil Merkel einen bevorstehenden Knall ihrer schwarz-gelben Koalition befürchte. Und zudem auch nicht ständig an die einstigen "Jungen Wilden“ in der CDU, etwa Roland Koch oder Friedrich Merz, die sie machtpolitisch alle aus ihrem Umfeld entfernt hat, auf dem Weg zum Schreibtisch erinnert werden wollte.

Die unpolitische Wahrheit allerdings ist kein "Bildersturm“ Merkels: Die Bilder mussten ausgetauscht werden, weil die Licht- und Klimasituation in der "Sky Lobby“ so schlecht ist, dass Bilder dort nicht allzu viele Jahre hängen dürfen, wenn die Werke keinen Schaden nehmen sollen. Insofern stimmt die dreispaltige Schlagzeile im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen von Ende März nicht, wo verkündet wurde: "Angela Merkel schickt Junge Wilde weg."

Die Bilder wurden mit ausdrücklicher Zustimmung der Künstler und des Besitzers abgehängt und können künftig in der Vertretung des Landes Bremen besichtigt werden. Im Flur zum Büro der Kanzlerin hängen jetzt zwei Bilder von Gerhard Richter, dem unbestritten bekanntesten deutschen Künstler, der auf der Insel Reichenau im Bodensee aufgewachsen ist. Dazu noch zwei Bilder des Künstlers A.R. Penck, der eigentlich Ralf Winkler heißt. Die "Jungen Wilden“ bleiben dennoch im Blickfeld der Kanzlerin. Im Kabinettssaal im 6. Stock hängt jetzt ein Bild von Rainer Fetting.

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Sage keiner, die Liberalen glaubten nicht an ihre Zukunft und ans politische Überleben. Da hat der 63. FDP-Bundesparteitag in Karlsruhe am 21./22. April noch nicht einmal stattgefunden, da wird schon der 64. Parteitag geplant. Anfang Mai 2013 soll er stattfinden. Ob es die FDP dann noch als Bundespartei gibt?


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