Brand in Ludwigshafen Schäuble warnt vor falschen Verdächtigungen


Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat die Retter bei der Brandkatastrophe von Ludwigshafen als Helden bezeichnet und vor Pauschalurteilen und falschen Verdächtigungen gewarnt. Dass die Türkei eigene Ermittler an den Brandort entsenden will, begrüßte Schäuble. Auch der türkische Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan will Ludwigshafen besuchen.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat die Retter bei der Brandkatastrophe von Ludwigshafen als Helden bezeichnet. "Man darf über alle Betroffenheit nicht den Dank an die Polizei und die Feuerwehr vergessen, die unter großer Gefahr für ihr Leben Leben gerettet haben", sagte der CDU-Politiker der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Unterdessen wird der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zu einem Besuch erwartet. In dem Mehrfamilienhaus in der Ludwigshafener Innenstadt lebten Türken. Innenminister Schäuble sagte in dem Interview: "Polizisten und Feuerwehrleute gehören oft zu den Helden unserer Zeit."

Zu Berichten in türkischen Medien über einen möglichen Brandanschlag mit fremdenfeindlichem Hintergrund sagte Schäuble, dass man die aufnehmende Gesellschaft vor falschen Verdächtigen und Pauschalurteilen in Schutz nehmen müsse, wenn man Integration wolle. Die Menschen in Deutschland fühlten sich genauso betroffen. "Wir sind in unserer Betroffenheit über Todesopfer nicht von der Staatsangehörigkeit abhängig", sagte Schäuble. Dass die Türkei eigene Ermittler an den Brandort entsenden will, will Schäuble nach eigenen Worten nicht als Zeichen des Misstrauens verstanden wissen. "Ich verstehe das als den Wunsch, den in Deutschland lebenden Türken und Menschen türkischer Abstammung die zusätzliche Versicherung zu geben, dass nichts unter den Teppich gekehrt wird. Wir wissen, dass es für solche Sorgen keinen Grund gibt, aber in dem Sinne habe ich gleich gesagt, dass wir das begrüßen."

Türkische Zeitungen vermuten rechtsradikalen Hintergrund

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), hat die Reaktion in der türkischen Presse auf die Brandkatastrophe in Ludwigshafen kritisiert. Der "Bild"-Zeitung sagte Polenz: "Es gebietet der Respekt vor den Opfern, die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen abzuwarten und Vorverurteilungen zu vermeiden. Ich verstehe zwar, dass die Tragödie von Ludwigshafen Erinnerungen an den Brandanschlag von Solingen wachruft. Aber es hilft niemanden, jetzt Öl ins Feuer zu gießen."

Einige türkische Blätter hatten laut "Bild" für den Brand in Ludwigshafen rechtsradikale Hintergründe vermutet und ihre Berichte mit Hakenkreuz-Symbolen und Bildern von Graffiti mit ausländerfeindlichen Parolen illustriert. Auch deswegen sei es gut, dass türkische Ermittler in Ludwigshafen vor Ort seien und die Arbeit der hiesigen Polizei begleiten, sagte Polenz. "Das kann dazu beitragen, die offenkundig aufgeheizte Situation etwas abzukühlen."

"Hauptsache, jeder war da"

Auch das Ludwigshafener Brandopfer Kamil Kaplan äußerte sich positiv über die Rettungskräfte. Er wolle sich bei Polizei und Feuerwehr bedanken, sagte Kaplan, der seinen kleinen Neffen aus dem Fenster in die Arme eines Polizisten fallen ließ. Er warnte seine Landsleute in Deutschland, etwas Falsches zu machen. Zuvor hatten Ermittlungsbehörden vor allem in türkischen Medien erhobene Vorwürfe gegen die Feuerwehr zurückgewiesen. Für Bestürzung sorgte ein Vorfall, bei dem ein 37-jähriger, in der Türkei geborener Mann laut Polizei in einem Lokal einem Feuerwehrmann Vorhaltungen machte und ihn umstieß.

"Ich denke, wir sind alle gleich. Wir sind alle Menschen und jeder kann Fehler machen", sagte Kaplan. "Hauptsache, jeder war da", betonte Kaplan und bedankte sich ausdrücklich bei den Einsatzkräften und den Helfern, die seit vier Tagen bei den Opfern seien. Er wolle niemandem Vorwürfe machen, solange man nichts Genaues wisse.

Erdogan wird am Donnerstag zu einem mehrtägigen Arbeitsbesuch in Deutschland erwartet. Nach seiner für 15.30 Uhr erwarteten Ankunft in Frankfurt am Main führt ihn sein erster Weg nach Ludwigshafen, wo er den Ort der Brandkatastrophe besichtigen wird. Danach will er Verletzte im Krankenhaus besuchen. Am Mittwoch war bereits der türkische Staatsminister Mustafa Sait Yazicioglu in Ludwigshafen, wo er mit der Staatsministerin für Integration, Maria Böhmer, vor der Brandruine zusammentraf. Er brachte vier türkische Brandexperten mit, die auf Bitte der Regierung die Ermittlungen der deutschen Polizei beobachten sollen.

AP/Reuters AP Reuters

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