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CDU-Chef in Schleswig-Holstein: Liebesaffäre - Boettichers politischer K.o.

Der CDU-Spitzenkandidat Christian von Boetticher hatte eine Affäre mit einem Teenager. Alles Drumherumgerede hilft nicht: Um den Job des Landesvaters kann er sich nicht mehr bewerben.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Sein Umfeld hat es bestätigt, die Spitzen der Landespolitik sind informiert, am Abend soll eine Krisensitzung stattfinden: Christian von Boetticher, 40, Spitzenkandidat der schleswig-holsteinischen CDU, hatte eine Affäre mit einer Jugendlichen. Sie soll zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt gewesen sein. Das mag legal gewesen sein, politisch ist es das K.o. Auch die Regionalpresse ist sich in ihrer Einschätzung sicher: Einer mit dieser Privatsphäre taugt nicht im Job des Landesvaters.

Die Landtagswahl ist im Mai 2012, der Wahlkampf wäre für die SPD ein Leichtes. Der sozialdemokratische Spitzenkandidat Thorsten Albig, ein Mann, wie er seriöser und ernsthafter nicht sein könnte, hätte einen Gegner vor sich, über den die Leute flüstern würden: Vorsicht Mütter, schließt Eure Töchter weg. Angeblich, so ist aus der Landespolitik zu hören, soll die Familie des Mädchens obendrein Verbindungen zur SPD haben. Ralf Stegner, Chef der schleswig-holsteinischen SPD, soll über den Fall bestens informiert sein.

FDP in Sorge vor Abwärtsstrudel

Man kann gut verstehen, dass Noch-Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen (CDU) seit drei Wochen schlecht schläft, wie er Gesprächspartnern gestanden hat. Sein Landesverband war ohnehin nie davon überzeugt, dass von Boetticher der richtige Kandidat ist, um die Macht in Kiel zu verteidigen. Aber weil Carstensen selbst ihn als Nachfolger nominiert hatte, führte parteiintern kein Weg an dem promovierten Juristen und Reserveoffizier von Boetticher vorbei.

Auch in der FDP haben sie über den neuen CDU-Kandidaten von Anfang an den Kopf geschüttelt. Die Konsequenz, mit der führende Liberalen Schleswig-Holsteins, im politischen Normalfall nicht eben ängstlich, jedwede Stellungnahme zu dem Vorgang vermeiden, sagt alles: Sie glauben nicht, dass mit diesem Mann eine Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition möglich ist. Mehr noch: Die FDP, ohnehin von unerfreulichen Umfragewerten geplagt, muss befürchten, dass von Boetticher sie weiter in den Abwärtsstrudel reißt.

Carstensen auf Distanz

Dass Peter Harry Carstensen bereits öffentlich gesagt hat, er gehe davon aus, dass von Boetticher die richtigen Schlüsse ziehe, war ein klares Signal: Gib die Kandidatur auf, im Interesse der CDU. Alles Drumherumgerede hilft nicht, schon gar nicht die verschwurbelten Hinweise, dass die Affäre weit vor der Nominierung zum Spitzenkandidaten stattgefunden habe und längst beendet sei.

Selbst wenn es so gewesen wäre, dass die Beziehung im familiären Umfeld des Mädchens gut geheißen worden ist, wie bisher beteuert wird, kann ein CDU-Spitzenkandidat darauf nicht bauen. Wer weiß, ob im Wahlkampf nicht ganz andere, negative Einlassungen bekannt werden. Das muss ein immerhin 40-jähriger CDU-Politiker rechtzeitig erkennen und akzeptieren. Sein Rücktritt ist unvermeidlich.