Bundeswehr-Skandal Kabul verurteilt Totenschändung


Die Regierung Afghanistans hat den Fall der Totenschändung durch Bundeswehr-Soldaten scharf verurteilt. Unterdessen hat das Auswärtige Amt die deutschen Botschaften im Nahen Osten in Alarmbereitschaft versetzt.

Die afghanische Regierung hat empört auf die Totenschändung durch deutsche Soldaten in Afghanistan reagiert. Die Regierung und die Bevölkerung seien tief betrübt über die entsprechenden Nachrichten aus Deutschland, erklärte das Außenministerium in Kabul. Das Ministerium verurteile die Taten zutiefst. Die Handlungen der Soldaten verstießen gegen islamische Werte und afghanische Traditionen. Die deutsche Regierung müsse ihrem Versprechen nachkommen und für eine rückhaltlose Aufklärung sorgen. Die Schuldigen müssten vor Gericht gebracht werden, und es müsse dafür gesorgt werden, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederhole.

Die "Bild"-Zeitung hatte am Mittwoch Fotos veröffentlicht, auf denen Bundeswehrsoldaten in Afghanistan in teils obszönen Gesten mit einem Totenschädel posieren. Nach Angaben von Verteidigungsminister Franz Josef Jung sind sechs Verdächtige ermittelt, vier von ihnen seien nicht mehr bei der Bundeswehr.

Auswärtiges Amt mahnt Botschaften zur Wachsamkeit

Nach der Veröffentlichung von Skandalfotos mit Bundeswehrsoldaten in Afghanistan wird gegen sechs namentlich bekannte Personen ermittelt. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung sagte im ZDF, vier von ihnen seien inzwischen nicht mehr bei der Bundeswehr. "Bei zwei weiteren werden wir die entsprechenden Konsequenzen ziehen." Nach Informationen des Deutschlandfunks hat einer der Vernommenen die Tat gestanden. "Wir sind auf Hochtouren bei unseren Ermittlungen", sagte Jung. Die Männer kamen vermutlich aus dem bayerischen Standort Mittenwald. "Wer sich so verhält, hat in der Bundeswehr keinen Platz." Nach Veröffentlichung der Fotos in der "Bild"-Zeitung stehe das Ansehen der Bundeswehr und der an Auslandseinsätzen beteiligten Soldaten auf dem Spiel.

Als Reaktion auf die Veröffentlichung makabrer Fotos deutscher Soldaten in Afghanistan hat das Auswärtige Amt seine Botschaften in der Region zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. "Die Botschaften sind frühzeitig über die Bilder unterrichtet und sensibilisiert worden, damit sie die Sicherheitsmaßnahmen entsprechend anpassen konnten", sagte ein Sprecher des Ministeriums in Berlin. Dies betreffe vor allem die Vertretungen in der afghanischen Hauptstadt Kabul, aber auch in der gesamten Region des Nahen und Mittleren Ostens.

Jung: "Einer gerechten Strafe zuführen"

Bundesverteidigungsminister Jung drohte allen mit disziplinarischen und strafrechtlichen Konsequenzen. Zugleich warnte er vor einer "Pauschalverdächtigung" von Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz. Unterdessen entbrannte eine Debatte über die Ausbildung der Soldaten. "Wer sich so verhält, hat in der Bundeswehr keinen Platz", sagte Jung vor den Abgeordneten. Er zeigte sich erleichtert, dass 24 Stunden nach der Veröffentlichung der Fotos sechs Täter konkret ermittelt worden seien. "Wir werden sie einer gerechten Strafe zuführen."

Über die Fotos Jung drückte erneut "Abscheu und Entsetzen" aus. In allen Bundestagsfraktionen herrschte Einigkeit, dass der Vorfall unentschuldbar sei. Der CDU-Abgeordnete Bernd Siebert sagte: "Für uns Christdemokraten ist diese Totenschändung aufs äußerste zu kritisieren." Er dankte allen Soldaten, die das Ansehen Deutschlands auf ihren Auslandseinsätzen gemehrt hätten.

Jung sagte, er habe Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan gebeten, die Ausbildungsgrundlage und die Begleitung von Auslandseinsätzen zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

AP/Reuters AP Reuters

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