BUNDESWEHR-EINSATZ Wolldecken statt Waffen


Recht unspektakulär verlief der Auftakt des Anti-Terror-Einsatzes der Bundeswehr in Ramstein. Mit 8,8 Tonnen Wolldecken an Bord flogen drei Transall-Maschinen zur Unterstützung der US-Soldaten in Afghanistan ab.

Mehrere tausend Wolldecken für US-Soldaten im Afghanistan-Krieg statt Waffenlieferungen oder deutsche Bodensoldaten - der Auftakt des Anti-Terror-Einsatzes der Bundeswehr verlief auf dem US-Militärflughafen im pfälzischen Ramstein unspektakulär. Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) fehlte, als die ersten dickbauchigen Transall-Maschinen mit jeweils vier deutschen Soldaten und 8,8 Tonnen Wolldecken an Bord zur logistischen Unterstützung der US-Soldaten zuerst ins NATO-Partnerland Türkei abflogen.

Gabelstapler und Ersatzturbinen

Auf dem großen Parkplatz vor dem Ramstein-Airport, auf dem in den vergangenen Tagen noch Einzelne mit Transparenten gegen den Afghanistan-Krieg demonstriert hatten, gab es am Montagmorgen nicht den Hauch eines Protestes. Auf dem Vorfeld beluden ein gutes Dutzend deutscher und amerikanischer Soldaten die Transall-Maschinen über die nach unten ausgeklappten Ladeluken mit Paletten. »Es sind amerikanische Decken, viel mehr wissen wir auch nicht«, sagt Luftwaffen-Presseoffizier Matthias Keltsch: »Später sollen auch andere Güter vom grünen Bundeswehrhandtuch bis zum Gabelstapler oder zur Ersatzturbine transportiert werden«. Waffenlieferungen oder größere Soldatentransporte sind zumindest vorerst nicht vorgesehen.

Robuste Transportflugzeuge

Die robusten, bis zu 30 Jahre alten deutschen Transall-Transportflugzeuge, die am Montag starteten, waren mit jeweils zwei Piloten, einem Techniker und einem Lademeister besetzt. Ihr erstes Ziel bei einer auf 400 Stundenkilometer beschränkten Reisegeschwindigkeit mit Vollbeladung: Der türkische Militärflughafen Sabiha Gokcen bei Istanbul. Dort müssen die Transall-Flugzeuge, die nur eine begrenzte Reichweite haben, nochmals aufgetankt werden, um weiter ins 700 Kilometer entfernte türkische Incirlik zu fliegen.

»Dort werden die Maschinen dann erst einmal entladen«, erklärt Major Meinrad Angermayer. In der Türkei sind bereits Vorauskommandos mit insgesamt etwa 90 Bundeswehr-Soldaten stationiert. Aber wie es dann mit den Transportgütern mit Hilfe anderer NATO-Bündnispartner in Richtung Afghanistan weitergeht, wissen auch die Bundeswehr-Offiziere nicht. »Die politischen Bedingungen sind eine andere Ebene für uns«, sagt Angermayer. Der Bundeswehr-Einsatz von Ramstein aus sei dagegen kaum mehr als Routine gewesen - auch wenn die deutschen Soldaten an Bord aus Sicherheitsgründen nicht mit Presseleuten reden durften.


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