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Bundestagswahl 2021 Bis zu 40 Prozent der Wähler sind noch unentschlossen – was heißt das für die Wahl?

Sie haben die Wahl
"Stark bleiben", "Klima retten" oder "Menschen schützen"? Viele Deutsche können sich nicht entscheiden
© Revierfoto/ / Picture Alliance
Die Demoskopen haben festgestellt, dass ungewöhnlich viele Deutsche noch nicht wissen, was sie wählen sollen. Die meisten wollen zwar einen Wechsel, aber Rot-Grün etwa finden nur 15 Prozent gut. Was bedeutet die Verunsicherung für die Wahl?

Dieser Wahlkampf wird kein einfacher gewesen sein. Auch Umfragen helfen nicht immer weiter, um zu erahnen, wie die Abstimmung am Sonntag ausgehen könnte. Das Land ist zwar in Wechselstimmung, dennoch liegt mit SPD-Mann Olaf Scholz derjenige der Kandidaten vorn, der nicht nur bereits mitregiert, sondern auch mit Kontinuität wirbt. Seine bevorzugte rot-grüne Regierung begeistert allerdings gerade einmal 15 Prozent der Menschen. Noch unbeliebter sind nur Dreierbündnisse, von denen eines jedoch wahrscheinlich ist. Und dann sind da noch zwischen 25 und 40 Prozent der Wähler, die unentschlossen sind. Sie dürften den Wahlausgang entscheiden.

Was wollen die Deutschen?

Die Frage ist nur: Was wollen die Menschen? Laut Robert Fehrkamp von der Bertelsmann Stiftung wünschen sich 60 Prozent der Deutschen nicht nur eine andere Regierung, sondern auch einen klaren Politikwechsel, etwa bei den Themen Klima, Digitalisierung, Bildung. Für wen spricht das? Eher für die Grünen und die FDP – also eine Jamaika-Koalition unter Unionsführung oder für eine Ampel unter einem Kanzler Olaf Scholz?

Trauen die Deutschen den Ampelparteien zu, die Probleme des Landes zu lösen?

Renate Köcher vom Allensbach-Institut zufolge, liege die für diesen späten Zeitpunkt ungewöhnliche Unschlüssigkeit am "personellen wie inhaltlichen Angebot und einen Wahlkampf, in dem die Parteien Festlegungen und inhaltliche Kontroversen weitgehend vermeiden", wie die Demoskopin in der "Frankfurter Allgemeinen" schreibt. 54 Prozent der Befragten seien unsicher, was von den Parteien nach der Wahl zu erwarten ist, haben die Wahlforscher ermittelt. Ein erstaunlicher Wert angesichts der Fernsehdauerpräsenz der drei Kandidaten.

Laut Forsa-Chef Manfred Güllner könnten am ehesten CDU und CSU von der großen Unentschlossenheit profitieren: Er registriere bei den Unentschlossenen eine "CDU-Reserve", die trotz des Kandidaten Laschet ansprechbar seien. "Das SPD-Reservoir dagegen scheint leergefischt", so Güllner. Für diese These spricht, dass die Union in den Umfragen gegenüber den Sozialdemokraten zuletzt aufgeholt hat.

Hilft der Wahl-O-Mat den Unentschlossenden?

"Die Bürger empfinden die Wahl als unberechenbarer, spannender und sind gleichzeitig in ungewöhnlich hohem Maße verunsichert und lustlos", heißt es bei Allensbach über die Stimmung im Land. Angesichts der allgemeinen Orientierungslosigkeit ist es auch kein Wunder, dass Aufklärung und Hilfe wie die durch den Wahl-O-Mat großen Zulauf haben. Fast 16 Millionen Mal wurde das Onlinetool seit Anfang September genutzt, wie der Betreiber, die Bundeszentrale für politische Bildung, mitteilte – deutlich häufiger als noch 2017.

Interessanterweise aber scheint der Wahl-O-Mat letztlich nur bestehende Positionen zu bestätigen: "90 Prozent der Benutzerinnen und Benutzer kommen am Ende bei ihrer Parteipräferenz raus", sagte der Düsseldorfer Politologe Stefan Marschall.

Quellen: Allensbach/"FAZ", RND, "The Pioneer", "Berliner Zeitung", "Welt"


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