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Berlin vertraulich!: Wie Köhler prominente Grüne erobert

Wie hältst Du's mit Köhler? Wie mit Schwan? Das Duell um Schloss Bellevue beherrscht die Gespräche in den politischen Zirkeln Berlins - Köhler darf selbst bei prominenten Grünen auf Fahnenflüchtige hoffen. Die Ex-Freundin von Verbraucherschutzminister Horst Seehofer freut sich indes über ganz andere Dinge.

Von Hans Peter Schütz

Das politische Spekulationsthema für die nächsten zwölf Monate steht: Wer ist für Horst Köhler, wer für Gesine Schwan? In der SPD kursieren angeblich bereits die ersten Briefe, in denen die Genossen mitteilen, sie seien eigentlich für Köhler, der doch einen guten Job gemacht habe bisher. Für Gesine Schwan könnten sie daher nicht stimmen, allenfalls sich in der Bundesversammlung dann der Stimme enthalten. Natürlich darf Gesine Schwan hoffen, diese Sozis doch noch auf ihre Seite zu ziehen.

Aber im Fall der grünen Bundestagsabgeordneten Uschi Eid muss man ernstlich zweifeln, ob sie Schwan ihre Stimme geben wird, ganz egal, wie die grüne Partei sich in dieser Frage mehrheitlich auch noch entscheidet. Die Ursula, genannt Uschi, hat sich in ihrer politischen Karriere immer für die Entwicklungspolitik engagiert, war bis 2005 Parlamentarische Staatssekretärin im Entwicklungshilfeministerium und zeitweise Afrika-Beauftragte von Kanzler Gerhard Schröder.

Und sie schwärmt seit langem für Köhler, der bei seinen Afrika-Reisen immer die beste Figur macht und diesem Kontinent von Herzen zugetan ist. Eid plädiert dafür, dass die Grünen bei der Entscheidung zwischen Köhler und Schwan die Wahl freigeben. Das seien schließlich "zwei gleich gute Kandidaten." Und erinnert gelassen daran, dass die Wahl ja geheim sei. Das ist so gut wie ein Eid auf Köhler.

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Im derzeitigen polemischen Wortkrieg der Partner der Großen Koalition führt, gemessen an der Schärfe, eindeutig die CSU. Und in ihr wiederum Landesgruppenchef Peter Ramsauer. Nach der Berufung von Gesine Schwan als Kandidatin fürs Amt des Bundespräsidenten, prangerte er den "Verfall" der SPD-Führung an und sah die SPD auf einem "eigensinnigen Amoklauf gegen die Mehrheit der Deutschen." Ramsauers Fazit seiner Sozi-Schelte: "Der Dämon zeigt schon hier seine Fratze."

SPD-Generalsekretär Heil riet ihm daraufhin, um nicht "hysterisch" zu werden solle er "Yoga zur Beruhigung" machen. Es hätte im SPD-Archiv noch ein viel wirksameres Beruhigungsmittel für die CSU und ihren wilden Kampf für die Wiederwahl von Bundespräsident Köhler gegeben. Die Erinnerung daran, dass sie es war, die vor einem Jahr laut darüber lamentierte, sie werde die Wiederwahl dieses komischen Köhlers 2009 verhindern, wenn er mit dem Terroristen Christian Klar sanft umspringe und ihn begnadige.

Markus Söder, damals als CSU-Generalsekretär noch zu Scharfmacherei verpflichtet, nannte den Fall einer Begnadigung eine "schwere Hypothek" für die Wiederwahl Köhlers. Martin Neumeyer, früher Stoibers Sprecher und heute Amtschef der Landesvertretung an der Spree, sieht in dieser CSU-Altposition kein Problem für die heutige Köhler-Verehrung: "Man muss doch ein-fach das große Ganze sehen."

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Stern-Chefredakteur Hans-Ulrich Jörges ist zum "Pfeifenraucher des Jahres" gewählt worden, weil er das Rauchverbot, wie auch stern.de-Leser erfuhren, als Unterdrückung der Freiheitsrechte und Verletzung der Menschenwürde bezeichnet hatte. Viele wissen aber nicht, in welch eindrucksvolle Riege zeitgeschichtlicher Größen Jörges als der 34. Pfeifenraucher des Jahres - im Übrigen als erster Journalist - aufgerückt ist. Allererster Pfeifenraucher dieser Kategorie war Herbert Wehner, dem später ein Helmut Kohl folgte und ein Günter Grass.

Da wir Wehner noch persönlich kennen gelernt haben, glauben wir zu wissen, wie der SPD-Fraktionschef auf ein Verbot seiner geliebten Pfeife verbal reagiert hätte. "Sie haben wohl"...hätte er ganz leise und langsam begonnen und dann laut gebrüllt "nicht alle Tassen in ihrem Hirn!"

Ein etwas eleganterer Kommentator war der CDU-Abgeordnete Laurenz Meyer, der im Bundestag neben Bundestagspräsident Norbert Lammert als einziger Unionsabgeordneter gegen das Rauchverbot gestimmt hatte. Er hoffe, sagte der chronische Raucher Meyer ("Ich bin ein Kampfraucher") bei seiner Laudatio auf Jörges, "dass die diffamierende Unterdrückung einer Minderheit" doch noch wieder gemildert werde.

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Begeisterten Applaus spendete daraufhin Patrick Engels, Mitglied der Geschäftsleitung des Tabak-Herstellers Pöschl in Geisenhausen bei Landshut. Der nannte die bayerische Variante des Rauchverbots "ein Armutszeugnis für den Freistaat." Er vertraut aber auf die Kampfkraft des Vereins zur "Erhaltung der bayerischen Wirtshauskultur", dem mittlerweile schon 60.000 Mitglieder angehören und der zur Stimmabgabe gegen die CSU bei der Landtagswahl aufgerufen hat. Pöschl: "Dieser jetzt schon drittgrößte bayerische Verein wird wahlentscheidend sein."

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Interessantester Gast auf der Raucher-Kampfveranstaltung: Anette Fröhlich, Mitarbeiterin bei Laurenz Meyer und Mutter der außerehelichen Tochter Anna-Felicia, jetzt zwölf Monate alt, deren Vater Horst Seehofer heißt. Sie zeigte Bildchen des süßen Mädels und sagte: "Sie sieht ganz dem Vater ähnlich" und fügte hinzu, "das sagt der Vater selbst." Ja, darf Seehofer denn überhaupt seine Tochter sehen und wie oft, wurde sofort gefragt. Frau Fröhlich schwieg. Lächelnd. Glücklich lächelnd.