HOME

Bündnis 90/Grüne: Grüne stellen sich auf Opposition ein

"Das ist ein schwieriges Wahlergebnis", meinte Außenminister Joschka Fischer. Jetzt müsse man sich auf Opposition einstellen. Die Grünen können sich erst einmal zurücklehnen.

Zwar haben die Grünen bei der Bundestagswahl am Sonntag ihr Ziel nicht erreicht, vier weitere Jahre mit der SPD die Regierung zu stellen. Doch ihr eigenes Ergebnis haben sie den Hochrechnungen zufolge mit über acht Prozent stabilisiert. Jetzt stellen sich die Grünen auf Opposition ein, wie die Parteichefs Claudia Roth und Reinhard Bütikofer verkündeten. Hinter den Kulissen wird jedoch auch die Möglichkeit einer Ampelkoalition nicht ausgeschlossen.

Jubel brandete unter den 3.000 Anhängern auf der Grünen-Wahlparty in Berlin auf, als die unerwartet magere Hochrechnung für die Union verkündet wurde - vor allem als sich abzeichnete, dass CDU-Chefin Angela Merkel voraussichtlich noch ein schlechteres Ergebnis erzielen würde als vor drei Jahren CSU-Chef Edmund Stoiber. "Was die Mehrheit nicht will, ist von Frau Merkel durchregiert zu werden", rief Bütikofer von der Bühne. "Küche, Kirchhof, Katastrophe", buchstabierte ein Grüner das Ergebnis der Union. Nur eines war nach den ersten Hochrechnungen bereits klar: Für Rot-Grün reicht es nicht. Die naheliegendste Option schien die große Koalition.

"Schwieriges Waglergebnis"

"Das ist ein schwieriges Wahlergebnis", meinte Außenminister Joschka Fischer. Jetzt müsse man sich auf Opposition einstellen. "Jetzt sind die Großen am Zug." Eine Formel, die alle Grünen-Spitzenpolitiker fast wortgleich gebrauchen: "Wir stellen uns darauf ein, dass es Opposition wird", sagte Bütikofer. "Jetzt sind die anderen am Zug, jetzt ist Frau Merkel am Zug", betonte Roth. Auch die Fraktionsvorsitzende Krista Sager meinte: "Wir haben uns klar eingestellt auf Opposition. Alles andere ist Angelegenheit der großen Parteien." Wenn man genauer hinhörte, wurde jedoch auch eine Ampelkoalition mit SPD und FDP nicht ausgeschlossen. "Wir müssen das Ergebnis begreifen als Auftrag, bei der Gestaltung des Landes weiter voranzukommen, ob in der Opposition oder in anderer Rolle", orakelte Fischer.

Andere äußerten die Befürchtung, eine Ampel könne die Grünen vor eine Zerreißprobe stellen. Als problematisch wurde auch gesehen, dass die FDP besser abgeschnitten hat als die Grünen. Fischer erfüllte es vor allem mit Zufriedenheit, dass Merkel - wie von ihm in einer Bundestagsrede prophezeit - gleich einem "Soufflé" in sich zusammengefallen sei. "Schwarz-Gelb ist gescheitert", konstatierte Fischer.

Die Grünen waren insbesondere stolz darauf, dass sie allen Unkenrufen zum Trotz ihr Ergebnis von 2002, das bei 8,6 Prozent gelegen hatte, nahezu behaupten konnten. "Das ist ein grünes Ergebnis, das ist keines, das mit Leihstimmen zustande kam", sagte Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke. "Das ist das zweitbeste Ergebnis, das wir jemals hatten", resümierte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. Angesichts der Rahmenbedingungen sei das Ergebnis "sensationell", meinte auch Roth.

Keine weiteren vier Jahre im Außenamt

Die Grünen haben die vorgezogene Wahl nicht gewollt; sie war eine Idee des Kanzlers. Mit fast trotzigem Elan haben sie sich dann in den Wahlkampf gestürzt, als erste ihren Spitzenkandidaten gekürt, als erste ihr Wahlprogramm auf einem Sonderparteitag verabschiedet. Fischer legte auf seiner Wahlkampftour quer durch Deutschland 14.000 Kilometer zurück und sprach auf 83 Marktplätzen. Bis zuletzt gab er sich optimistisch, dass es für vier weitere Jahre Rot-Grün reichen könnte.

Noch am Freitag, als er mit seinem Tourbus in den Hangar des Flughafens Tempelhof in Berlin einfuhr, um seine Anhänger ein letztes Mal zu mobilisieren, rief er mit heiserer Stimme: "Wir packen das." Trotz des respektablen Ergebnisses für seine Partei wird sein sehnlichster Wunsch wohl kaum in Erfüllung gehen: "Ich möchte auch in den kommenden Jahren als Bundesaußenminister unsere selbstbewusste Friedenspolitik vertreten", hatte er erklärt.

Claudia Kemmer/AP / AP