Bundeswehr in Afghanistan McChrystal fordert mehr Risikobereitschaft


Mehr Soldaten, höhere Risikobereitschaft: Stanley McChrystal, Oberbefehlshaber der Nato-Soldaten in Afghanistan, schwört die internationale Schutztruppe auf seine neue Strategie ein. Besonders kritisch sieht er das zögerliche Vorgehen der Deutschen am Hindukusch.

Der amerikanische Isaf-Kommandeur Stanley McChrystal hat mehr Soldaten für Afghanistan gefordert. Der "Bild"-Zeitung sagte der Vier-Sterne-General, er werde Anfang Februar zur Sicherheitskonferenz nach München reisen und sein Anliegen dort vorbringen. Er werde alle Mitglieder des Isaf-Mandats auffordern, "weitere Ausbilder zu stellen, um die afghanischen Sicherheitskräfte zu trainieren". Auch in Hinblick auf die Afghanistan-Konferenz in London betonte McChrystal, "alle Länder sollten sich überlegen, was sie leisten können, um genug Soldaten für die Ausbildung der Afghanen bereitzustellen".

McChrystal unterstrich die strategische Bedeutung von Nord-Afghanistan und forderte die Deutschen auf, mehr Risiken einzugehen. "Der Norden - zum Beispiel Kundus - ist entscheidend für die Stabilität", wird der Oberkommandierende der US-Truppen in Afghanistan zitiert. Die Taliban hätten die dortigen Zustände gezielt genutzt, "um sich auszubreiten. Sie wollen den Eindruck vermitteln, dass ihre Bewegung im ganzen Land aktiv sein kann".

Wie alle Truppen in ganz Afghanistan müssten auch die Deutschen mit den höheren Risiken seiner neuen Strategie leben. "Vielleicht müssen sie sogar die Art und Weise ändern, wie sie bisher vorgegangen sind", sagte McChrystal. Er sei optimistisch, dass es dabei schon Fortschritte gebe. "Aber ich bin auch überzeugt davon, dass sie alle noch weiter vorankommen müssen."

Zu viele Bundeswehr-Patrouillen in Panzerfahrzeugen

Über das deutsche Vorgehen in Afghanistan, meistens mit schwer gepanzerten Fahrzeugen auf Patrouille zu gehen, äußerte McChrystal sich kritisch. Die Aufständischen wollten eine Situation schaffen, die so gefährlich ist, dass die Sicherheitskräfte "in ihren Feldlagern bleiben, ihre gepanzerten Fahrzeuge nicht mehr verlassen, kaum noch Kontakt zur Bevölkerung haben. Dann mögen die Sicherheitskräfte noch vor Ort sein aber sie sind irrelevant. Wenn die Aufständischen das schaffen, haben sie ihre Mission erfüllt."

Es falle der afghanischen Bevölkerung schwer, ihrer eigenen Regierung zu vertrauen, "wenn sie nicht das Gefühl haben, beschützt und respektiert zu werden." Die afghanische Bevölkerung sei "mit Ungewissheit geschlagen", sagte McChrystal und fügte hinzu: "Sie sind unsicher über die Wirksamkeit ihrer Regierung. Die Afghanen wissen nicht, wie mächtig die Aufständischen wirklich sind. Sie wissen nicht, wie entschlossen die internationale Gemeinschaft ist."

McChrystal bekräftigte auch, dass er plane, amerikanische Truppen in den Norden des Landes zu schicken. Die US-Soldaten sollten aber dem dortigen deutschen Regionalkommandeur unterstellt werden. "Sie sollen in erster Linie bei der Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte helfen. Sie sollen die Deutschen nicht ersetzen, sondern vielmehr ergänzen und unterstützen. Wir wollen damit zeigen, wie wichtig uns der Norden ist", sagte der Isaf-Kommandeur.

APN APN

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