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BND: Stasi-Mann beschnüffelte Journalisten

Der BND spähte Journalisten aus, dabei half auch der ehemalige Stasi-Agent Uwe Müller. Der stern zeichnet in seiner neuen Ausgabe Müllers "Zweitkarriere" nach - Ex-BND-Chef Hanning ist in Erklärungsnot.

Gedrungene Figur, militärisch kurz geschnittene Haare, randlose Brille - so sieht Uwe Müller aus, ein Mann, der sich nicht fotografieren lassen möchte. Der 43-jährige lebt in einem Leipziger Vorort, in seinem Bücherregal stehen Standardwerke über den Mossad, den KGB und den Bundesnachrichtendienst (BND). Müller ist Mitglied im SPD-Ortsverein Leipzig-Ost und steht nicht gerne im Rampenlicht - immerhin ist er einer der Schlüsselfiguren der BND-Affäre, wie der stern in seiner jüngsten Ausgabe berichtet.

Müller, von Beruf Politikberater, war nach eigenen Angaben von 1982 bis 1986 Inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit, Deckname "Meyer". Zu seinen Aufgaben gehörte unter anderem, auf den DDR-Kirchentagen "Hintergrundinformationen" über westdeutsche Journalisten zu sammeln - zu diesem Zweck sprach er etwa mit dem ehemaligen Ost-Berliner ARD-Korrespondenten Peter Merseburger. Der Lohn: Insgesamt habe ihm die Stasi 2000 DDR-Mark gezahlt, so Müller.

Aus "Meyer" wurde "Sommer"

Nach der Wende musste Müller - ein passionierter Sammler und Analytiker von Informationen - sein geheimdienstliches Gewerbe nicht vollständig aufgeben. Denn von 2001 bis 2005 arbeitete er für den BND, diesmal unter dem Decknamen "Sommer". Und zu seinen Aufgaben gehörte abermals, westdeutsche Journalisten auszuspähen. Müller war zum zum Beispiel in Kontakt mit Andreas Förster, Redakteur der Berliner Zeitung. Förster hatte eine Stasi-Liste mit den Namen von BND-Agenten ergattert, ein Thema, an dem die BND-Zentrale in Pullach naturgemäß großes Interesse hatte.

Die BND-Chefetage gerät durch den Fall Müller in große Erklärungsnot, wie der stern berichtet. Müller selbst sagt, dass der BND von seiner Stasi-Vergangenheit gewusst habe. Der ehemalige BND-Präsident August Hanning, heute Staatssekretär im Innenministerium, soll auch über seine Anwerbung informiert gewesen sein - Hanning bestreitet bislang, überhaupt etwas über die Bespitzelung von Journalisten gewusst zu haben.

"Kontext zur Staatssicherheit"

Hannings Nachfolger, Ernst Uhrlau, ist nicht weniger betroffen. Ihm wurde im Zuge der BND-Affäre immer wieder vorgeworfen, der Geheimdienst wende Stasi-Methoden an. Uhrlau hat sich dagegen vehement gewehrt und zu Protokoll gegeben, man dürfe seinen Dienst keinesfalls "in engen Kontext zur Staatssicherheit" bringen. Der Einsatz von Uwe Müller belegt nach stern-Informationen das genaue Gegenteil.

Der BND wollte bislang zum Fall Müller nicht offiziell Stellung beziehen. Dafür sprach der Geheimdienst-Experte Schmidt-Eenboom mit dem stern. Seiner Ansicht nach hat die Politik den BND nicht mehr im Griff.