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Vor Lampedusa: Deutsche Marine rettet 200 Flüchtlinge aus Seenot

Seit zwei Tagen trieben 200 Menschen hilflos in ihrem Holzboot auf dem Mittelmeer, darunter auch Schwangere. Zur Hilfe kam ihnen erstmals die deutsche Marine.

Der Einsatzgruppenversorger "Berlin" (vorn) und die Fregatte "Hessen" waren an einer Rettungsaktion im Mittelmeer beteiligt. Die EU hatte im April eine verstärkte Seenotrettung beschlossen.

Der Einsatzgruppenversorger "Berlin" (vorn) und die Fregatte "Hessen" waren an einer Rettungsaktion im Mittelmeer beteiligt. Die EU hatte im April eine verstärkte Seenotrettung beschlossen.

Die deutsche Marine ist im Mittelmeer zum ersten Mal Flüchtlingen zu Hilfe gekommen, die in Seenot geraten waren. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums empfing die Fregatte "Hessen" am frühen Mittwochmorgen südöstlich von Sizilien einen Seenotruf. Gemeinsam mit dem Versorger "Berlin" sei die "Hessen umgehend zur betreffenden Stelle knapp 200 Seemeilen südöstlich von Sizilien gefahren.

Als die Deutschen eintrafen, hatte ein italienisches Zoll-Schiff bereits 95 Flüchtlinge an Bord genommen, insgesamt sollen sich 200 Menschen auf dem Holzboot befunden haben. Unter ihnen war nach Angaben eines Sprechers auch eine schwangere Frau, die wie die anderen Schiffbrüchigen zwei Tage lang nur Seewasser getrunken hatte. Auf Anfrage habe die "Hessen" ein Ärzteteam zur medizinischen Unterstützung auf das italienische Schiff entsandt, der schwangeren Frau gehe es inzwischen wieder besser.

5800 Flüchtlinge am Wochenende gerettet

Die italienischen Behörden teilten ihrerseits mit, die "Monte Cimone" habe vor Sizilien fast hundert Flüchtlinge an Bord genommen, die zwölf Tage lang auf dem Meer gewesen seien. Unter den Geretteten waren demnach 35 Frauen, darunter drei Schwangere. Das 50 Meter lange Flüchtlingsschiff sei zwei Tage lang manövrierunfähig auf dem Meer getrieben.

Nach italienischen Angaben waren allein am vergangenen Wochenende mehr als 5800 Flüchtlinge in dem Seegebiet geborgen worden. Seit Jahresbeginn kamen im Mittelmeer bereits mehr als 1500 Menschen ums Leben.

Fluchtweg über Libyen

Die Bundesregierung hatte nach dem EU-Flüchtlingsgipfel im April die "Hessen" und den Versorger "Berlin" ins Mittelmeer entsandt, um bei der Rettung von Flüchtlingen zu helfen, die von Libyen aus Kurs auf Italien nehmen. Die meisten Schleuser bringen Flüchtlinge und illegale Einwanderer derzeit via Libyen nach Europa. In dem nordafrikanischen Staat ist die staatliche Ordnung weitgehend zusammengebrochen.

las/AFP/DPA / DPA