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Bombenfund: TNT in Dresden, Bombenverdacht in Köln

Aus Angst vor einer möglichen Kofferbombe ist der Kölner Hauptbahnhof am Dienstag komplett gesperrt worden. Spezialisten untersuchten den herrenlosen verdächtigen Koffer auf Sprengstoff.

Aus Angst vor einer möglichen Kofferbombe ist der Kölner Hauptbahnhof am Dienstag komplett gesperrt worden. Das teilten die Deutsche Bahn und der Bundesgrenzschutz mit. Spezialisten untersuchten den herrenlosen verdächtigen Koffer auf Sprengstoff.

Der Koffer war kurz vor 16.00 Uhr auf dem Bahnsteig zwischen den Gleisen 4 und 5 entdeckt worden. Über seine Größe und sein Aussehen gab der Bundesgrenzschutz zunächst keine Auskunft. Am Freitag war in Dresden eine Kofferbombe auf dem Hauptbahnhof entdeckt worden.

Sperrung im Berufsverkehr

Ob der Koffer in Köln ebenfalls Sprengstoff enthielt, war zunächst offen. Die Reisenden traf die Sperrung während des abendlichen Berufsverkehrs. Es sei noch unklar, wie lange die Untersuchung des Koffers dauern werde, sagte ein Sprecher des Bundesgrenzschutzes.

Bombe in Dresden

Die auf dem Dresdner Hauptbahnhof gefundene Kofferbombe enthielt nach Informationen mehrerer Zeitungen hochexplosives TNT. Das Landeskriminalamt (LKA) wollte am Dienstag aus ermittlungstaktischen Gründen dazu keine Stellung nehmen. Auch zum Stand der Untersuchungen wollte die Behörde nach dem Fund vom Freitagabend keine Einzelheiten nennen.

Sonderkommission "Bahnhof"

Beim LKA in Sachsen wurde eine 16-köpfige Sonderkommission "Bahnhof" gebildet, in der auch ein Experte des Bundeskriminalamtes mitarbeitet. Die Fahnder schlossen einen terroristischen Hintergrund nicht aus. Es gebe aber kein Bekennerschreiben. Nach LKA-Angaben hätten mit dem Sprengsatz viele Menschen verletzt oder getötet werden können.

Der Koffer war am Freitagabend auf einem Bahnsteig entdeckt worden. Der Hauptbahnhof wurde mitten im Pfingstreiseverkehr evakuiert und für sieben Stunden gesperrt. Zunächst waren die Ermittler von zwei verdächtigen Koffern ausgegangen. Bei dem einen Gepäckstück konnten sie aber Entwarnung geben. Es hatte nur Bekleidung enthalten, sein Besitzer hatte sich gemeldet.

War es eine Splitterbombe?

Der in Berlin erscheinende "Tagesspiegel" (Mittwochausgabe) berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise, der Koffer habe ein Kilogramm TNT und Nitro-Verdünner enthalten. Experten hätten die Kofferbombe als professionell hergestellt bezeichnet. Die "Bild"- Zeitung meldete unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht des LKA in ihrer Mittwochausgabe, das Gepäckstück habe außer TNT einen elektrischen Zünder, einen Wecker sowie eine "splitterbildende Beiladung" aus Schottersteinen enthalten.

Keine Videoaufzeichnung

Zu dem Bombenfund existieren keine Videoaufzeichnungen. Der Arbeitsplatz für solche Aufnahmen sei am Freitagabend nicht besetzt gewesen, weil keine Gefahrensituation vorlag, sagte der Sprecher des Bundesgrenzschutzamtes in Pirna, Dietmar Kottwitz. Er bestätigte damit einen Bericht der "Sächsischen Zeitung". Der Platz sei beispielsweise besetzt, wenn nach Fußballspielen Ausschreitungen zu befürchten seien.

Geplantes Attentat oder Versehen?

Unklar blieb am Dienstag, ob der Koffer auf dem Bahnsteig bewusst deponiert oder versehentlich stehen gelassen wurde. "Es ist offen, wer und mit welcher Absicht den Koffer abgestellt hat", sagte Innenminister Horst Rasch (CDU). Einiges aus dem Koffer stamme aus Deutschland, anderes aus dem benachbarten Ausland.

Es gebe weder Erkenntnisse zu terroristischen Strukturen in Sachsen noch zu geplanten Anschlägen, sagte Rasch. Daran änderten auch die jüngsten Ereignisse nichts. Anlass für eine Erhöhung der Polizeipräsenz und die Einführung von Gepäckkontrollen auf Bahnhöfen sah Rasch nicht. Auch der BGS sieht nach eigenen Angaben keine Notwendigkeit, die Sicherheitsvorkehrungen an Bahnhöfen und Flughäfen in Sachsen zu verstärken.

Mehr Personal bei der Bahn gefordert

Die Deutsche Bahn AG will nach dem Bombenfund neben ihren Mitarbeitern auch die Reisenden für Gefahren sensibilisieren. Über Lautsprecher sollen die Reisenden verstärkt darum gebeten werden, auf ihr Gepäck beziehungsweise herrenlose Koffer zu achten. Die Deutsche Polizeigewerkschaft forderte unterdessen eine Verstärkung des BGS. Der für den BGS zuständige Vorsitzende des Fachverbandes Bundespolizei, Hans-Joachim Zastrow, sagte in Lübeck, nach wie vor habe die BGS-Bahnpolizei auf den Großbahnhöfen nicht genügend Leute, obwohl die Situation nach den Anschlägen vom 11. September 2001 verbessert worden sei. Er verlangte die Einstellung von wenigstens 800 Dienstanfängern in den nächsten drei Jahren.

DPA