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Aus für Stanley McChrystal: US-General David Petraeus soll die Wende bringen

US-General David Petraeus hat schon einmal einem Krieg die Wende gebracht - im Irak. US-Präsident Barack Obama setzt darauf, dass Petraeus das noch einmal schafft. Am Mittwoch fiel die Entscheidung, dass der Vier-Sterne-General den bisherigen Oberbefehlshaber der ISAF-Truppen in Afghanistan ablösen soll.

US-General David Petraeus hat schon einmal einem Krieg die Wende gebracht - im Irak. US-Präsident Barack Obama setzt darauf, dass Petraeus das noch einmal schafft. Am Mittwoch fiel die Entscheidung, dass der Vier-Sterne-General den bisherigen Oberbefehlshaber der ISAF-Truppen in Afghanistan ablösen soll. Stanley McChrystal hatte sich zuvor mit abfälligen Äußerungen über die politische Führungsspitze in Washington ins Aus katapultiert.

Der professoral wirkende Petraeus wurde aber nicht für diesen Posten ausgesucht, um einen radikal neuen Ansatz umzusetzen. Vielmehr gilt er als derjenige, der am ehesten dafür sorgen kann, dass die aktuelle Strategie Früchte trägt. Außerdem erhofft man sich von ihm, dass er das Gezänk zwischen Militärs und Diplomaten beenden kann. Und Petraeus ist nicht nur für seine Führungsqualitäten bekannt. Der 57-Jährige steht früher auf als die meisten seiner halb so alten Kollegen und beantwortet selbst spät in der Nacht noch E-Mails.

Als Mitglied des US-Oberkommandos war Petraeus sozusagen McChrystals Boss. In dieser Position konnte er das Geschehen auf vielen Reisen nach Afghanistan, Pakistan und Washington hautnah verfolgen. "Er kennt die aktuellsten Geheimdienstinformationen, er kennt die wichtigen Politiker und Militärs und versteht, wie die Region tickt", sagt John Nagl, Präsident der Denkfabrik für Sicherheitspolitik Center for the New American Security.

In seinen zwei Jahren im Oberkommando habe Petraeus außerdem eine gute Arbeitsbeziehung zum afghanischen Präsidenten Hamid Karsai aufgebaut. Den US-Botschafter in Kabul, General Karl Eikenberry, kennt er noch aus gemeinsamen Militärzeiten. Genauso wichtig sei, dass Petraeus eine solide Beziehung zum Weißen Haus aufgebaut habe, sagt Michael O'Hanlon vom US-Forschungsinstitut Brookings Institution. Er habe an den dortigen Strategiebesprechungen zu Afghanistan, Irak und Iran teilgenommen. "Er und der Präsident kennen sich sehr gut", sagt er. Diese Vertrautheit habe in Obamas Beziehung zu McChrystal gefehlt.

Karrieretechnisch gesehen ist der Afghanistan-Job für Petraeus allerdings ein Rückschritt. Auf seinem bisherigen Posten war er für den Nahen Osten und damit für den Irak und Iran sowie für Afghanistan, Pakistan und andere zentralasiatische Länder verantwortlich. Aber niemand, der mit ihm gearbeitet hat, glaubt, dass er das als Degradierung empfinden werde. "Er erhält eine weitere Gelegenheit, zu einem kritischen Zeitpunkt in einen Krieg einzugreifen", sagt der frühere Offizier Nagl, der unter Petraeus das aktuelle US-Feldhandbuch zur Aufstandsbekämpfung mitverfasst hat. "Deshalb ist das auf keinen Fall ein Rückschritt."

Es wäre nur logisch, wenn Petraeus McChrystals Afghanistan-Strategie fortführt. Immerhin beruht sie bereits in weiten Teilen auf Petraeus' eigenen Ideen. Der aktuelle Plan sieht eine Aufstockung der Truppen vor, um die Sicherheitslage zu verbessern, während gleichzeitig der Waffeneinsatz beschränkt wird, um die Unterstützung der Bevölkerung vor Ort zu gewinnen. Mit diesem Rezept hat er in seiner Zeit als Oberbefehlshaber der US-Truppen und ihrer Verbündeten im Irak in den Jahren 2007 und 2008 dort für die Wende gesorgt.

Kimberly Dozier und Anne Flaherty, APN / APN