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Djerba-Attentat: Deutscher zu 18 Jahren Haft verurteilt

Knapp sieben Jahre ist das Attentat auf der Ferieninsel her, 21 Menschen verloren damals ihr Leben. Jetzt hat ein Pariser Gericht den Duisburger Christian Ganczarski wegen Beihilfe zum Mord verurteilt - obwohl die deutsche Justiz zuvor keine Beweise für eine Mitwisserschaft des Angeklagten gesehen hatte.

Ein Deutscher ist wegen Beteiligung an dem blutigen El-Kaida-Attentat auf der tunesischen Ferieninsel Djerba zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. Ein französisches Schwurgericht sah es als erwiesen an, dass der Duisburger Christian Ganczarski von Attentat in Tunesien wusste und es unterstützte. Er war nach Ansicht der Richter Komplize des Attentäters und Mitglied der Terrorgruppe El Kaida. Bei dem Attentat auf der Ferieninsel Djerba waren im April 2002 21 Menschen getötet worden, unter ihnen auch 14 deutsche Touristen.

Der 1986 zum Islam konvertierte Ganczarski sitzt bereits seit mehr als fünfeinhalb Jahren in Frankreich in Untersuchungshaft. Er bestritt bis zuletzt jegliche Mitwisserschaft und El-Kaida-Mitgliedschaft. "Ich habe niemals von einem Attentat gewusst", sagte der Vater von fünf Kindern in seinem Schlusswort. Seine Afghanistan-Reisen hätten nichts mit irgendwelchen Anschlagsplanungen zu tun gehabt. "Es war nicht das, was ich in Afghanistan unterstützt habe." Die Anklage hatte 30 Jahre Gefängnis für den Deutschen gefordert.

Deutsche Justiz sah keine hinreichenden Beweise

Als Belege für die Beteiligung Ganczarskis hatte die Staatsanwaltschaft die zahlreichen Reisen des heute 42-Jährigen nach Afghanistan gewertet, bei denen er neben Osama bin Laden mehrere andere hochrangige El-Kaida-Mitglieder und den Attentäter Nizar Nawar traf. Kurz vor dem Anschlag hatte Ganczarski zudem einen Anruf von Nawar erhalten, in dem dieser ihn um "göttlichen Segen" bat und sagte "Vergiss nicht, für mich zu beten". Das Telefonat endete mit Ganczarskis Aussage: "Gottes Gnade und Segen sei mit Dir.". Die deutsche Justiz hatte das abgehörte Gespräch ebenfalls ausgewertet und Ganczarski vernommen. Sie sah jedoch keine hinreichenden Beweise für eine Mitwisserschaft des Duisburgers.

Ganczarski hatte die Strafforderung in seinen Schlussworten als "unglaublich" bezeichnet. Die Staatsanwaltschaft mache sich keine Gedanken darüber, wie es sei, wenn ein Unschuldiger mit 30 Jahren Haft konfrontiert werde. Aber dies sei ja egal, sagte der Duetsche. "Es geht ja nur um einen Muslim, der noch dazu Osama bin Laden kennt." Als Hintergrund seiner Bekanntschaft mit Bin Laden nannte Ganczarski persönliche Gründe. Seine Tochter sei wie der El-Kaida-Chef zuckerkrank.

Zusammen mit Ganczarski saß der Bruder des tunesischen Selbstmordattentäters Nizar Nawar auf der Anklagebank. Ihn verurteilte das Gericht wegen Mittäterschaft zu zwölf Jahren Haft. Walid Nawar soll das Satellitentelefon besorgt haben, mit dem Nazar vor dem Anschlag mit Ganczarski sprach. Auch Nawar bestritt jegliche Schuld. "Ich möchte für meine Familie um Entschuldigung bitten für das Grauen, das mein Bruder angerichtet hat", sagte er vor Gericht. "Der Bruder, den ich kannte, war ein anderer."

Der 24-jährige Nizar Nawar hatte sich am 11. April 2002 an der Synagoge La Ghriba mit einem Flüssigtransporter in die Luft gesprengt. Die Synagoge war ein beliebtes Ziel von Djerba-Touristen. Die tunesische Regierung räumte erst elf Tage nach der verheerenden Explosion ein, dass es ein Attentat war. Die französische Justiz nahm die Ermittlungen auf, weil bei dem Anschlag auch zwei Franzosen ums Leben kamen.

Bis Ende Januar war im Pariser Prozess auch gegen den Kuwaiter Chalid Scheich Mohammed verhandelt worden. Weil er von den USA in Guantànamo auf Kuba gefangen gehalten wird, wurde dieses Verfahren jedoch abgetrennt. Scheich Mohammed soll auch hinter den Terroranschlägen vom 11. September 2001 stehen. Er gilt als rechte Hand des El-Kaida-Gründers Osama bin Laden. Ganczarskis Anwalt kündigte an, vermutlich in Berufung gehen zu wollen. Das Urteil sei nicht akzeptabel und nicht nachvollziehbar. Die Staatsanwaltschaft habe einen "Krieg" gegen seinen Mandanten geführt.

DPA/AP / AP / DPA