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BUND: Atomstrom-Verschiebung nach Biblis ist "illegal und gefährlich"

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Bundesregierung aufgefordert, die Übertragung von Reststrommengen aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Stade auf den Reaktor Biblis A zu stoppen. Das Verschieben der Strommengen auf Biblis A sei "illegal und gefährlich", erklärte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger am Montag in Berlin.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Bundesregierung aufgefordert, die Übertragung von Reststrommengen aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Stade auf den Reaktor Biblis A zu stoppen. Das Verschieben der Strommengen auf Biblis A sei "illegal und gefährlich", erklärte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger am Montag in Berlin. Zur Begründung verwies er auf die von Biblis A ausgehenden Risiken. Ein Atomkraftwerk werde umso störanfälliger, je älter es sei. Auch sei im Atomkonsens zwischen Bund und Energiekonzernen auf dringend nötige Sicherheitsnachrüstungen für den hessischen Reaktor verzichtet worden.

Der Essener Energiekonzern RWE hat von seinem Konkurrenten Eon eine Reststrommenge von rund 4,8 Terawattstunden aus dessen stillgelegtem Akw Stade abgekauft, um damit sein in den siebziger Jahren gebautes Atomkraftwerk Biblis A mindestens ein halbes Jahr länger laufen zu lassen. Das hatten beide Unternehmen am Sonntagabend mitgeteilt. Das Kernkraftwerk Stade wurde 2003 stillgelegt. Das jetzt erworbene Stromkontingent sei ausreichend, um den Reaktor Biblis A rund sechs Monate "mit voller Last zu betreiben", erklärte RWE. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt. In Presseberichten war von einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag die Rede.

Der BUND forderte Bundesumweltminister Norbert Röttgen und Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) auf, dagegen einzuschreiten. "Wenn die RWE-Manager Biblis A weiter betreiben wollen, um damit pro Jahr einige hundert Millionen Euro zusätzlich zu verdienen, dann ist das keine Angelegenheit, die sie mit Eon hinter den Kulissen aushandeln dürfen", erklärte der BUND-Atomexperte Thorben Becker. Eine "Atomstromdealerei" auf Kosten der Sicherheit der Bevölkerung müsse gestoppt werden.

Mit dem Kauf des Stromkontingents von Eon wollte RWE nach eigenen Angaben sicherstellen, "dass vor dem Vorliegen des Energiekonzeptes und einer im Koalitionsvertrag angelegten Rücknahme der Laufzeitverkürzung keine Fakten geschaffen werden". Die Bundesregierung will im Herbst entscheiden, ob Atomkraftwerke länger als vereinbart am Netz bleiben dürfen. Allerdings ist nach der Abwahl der schwarz-gelben Regierung in Nordrhein-Westfalen auch die Mehrheit von Union und FDP im Bundesrat gekippt, was eine Abkehr vom Atomausstieg für die Koalitionäre in Berlin zumindest schwerer macht.

AFP / AFP