Besuch in Berlin Der nette Mister McChrystal


Der Oberbefehlshaber der Nato-Truppen in Afghanistan, Stanley McChrystal, ist bekannt für seine forsche, fordernde Art. Bei seinem Besuch in Berlin gab sich der US-General aber geradezu zahm - und sparte nicht mit netten Worten.

Für gewöhnlich ist der Oberbefehlshaber der Nato-Truppen, Stanley McChrystal, für seine negative Einschätzung der Lage in Afghanistan bekannt. Immer wieder fordert er bei den Verbündeten mit mahnenden Worten mehr Soldaten, mehr zivile Helfer und mehr Einsatz. Bei seinem Treffen mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Mittwoch in Berlin gab sich der US-General aber zurückhaltend. "Deutschland bleibt ein sehr wichtiger Partner in unserer Arbeit in Afghanistan", würdigte der US-General das Engagement und die Opfer der Bundeswehr am Hindukusch. Forderungen nach zusätzlichen Beiträgen der Bundeswehr waren nach Teilnehmerangaben kein Thema.

Keine Forderungen von McChrystal

McChrystal lobte ausdrücklich "den Einsatz und den Mut" der deutschen Soldaten. Im Vorfeld des Besuchs, der wegen der Vulkanwolke um zwei Tage verschoben werden musste, war spekuliert worden, der US-General könne Deutschland zu verstärkten Kampfeinsätzen auffordern. Das deutsche Kontingent ist mit derzeit rund 4400 Soldaten das drittgrößte des Nato-geführten Afghanistan-Einsatzes.

2010 bezeichnete McChrystal für die Befriedung Afghanistans aber als "kritisches Jahr". Die Situation bleibe ernst. Er hob hervor, dass die internationalen Militäreinsätze in Afghanistan auch weiterhin notwendig seien, um die Voraussetzungen für die politische Stabilität des Landes zu schaffen. Die Afghanen müssten jedoch in die Lage versetzt werden, die Zukunft ihres Landes selbst gestalten zu können, so McChrystal.

Guttenberg sieht neue Gefahren und Risiken

Guttenberg rechnet dabei in den kommenden Monaten mit einer erhöhten Gefahr für deutsche Soldaten in Afghanistan. Die neue Nato-Strategie, die gemeinsame Patrouillen mit afghanischen Soldaten vorsieht, berge neue Gefahren und Risiken. "Das ist gefährlich, zum Teil sogar sehr gefährlich", sagte der CSU-Politiker. Zuvor hatte bereits der deutsche Nato-Stabschef Karl-Heinz Lather mit Blick auf die neue Strategie vor weiteren deutschen Opfern gewarnt.

Guttenberg versicherte, die deutsche Führung im Norden Afghanistans werde von den USA anerkannt. "Wir wollen die Führungsverantwortung weiter so wahrnehmen, wie wir sie wahrgenommen haben", so Guttenberg. Die Bundeswehr sei jedoch dort auf die US-Soldaten angewiesen, "wo wir Defizite haben". Er nannte den Einsatz von US-Rettungshubschraubern, die im Gefecht verletzte Soldaten bergen können. Guttenberg verlieh amerikanischen Soldaten, die an der Rettung von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan teilgenommen hatten, das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold. Für den Minister eine Form "gelebter Allianz".

AFP/DPA/AP AP DPA

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