Konsequenz aus Läster-Affäre Obama feuert Afghanistan-General McChrystal


Der General muss gehen: US-Präsident Barack Obama hat den Oberbefehlshaber der Nato-Truppen in Afghanistan, Stanley McChrystal, entlassen. Der Grund: McChrystal hatte über den Präsidenten öffentlich gelästert. Sein Nachfolger steht bereits fest.

Seine abfälligen Bemerkungen über US-Präsident Barack Obama haben den Oberbefehlshaber für Afghanistan, Stanley McChrystal, das Amt gekostet. Obama nahm am Mittwoch ein Rücktrittsgesuch des Generals an. Der Präsident äußerte Bedauern, sprach jedoch zugleich von einer "richtigen Entscheidung für unsere nationale Sicherheit". Nachfolger McChrystals solle General David Petraeus werden, der Oberbefehlshaber des US-Zentralkommandos Nahost.

Obama sagte, er könne Versuche der Spaltung nicht akzeptieren. Die US-Politik in Afghanistan werde sich durch den Wechsel an der Spitze nicht ändern. McChrystal erklärte, er habe sich zum Rücktritt entschlossen, um den Erfolg des US-Militäreinsatzes in Afghanistan nicht zu gefährden. Der US-General war bislang Oberbefehlshaber nicht nur der amerikanischen Truppen in Afghanistan, sondern auch aller anderen Soldaten der Nato-Truppe Isaf. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erklärte, er nehme den Rücktritt McChrystals zur Kenntnis. "Ich danke General McChrystal für seine Dienste für die Nato und für die gewaltige Anstrengung, die er in die Führung der Isaf gesteckt hat."

Entschuldigung für Beleidigungen nutzte nichts

McChrystal, 55, war am Dienstag massiv in die Kritik geraten, nachdem Zitate aus einem Zeitschriften-Artikel vorab bekanntgeworden waren. In dem "Rolling Stone"-Porträt äußern sich der General und seine Mitarbeiter abwertend und teils beleidigend über Obama, Vizepräsident Joe Biden und andere Regierungsmitglieder sowie Diplomaten.

McChrystal hatte sich nach Bekanntwerden des Artikels umgehend entschuldigt. "Das war ein Fehler, der schlechtes Urteilsvermögen zeigt und der nie hätte passieren dürfen", erklärte der 55-Jährige. Er war am Mittwoch zu Obama ins Weiße Haus beordert worden, das Gespräch zwischen beiden Männern dauerte etwa eine halbe Stunde.

McChrystal setzte neue Afghanistan-Strategie um

Die Entlassung kommt für Obama zu einem ungelegenen Zeitpunkt. Die internationalen Truppen bereiten im Süden Afghanistans eine Großoffensive gegen die radikal-islamischen Taliban vor, gleichzeitig nehmen die Todesfälle von Soldaten bei Kämpfen und Anschlägen zu. McChrystal galt als erfahrener und kompetenter Kommandeur, der nur schwer ersetzt werden könne.

McChrystal hat im vergangenen Jahr den Strategiewechsel am Hindukusch umgesetzt. Die USA stockten ihre Truppen massiv auf, gingen in die Offensive gegen die Taliban und entwickelten gleichzeitig einen Zeitplan für einen Abzug ihrer Kampftruppen.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai erklärte, er respektiere Obamas Entscheidung. Karsai "freue" sich auf die Zusammenarbeit mit Petraeus, sagte sein Sprecher in Kabul. Dieser kenne Afghanistan und die Region sehr gut und sei ein "erfahrener General".

ukl/AFP/APN/DPA/Reuters DPA Reuters

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