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Dreikönigstreffen in Bad Steben: Stoiber genießt Beifall von der Basis

Edmund Stoiber hat beim Dreikönigstreffen der CSU im Hofer Land politische Streicheleinheiten bekommen. Die meisten der über 500 Gäste im Kurhaus von Bad Steben begrüßten den weiß-blauen "Regenten" mit Defiliermarsch und lang anhaltendem Applaus.

Im Putz an der Decke klaffen große Löcher - ein Zeichen dafür, dass der große Saal im Kurhaus von Bad Steben in Oberfranken seine besten Jahre wohl schon hinter sich hat. Edmund Stoiber lässt sich davon nicht beeindrucken. Als wolle er jeden neuen Zweifel im Keim ersticken, ob nicht auch seine besten Jahre längst vorbei sein könnten, gibt sich der bayerische Ministerpräsident am Sonntag auf dem Dreikönigstreffen der Bad Stebener CSU kämpferisch und energiegeladen.

"In einer Partei zu sein, heißt auch, Partei zu ergreifen, heißt, nicht tatenlos zuschauen, sondern auch handeln", ruft Stoiber in den mit mehr als 500 Zuschauern überfüllten Kursaal. Nicht nur hierfür erntet der müde und abgespannt aussehende CSU-Chef tosenden Beifall. Auch, als er klarstellt, dass er schon seit Jahren, ja Jahrzehnten in Bayern Verantwortung trage, klatscht die Menge Zustimmung. "Ich will nur klar machen, wie sehr für mich das Feeling, das Gefühl im Land wichtig ist. Sie lesen ja in letzter Zeit viel über mich", ergänzt er nachdenklich.

Dass Edmund Stoiber sein Amt als Ministerpräsident noch vor der Landtagswahl 2008 aufgeben könnte, wünscht sich an diesem Sonntag im Bad Stebener Kurhaus offensichtlich kaum jemand. "Never change a running system", fasst der stellvertretende CSU-Ortsvorsitzende von Bad Steben, Alexander Volkmar, in knappen Worten die Stimmung in der Partei zusammen. "Ich denke, Stoiber kann durchaus noch eine Amtszeit dranhängen", sagt er und fügt dann leise hinzu: "Auch mangels Alternative."

Andere schließen sich. "Wenn Stoiber zurücktritt, wäre ich traurig. Er ist der Ministerpräsident, der in den letzten 15 Jahren das meiste für die Region gemacht hat", sagt der Hofer Landtagsdelegierte Achim Hager. Stoiber habe sich für den Ausbau des Regionalflughafens stark gemacht, habe das Landesamt für Umwelt in die Region gebracht und unterstütze einige Fachhochschulen. "Ein vorzeitiger Rücktritt ist überhaupt nicht nötig. Die CSU ist handlungsfähig", sagt Hager. Wenn Stoiber etwas vorzuwerfen sei, dann, dass er die Kritik der Fürther CSU-Landrätin Gabriele Pauli zunächst nicht ernst genommen habe. Deren Vorschlag, in einer Ur-Wahl über den Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008 abstimmen zu lassen, findet Hager durchaus interessant, wenngleich er von Pauli selbst keine gute Meinung an. "Die ganze Personaldebatte ist unsachlich geführt", kritisiert er. Sie sei diskreditierend.

"Wir sind da, um Solidarität mit Stoiber zu bekunden"

Auch Josef Braun hält nicht viel von der Personaldebatte. Der 69-Jährige, der seit 15 Jahren CSU-Mitglied in Oberkotzau ist und jedes Jahr das Dreikönigstreffen in Bad Steben besucht, stärkt Stoiber den Rücken. "Er hat viel für Bayern, für die Region gemacht», lautet auch sein Credo. Von einem Rücktritt des Ministerpräsidenten will er deshalb ebenso wenig wissen wie von einem Mitmischen der Parteibasis. «Ein Basisentscheid bringt nur Unruhe", ist Braun überzeugt. Stoiber solle ruhig bis 2008 im Amt bleiben, dann jedoch Platz machen für einen neuen Kandidaten. Innenminister Günther Beckstein wäre aber nicht so geeignet, findet Braun: "Der ist gegen den Ausbau des Flughafens."

Weniger aus politischem Kalkül heraus als aus persönlichem Interesse haben Axel und Elke Dröge ihren Weg ins Kurhaus gefunden. "Wir sind da, um Solidarität mit Stoiber zu bekunden", erzählt das Ehepaar aus Chemnitz, das weder in Bayern verwurzelt noch CSU-Mitglied ist. Einen Rücktritt des Ministerpräsidenten fänden sie dennoch schade, denn Stoiber habe schließlich viel für Bayern gemacht. "Wir staunen schon, wie schnell die Bayern an ihrer Führung zweifeln", sagt die 63-Jährige. Auch wenn Stoiber seinem Ansehen durch den Rückzug aus Berlin zuletzt selbst sehr geschadet habe. "Da haben dann auch wir angefangen, an ihm zu zweifeln."

Von Brigitte Caspary/AP / AP