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Schande von Clausnitz Das sagt der Junge aus dem Flüchtlingsbus


Mit überzogener Härte zerrt ein Polizist einen völlig verängstigten Flüchtlingsjungen aus dem Bus. Die Polizeigewerkschaft verteidigt das Vorgehen. Jetzt spricht der Junge über den Vorfall.

Mit angstverzerrtem Gesicht versuchte er noch zurückzuweichen, ehe der Beamte zupackte und den Jungen aus dem soeben angekommenen Flüchtlingsbus zerrte. Die Schande von Clausnitz wird derzeit viel diskutiert und das grobe Vorgehen der Polizei heftig kritisiert. Außer von der Polizei selber. Denn der zuständige Polizeipräsident der Chemnitzer Polizei, Uwe Reißmann, erklärte später, das Verhalten seiner Leute sei "absolut notwendig" und "verhältnismäßig" gewesen. 

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Die "Bild"-Zeitung hat den Jungen, der aus dem Bus gezerrt wurde, sowie dessen Vater und seinen 14-jährigen Bruder getroffen. Sein Name ist Luai Khatun. "Mein Hals und meine Schulter tun noch immer weh“, zitiert ihn das Blatt.  Vor drei Monaten seien sie aus Tripoli im Libanon geflohen. Dort hätten ISIS-Leute seinen Vater immer wieder bedrängt, er solle ihn in Syrien kämpfen lassen. "Wir hatten große Angst und flohen", so Luai. Diese Angst hätten sie nun auch hier in Deutschland. "Vor den Menschen hier. Vor den Polizisten.“

Clausnitz demonstriert für Flüchtlinge

Luai war am Donnerstagabend im sächsischen Clausnitz mit einem Bus angekommen. Die Flüchtlinge sollten dort ihre neuen Unterkünfte beziehen. Vor Ort warteten bereits etwa 100 Menschen, die versuchten, die Ankunft des Busses zu verhindern, sie grölten dabei "Wir sind das Volk". Später zerrten Polizisten einzelne Flüchtlinge unter Zwang aus dem Bus. Die Polizei verteidigt das Vorgehen damit, dass die Flüchtlinge eine Mitschuld an der Eskalation gehabt hätten. Sie hätten aus dem Bus heraus gefilmt und mit Gesten wie dem Stinkefinger provoziert. 

Auch Luai soll die Masse vor dem Polizeieinsatz massiv provoziert haben, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt der "Huffington Post". "Er hat den rechten Demonstranten vor dem Fahrzeug mehrfach den Stinkefinger gezeigt und zudem mit seiner Hand am Hals das Kopf-ab-Zeichen gemacht."

In Clausnitz versammelten sich am Samstagabend rund 100 Menschen zu einer Solidaritätskundgebung für Flüchtlinge. Auf Transparenten forderten sie eine sichere und menschenwürdige Unterbringung von Geflüchteten. Nach Angaben der Polizei verlief die Demonstration friedlich.

jek DPA

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