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DJERBA: Dementi: »BKA war nicht gewarnt!«

Die »Bild«-Zeitung berichtet, dass dem BKA Hinweise über drohende Anschläge auf deutsche Touristen in Tunesien vorgelegen haben. Das Bundesinnenministerium sagt: »Das ist Unsinn.«

Die Bundesregierung hatte vor der Explosion auf der tunesischen Insel Djerba keinerlei Hinweise auf einen Anschlag. Einen anders lautenden Bericht der »Bild«-Zeitung bezeichnete das Innenministerium am Mittwoch als »völligen Unsinn«. Das Bundeskriminalamt verstärkte seine Bemühungen um Aufklärung des mutmaßlichen Terrorakts und schickte fünf weitere Ermittler nach Tunesien. Durch die Explosion eines Tankwagens vor einer Synagoge waren 15 Menschen ums Leben gekommen, darunter zehn Deutsche.

»Böswillig konstruierte Scheininformationen«

Das Innenministerium erklärte, weder das BKA noch andere Sicherheitsbehörden hätten einen Hinweis auf einen Anschlag in Djerba oder auf deutsche Touristen erhalten. Ministeriumssprecher Rainer Lingenthal warf der »Bild«-Zeitung vor, »böswillig konstruierte und leicht widerlegbare Scheininformationen« aufgegriffen und damit Angst bei den Bürgern geschürt zu haben. »Kein Wort dieser Unterstellungen ist wahr; die Angaben des angeblichen ?Bild?-Informanten sind frei erfunden.« Das Blatt hatte sich auf Informationen aus Sicherheitskreisen berufen.

Das Innenministerium informierte auch den Innenausschuss des Bundestags darüber, dass es keine Hinweise auf einen Anschlag gegeben habe. Staatssekretär Fritz Rudolf Körper habe dies »sehr eindeutig« erklärt, sagte der CSU-Abgeordnete Hans-Peter Uhl nach einer Sitzung des Gremiums.

Das Bundeskriminalamt schickte fünf weitere Ermittler nach Tunesien. Damit sind inzwischen sieben BKA-Ermittler und ein Dolmetscher der Behörde vor Ort. Auch Bundesinnenminister Otto Schily will in den nächsten Tagen nach Tunesien reisen, um sich über den Stand der Ermittlungen zu informieren. Ein Termin steht nach Angaben einer Sprecherin immer noch nicht fest.

Verdächtiger arbeitete für kanadisches Reisebüro

Der als möglicher Attentäter von Djerba verdächtigte Tunesier hat nach Angaben seiner Familie auf der Insel für ein kanadisches Reisebüro gearbeitet. Sein in einem Vorort von Lyon lebender Bruder Walid sagte der Nachrichtenagentur AP, der 25 Jahre alte Nizar Naouar sei Muslim gewesen, habe die Religion aber nicht praktiziert.

Keine offizielle Bestätigung über Nizars Verbleib

Die Familie habe keine offizielle Bestätigung, dass er sich in dem vor der Synagoge auf Djerba explodierten Tankwagen befunden habe oder dass er getötet worden sei, sagte Naouar. Die Familie habe zuletzt vor etwa einem Monat mit ihm telefoniert. Nizar habe in Kanada studiert. »Le Figaro« und »Le Parisien« berichteten, der Verdächtige sei der französischen Polizei nicht bekannt gewesen.