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Bundesverdienstkreuz: Raus launige Ordensverleihung

Bundespräsident Johannes Rau hat die drei dienstältesten Länderchefs Kurt Beck, Edmund Stoiber und Erwin Teufel mit dem höchsten Verdienstorden ausgezeichnet. Der aus dem Amt scheidende Rau nahm die Ehrung mit Vergnügen vor.

Der Bundespräsident war zum Scherzen aufgelegt. Mit großem Neid habe er gehört, dass Edmund Stoiber Leutnant der Gebirgsschützen sei, sagte Johannes Rau bei der Zeremonie. "Ich habe nicht einmal einen Mannschaftsgrad." Bayerns CSU-Ministerpräsident Stoiber war am Freitag als letzter ins Gästehaus des Auswärtigen Amts in Berlin gekommen, um aus der Hand des Bundespräsidenten das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik zu empfangen. Auch seine Kollegen aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, Kurt Beck (SPD) und Erwin Teufel (CDU), erhielten diese höchste Ehrung, die Deutschland zu vergeben hat.

Stoiber, der sonst auch gerne den Bayerischen Verdienstorden trägt, verriet: "Ich habe mich heute ordensfrei gehalten." Der in knapp drei Wochen aus dem Amt scheidende Rau nahm die Auszeichnung mit sichtlichem Vergnügen vor - mit allen dreien hatte er auch als Regierungschef von Nordrhein-Westfalen in der Ministerpräsidentenkonferenz zusammengearbeitet.

Von Theodor Heuss ins Leben gerufen

Den Verdienstorden, von dem es acht Abstufungen gibt, hatte der erste Bundespräsident Theodor Heuss 1951 ins Leben gerufen. Wenn ihn der Bundespräsident persönlich verleiht, gilt das als besondere Ehre. Rau mahnte: "Wer ihn bekommt, soll ihn auch tragen."

Die Ordensverleihung erforderte Improvisationstalent, fand sie doch erstmals nicht im Amtssitz des Bundespräsidenten statt. Das Schloss Bellevue wird saniert und ist seit drei Wochen eine Baustelle. Das Gästehaus weit draußen im noblen Stadtteil Dahlem, wo zu Mauerzeiten der amerikanische Stadtkommandant zu Hause war, ist für einen größeren medialen Rummel nicht besonders geeignet. So herrschte ein dichtes Gedränge.

Abschiedsessen mit Schaumsuppe und Schwarzfederhuhn

Anschließend zogen sich die Regierungschefs der Länder mit dem Staatsoberhaupt zu einem Abschiedsessen in einen ruhigen Nebenraum zurück, wo der Präsidentenkoch Jan-Göran Barth Schaumsuppe von jungen Erbsen, Schwarzfederhuhn mit Morchelrahm und Holunderblütenparfait angerichtet hatte. Da war Stoiber aber als erster schon wieder weg. Mit Blaulicht brauste er zurück in die City.

Norbert Klaschka/DPA / DPA