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Christian Klar: Ex-RAF-Terrorist darf auf Freilassung hoffen

Der frühere RAF-Terrorist Christian Klar darf offenbar hoffen, bald frei zu kommen. Ein Gutachten bescheinigt Klar, dass es keine Anzeichen dafür gibt, dass er in Freiheit rückfällig werden würde. Am 3. Januar sitzt Klar 26 Jahre im Gefängnis. Somit steht eine Haftprüfung an.

26 Jahre nach seiner Verhaftung sind die Aussichten des ehemaligen RAF-Terroristen Christian Klar auf eine baldige Haftentlassung deutlich gestiegen. Das Gutachten, auf dessen Grundlage demnächst das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart über Klars Freilassung entscheiden wird, geht nicht davon aus, dass Klar rückfällig werden könnte. Das bestätigte Klars Anwalt Heinz- Jürgen Schneider: "Das Gutachten ist positiv", sagte der Hamburger Jurist am Freitag in Karlsruhe.

Beim Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart findet an diesem Freitag die entscheidende Anhörung des 56-Jährigen statt. Nach Angaben einer Justizsprecherin soll "möglicherweise im November, spätestens im Dezember" entschieden werden, ob er aus der Justizvollzugsanstalt Bruchsal entlassen wird. Klar sitzt seit 1982 im Gefängnis. Wegen neunfachen Mordes wurde er 1985 zu lebenslanger Haft verurteilt. 1998 ordnete das Gericht an, dass er wegen der "besonderen Schwere der Schuld" mindestens 26 Jahre in Haft verbringen muss. Diese Frist läuft am 3. Januar 2009 ab. Ob dies auch der genaue Entlassungstag sein könnte, ließ sein Hamburger Anwalt offen.

Klar als Theaterpraktikant?

Zu Klars Zukunftsplänen äußerte sich Schneider nicht. Der Intendant des Berliner Ensembles, Claus Peymann, hatte vor wenigen Tagen sein Angebot für ein Theater-Praktikum erneuert. Jedenfalls wolle Klar definitiv nicht in der Öffentlichkeit auftreten oder sich in der Presse äußern, kündigte der Anwalt an.

Klar gehörte zu den führenden Figuren der sogenannten zweiten Generation der Roten Armee Fraktion (RAF), die für die spektakulären Anschläge im "Deutschen Herbst" des Jahres 1977 verantwortlich war. Der in Freiburg geborene Klar wurde unter anderem wegen Beteiligung an der Entführung und Ermordung von Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer sowie wegen der Morde an Generalbundesanwalt Siegfried Buback und Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto verurteilt.

Ein Gnadengesuch hatte Bundespräsident Horst Köhler im vergangenen Jahr abgelehnt. Das Gesuch hatte eine bundesweite Diskussion darüber ausgelöst, ob noch einsitzende RAF-Terroristen begnadigt werden dürfen, obwohl sie keine Reue zeigten und nicht zur Aufklärung ihrer Taten beitragen. Bis heute sind lediglich die Beteiligten an den RAF-Aktionen bekannt, nicht aber die genauen Täter. Wer beispielsweise die tödlichen Schüsse beim Anschlag auf Buback abgegeben hat, ist bis heute ungeklärt.

DPA/dho / DPA