Deutschland Kanzler Schröder mahnt die IG Metall


Bundeskanzler Gerhard Schröder hat von der IG Metall eine zügige Beendigung der Führungskrise gefordert.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat von der IG Metall eine zügige Beendigung der Führungskrise gefordert. Der Streit zwischen Gewerkschaftschef Klaus Zwickel und dessen Stellvertreter Jürgen Peters sei aus seiner Sicht nur an der Oberfläche ein persönlicher Konflikt. Dahinter befänden Strukturfragen, sagte der SPD-Vorsitzende der "Financial Times Deutschland". Wie auch die SPD müssten die Gewerkschaften "eine neue Balance zwischen Freiheit und Solidarität in ihren Programmen finden".

"Wir brauchen moderne Gewerkschaften"

Der IG Metall riet er, "sich ein Beispiel an der IG BCE zu nehmen" - und verwies auf die maßvollen Tarifabschlüsse der Chemiegewerkschaft. "Wir brauchen moderne Gewerkschaften, die einen Kompromiss mit den Arbeitgebern erreichen können."

Neue Lösungen

Unterdessen forderte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, den Gewerkschaften das Ausrufen von Streiks zu erschweren. Der jüngst gescheiterte Metall-Arbeitskampf in Ostdeutschland habe gezeigt, dass Streik und Aussperrung in der globalisierten Welt mit eng vernetzten Unternehmen nicht mehr zeitgemäß seien, sagte Hundt den "Stuttgarter Nachrichten". Bessere Lösungen seien etwa eine vorgeschriebene Abkühlungsphase vor einem Streik und Schlichtungsverfahren. An die Arbeitgeber appellierte er, die IG Metall in der gegenwärtigen Schwächephase nicht zu demütigen.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg, appellierte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" an die zerstrittene IG-Metall-Spitze: "Kommt zur Besinnung - nicht nur im Interesse der IG Metall, sondern der gesamten deutschen Gewerkschaftsbewegung".

Für die Zukunft aufstellen

Möllenberg sagte, es könne keine Rede davon sein, dass die IG Metall am Abgrund stehe. Sie habe im Gegenteil "jetzt die Chance, sich inhaltlich und personell für die Zukunft aufzustellen". Die Krise könne aber negative Auswirkungen auf andere Gewerkschaften haben. Eine Schlichtung von außen lehnte der dienstälteste Gewerkschaftschef ab.

"Befreiungsschlag" der Gewerkschaften

Möllenberg verlangte einen "Befreiungsschlag" der Gewerkschaften, um die weitgehend verlorene Glaubwürdigkeit zurück zu gewinnen. Zugleich müssten sie sich von "lieb gewonnenen Lebenslügen" verabschieden. So hätten die Gewerkschaften die dramatischen Auswirkungen der Demographie, der Globalisierung und der Höhe der Lohnnebenkosten weitgehend und zu lange unterschätzt.

Die Gewerkschaften dürften auch nicht den Eindruck erwecken, "als ob sie ein allgemein politisches Mandat wahrnehmen", mahnte Möllenberg. Offensichtlich glaubten manche, dass Gewerkschaften die Regierungspolitik bestimmten. "Das müssen wir korrigieren und deutlich machen, dass Regierung und Opposition die Pflicht haben, auch unter Bedingungen von Stagnation und Globalisierung eine humane und soziale Gesellschaft zu gestalten."

Urlaubssperre für den Gewerkschaftsvorstand

Der Betriebsratschef des DaimlerChrysler-Werks Düsseldorf, Thomas Weilbier, forderte in der "Bild"-Zeitung eine Urlaubssperre für den Gewerkschaftsvorstand der IG Metall. "Es kann nicht sein, dass wir die Wut der Basis abkriegen, und die Herren verdrücken sich." Der Konzernbetriebsratschef der Porsche AG, Uwe Hück, forderte angesichts der ungeklärten Führungsfrage eine Sonder-Vorstandssitzung innerhalb der nächsten zwei Wochen. Die nächste reguläre Sitzung ist am 1. September.

Nach der Streikniederlage der IG Metall will der Verband der Sächsischen Metall- und Elektroindustrie (VSME) die Wiedereinführung der 38-Stunden-Woche im Westen auf die Tagesordnung setzen. Dies sagte VSME-Präsident Bodo Finger der Tageszeitung "Die Welt". Die IG Metall forderte Finger auf, ihre Personalquerelen rasch zu beenden. "Ob radikal oder reformwillig - wir brauchen eine Führung, mit der wir wieder das Gespräch aufnehmen können."


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