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CDU-Ministerpräsident Klare Worte aus dem Norden nach Bayern - wie Daniel Günther zum Quälgeist der CSU wird

Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein wirkt wie ein Gegenentwurf zu seinem bayerischen Amtskollegen Markus Söder (CSU). Das scheint auch die Bundeskanzlerin wahrgenommen zu haben: Daniel Günthers Rolle könnte dabei größer sein, als er vielleicht denkt.

"Was ist das für ein Irrsinn, wenn Politikerinnen und Politiker in unserem Land davon reden, dass unser Rechtsstaat nicht funktionieren würde? Dass man sozusagen dafür sorgen muss, dass wieder Ordnung in unserem Land passiert? Wer so redet, macht ein Konjunkturprogramm für Populisten und nichts anderes. Und dem müssen wir uns entgegen stellen!"

In den vergangenen Tagen hat die CSU viel Kritik einstecken müssen. Aber diese Abrechnung ist bemerkenswert. Sie stammt von Daniel Günther, einem der derzeit größten Quälgeister der Christsozialen. Und sie kommt gewissermaßen aus den eigenen Reihen: Der 44-Jährige ist CDU-Politiker, regiert als Ministerpräsident von Schleswig-Holstein in der einzigen Jamaika-Koalition auf Landesebene - also ausgerechnet mit den "staatsverachtenden" Grünen, wie CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt poltert - und verteidigt vehement den Kurs der Kanzlerin.

CDU-Ministerpräsident: Daniel Günther, der Quälgeist der CSU
Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein
© Markus Scholz

Und er schreckt eben nicht davor zurück, die eigene Schwesterpartei wortreich anzuzählen: Ob jüngst in seiner Regierungserklärung in Kiel, in Interviews ("In Wahrheit geht es im Moment auch überhaupt nicht um das Thema Grenzabweisung, sondern die CSU will eine Verschiebung der Position der Union weit nach rechts gegen Europa") oder in Talk-Shows ("Die sollten sich jetzt Mal am Riemen reißen.") Daniel Günther setzt dem Knallhart-Kurs der CSU (s)einen Konfrontationskurs entgegen. Seine Rolle könnte dabei größer sein, als er vielleicht denkt. 

"Der neue Stern am CDU-Himmel"

"Es wird irgendwann eine Nach-Merkel-Zeit geben" und "Natürlich zählen wir beide zur Führungsreserve der CDU." Die verheißungsvollen Zitate stammen aus einem Doppel-Interview, das Günther ausgerechnet mit Merkel-Kritiker Jens Spahn gegeben hat. Das Gespräch erschien im August 2017, der Bundestag war noch nicht gewählt. Umfragen prophezeiten der AfD einen Achtungserfolg und Kanzlerin Merkel im Umkehrschluss eine herbe Niederlage. Es war eigentlich der Moment, sich gegen die Kanzlerin in Stellung zu bringen. 

Aber Günther schlug einen anderen Weg ein: Als Botschafter für das Jamaika-Bündnis, dass der "neue Stern am CDU-Himmel" seit Juni 2017 als Ministerpräsident zu verantworten hat. Günther nimmt an den Koalitionsverhandlungen in Berlin teil, beschwört den konstruktiven Geist und die Chancen einer Regierung aus CDU, FDP und Grünen auf Bundesebene. 

Das wird der CSU womöglich schon damals ein Dorn im Auge gewesen sein. Bis heute wird kolportiert, dass die CSU ziemlich alles versucht habe, die Verhandlungen mit FDP und Grünen zu torpedieren. Angeblich soll Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) seinem Amtskollegen aus dem Norden schon seit dessen Amtsantritt keines Blickes würdigen. 

Seine liberale Linie ("Meine Erwartung an die CDU ist, gesellschaftspolitisch eher liberal zu sein und dafür in der Wirtschafts- und Sicherheitspolitik das Konservative zu bewahren."), pro-europäische Haltung ("Wir wollen offene Grenzen (...) das ist eine Errungenschaft") und Meinung in der Migrationspolitik ("Was ist das für ein Irrsinn, dass wir Menschen in unserem Land abschieben wollen, die eine Ausbildung zum Altenpfleger machen wollen?") lassen ihn wie einen Gegenentwurf zu Söder und dem Kurs CSU wirken.   

Daniel Günther, eine feste Größe im CDU-Kader

Das scheint auch die Bundeskanzlerin wahrgenommen zu haben, die im Asylstreit offenbar noch einmal den Schulterschluss zu Günther gesucht hat. In der heißen Phase des Unions-Zoffs beschwörte er immer wieder die Diskussion in der Sache, lehnte die CSU-Forderung nach nationalen Alleingängen ab, beschwor die Einheit der Union und Großen Koalition ("So kann es nicht laufen in einer Koalition."). 

Dann soll Günther plötzlich eine SMS von der Bundeskanzlerin bekommen haben, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet. Einen Tag zuvor hatte er sie in einem TV-Interview verteidigt. Günther sei daraufhin von Merkel zu einem Treffen in kleiner Runde eingeladen worden. Ein Bild zeigt sein Ankommen in der CDU-Parteizentrale:

Daniel Günther (CDU) im Deutschland-Trikot
Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, am 17. Juni vor dem Konrad-Adenauer-Haus. Die CDU-Spitze will am späten Nachmittag zu einem Treffen zum Asylstreit zusammenkommen.
© Kay Nietfeld / DPA

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident schlug mit Deutschland-Trikot am Konrad Adenauer Haus auf, die DFB-Elf spielte an diesem Tag gegen Mexiko. Und verlor. Doch einen Gewinner unter vielen Verlierern in diesen Tagen war er, Daniel Günther: Er gehört jetzt zu den Großen im Kader der CDU.

feh/fs

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