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Bildungspaket für Hartz-IV-Familien: Interesse an Bildungspaket wächst offenbar

Das Bildungspaket für Hartz-IV-Kinder stößt offenbar auf wachsendes Interesse. Einer Umfrage zufolge haben inzwischen rund 27 Prozent der Leistungsberechtigten einen Antrag gestellt. Familienministerin Ursula von der Leyen will sich damit jedoch nicht zufrieden geben.

Städte und Kommunen verzeichnen ein allmählich steigendes Interesse am Bildungspaket für Kinder aus einkommensschwachen Familien. Die Zahl der Eltern, die Leistungen für ihre Kinder beantragen, stieg nach einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Deutschen Städtetages deutlich: Im Durchschnitt hätten inzwischen in den etwa 100 befragten Städten rund 27 Prozent der Leistungsberechtigten Anträge gestellt, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Stephan Articus.

Im April hatte in einer ähnlichen Umfrage des kommunalen Spitzenverbandes die Zahl der Anträge auf Leistungen in zwei Dritteln der Städte noch unter zehn Prozent gelegen. Inzwischen seien in den befragten Städten für rund 280.000 Kinder und Jugendliche Anträge gestellt worden, bei rund 1,04 Millionen dort lebenden Leistungsberechtigten. "Die Startschwierigkeiten beim Bildungspaket werden immer mehr überwunden", erklärte Articus.

Auch die Landkreise berichteten von wachsendem Interesse. Inzwischen seien für 29 Prozent der Hartz-IV-Kinder in den Landkreisen Leistungen aus dem Bildungspaket nachgefragt worden, erklärte der Präsident des Deutschen Landkreistags, Hans Jörg Duppré. In Haushalten, die Wohngeld beziehen, liege die Quote derzeit bei 34 Prozent, bei Kindern in der Sozialhilfe bei 40 Prozent. Insgesamt ergebe sich daraus im Schnitt eine Quote von 30 Prozent.

"Man muss dem Bildungspaket als vollkommen neue Leistung Zeit geben, um wirken zu können", erklärte Duppré. "Eine bessere Bildung und Teilhabe für bedürftige Kinder ist kein Ziel, was einfach oder schnell zu erreichen wäre." Es werde nicht möglich sein, alle Kinder mit dem Bildungspaket zu erreichen.

Hausbesuche bei Bildungspaket-Verweigerern?

Am Dienstag treffen sich Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen bei Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), um zu beraten, wie die Leistungen des Bildungspakets weiter unter anspruchberechtigten Kindern verbreitet werden könnten.

Von der Leyen rief vor dem Treffen dazu auf, mehr Familien an Bildungsangebote für bedürftige Kinder heranzuführen. "Es gibt einen harten Kern, das sind etwa 20 Prozent, die interessiert das schlicht und einfach nicht. Ich finde, wir dürfen da nicht aufgeben, denn das sind wir irgendwie den Kindern auch schuldig", sagte die Ministerin. Sie wolle mit den Kommunen darüber reden, diesen "harten Kern" zu erreichen. Wenn Info-Briefe und gezielte Ansprache in Kitas und Schulen nicht reichten, "müssen Sozialarbeiter eben vor der Tür stehen und bei den Eltern direkt nachfassen", hatte sie zuvor in der "Bild"-Zeitung vorgeschlagen.

SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sprach sich hingegen dafür aus, die Kinder aus schwachen Familien per Gesetz stärker zu fördern. "Für Kinder aus Hartz-IV-Familien brauchen wir einen Rechtsanspruch auf den Besuch einer Ganztags-Bildungseinrichtung, vom Kindergarten über die weiterführenden Schulen, die ganze Bildungskarriere hindurch", forderte Oppermann im ZDF-"Morgenmagazin". Ein solches Bildungssystem entspräche internationalen Standards.

Die Umsetzung des Bildungspakets war am 1. April in den Städten und Landkreisen gestartet. Es sieht finanzielle Unterstützung für die rund 2,5 Millionen Kinder aus Familien mit geringem Einkommen vor. Zuschüsse gibt es bei Bedarf für warmes Mittagessen in Schulen und Horten, für Nachhilfe, Vereinsbeiträge, Musikunterricht, Ausflüge und zu Fahrtkosten zu weiterführenden Schulen.

kng/DPA/AFP / DPA