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Prozess wegen Landesverrats Ex-BND-Mitarbeiter gesteht Spionage für die CIA


Er wollte etwas Spannendes erleben - das sagte ein ehemaliger BND-Mitarbeiter, der für die CIA spionierte, in seinem Geständnis. Nicht nur dem amerikanischen Geheimdienst hatte er seine Dienste angeboten.

Eigentlich war alles erschreckend einfach: Der junge Büro-Angestellte beim Bundesnachrichtendienst (BND) nahm geheime Unterlagen, kopierte sie nebenan, packte die Kopien in seine Tasche - und fuhr unbehelligt nach Hause. Fast nie wurde er kontrolliert. Und wenn, dann war seine Tasche leer. Pures Glück für ihn. Einmal ließ der heute 32-Jährige auch einen USB-Stick mitgehen, auf dem jemand versehentlich nicht alle Daten gelöscht hatte. Darauf befand sich eine umfangreiche Personaldatenbank, die Decknamen und echte Identitäten deutscher Agenten im Ausland enthalten haben soll. All dieses Material übermittelte der gelernte Bürokaufmann an den US-amerikanischen Geheimdienst CIA - und wurde so zum Verräter.

Seit Montag muss er sich vor dem Oberlandesgericht München verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Spionage für die CIA und den russischen Geheimdienst vor, konkret: Landesverrat, die Verletzung von Dienstgeheimnissen sowie Bestechlichkeit.

Stundenlanges Geständnis

Und der junge Mann hat sich entschieden auszupacken. Nachdem er seine Spionage für die CIA bereits zum Prozessauftakt am Montag eingeräumt hat, legt er am Mittwoch ein detailliertes, umfangreiches Geständnis ab. "Zu allererst möchte ich sagen, dass mir mein Handeln leidtut", sagt er gleich zu Beginn seiner Aussage.

Und dann berichtet er stundenlang: wie er im Sommer eine E-Mail an die US-Botschaft in Berlin schrieb und sich als Informant andiente; wie die Amerikaner darauf ansprangen; wie er - als Test - die ersten "belanglosen" Unterlagen übermittelte; wie die Zusammenarbeit über die Jahre immer intensiver wurde - und wie er schließlich Geld bekam.

Spezielles Notebook von den Amerikanern

Technisch lief es demnach so ab: Der BND-Mitarbeiter, Deckname "Uwe", bekam Log-in-Daten für ein spezielles E-Mail-Postfach. Darüber kommunizierte er zwischen 2008 und 2014 mit seinem US-Kontaktmann "Alex". Darüber verschickte er die Unterlagen, die er zu Hause mühsam hatte einscannen müssen - ganz einfach als E-Mail-Anhänge. Zwischenzeitlich lief das Ganze auch über eine gesicherte Internet-Seite. 2012 bekam "Uwe" dann ein spezielles Notebook mit einem verschlüsselten Kommunikationsprogramm von den Amerikanern.

Die verratenen Dokumente löschte er aber nicht - sondern speicherte sie auf zwei USB-Sticks bei sich zu Hause. Einen deponierte er in einer leeren Bonbon-Dose - und einen in seiner Schreibtischschublade.

Geldübergabe mit "totem Briefkasten"

Dann die erste Geldübergabe: In einem Park in Gauting bei München stieß er auf einen "toten Briefkasten": eine Stein-Attrappe, darin: zwischen 10.000 und 20.000 Euro, alles in 100-Euro-Scheinen. Fein säuberlich in Folie verschweißt, damit das Geld nicht feucht wird.

Später kam es dann auch zu persönlichen Treffen von "Uwe" mit einem US-Kontaktmann, der sich "Craig" nannte - wobei Markus R. gleich vermutete, dass das der "Alex" war, mit dem er immer via E-Mail kommunizierte. Zu Beginn mussten sich beide mit vorab vereinbarten Parolen zur erkennen geben. Mal trafen sie sich in Salzburg, mal in Innsbruck. Einmal habe er von "Craig" eine Postkarte mit einer Notfalltelefonnummer bekommen, berichtet Markus R. Ein andermal überreichte ihm "Craig" eine Karte für einen Not-Treffpunkt.

Kalte Füße bei den Russen

Über die Jahre hinweg sollen laut Anklage mindestens 95.000 Euro geflossen sein - alles in bar. Immer wieder bat Markus R. seinen Vater, Geld für ihn einzuzahlen und ihm dann zu überweisen. "Ich dachte, das ist nicht so auffällig", sagt er zur Begründung.

Dann sollte es aber zu Ende gehen: Im April oder Mai 2014 habe er sich auch dem russischen Generalkonsulat in München als Informant angeboten, räumt der 32-Jährige ein. "Da wollte ich was Neues erleben." Er bekam aber schnell kalte Füße: "Da habe ich Bedenken bekommen, dass es doch schon eine andere Hausnummer ist, für die Russen zu arbeiten als für die Amerikaner." Er brach den Kontakt ab - doch es war zu spät: Mit dieser unverschlüsselt versandten E-Mail war er aufgeflogen. Bereits wenig später wurde er festgenommen.

Frust, Langeweile, Unterforderung

Aber warum das Ganze? Da wiederholt der 32-Jährige, was er schon am Montag gesagt hat, begründet seine Spionagetätigkeit mit Frust, Langeweile, Unterforderung und Unzufriedenheit an seinem Arbeitsplatz beim BND - und mit "Nervenkitzel" und "Abenteuerlust": "Ich wollte was Neues, was Spannendes erleben." Geld habe - anfangs jedenfalls - keine Rolle gespielt. "Ich habe das wirklich gemacht, damit ich ein bisschen Abwechslung in meinem Leben bekomme." Ob er denn nicht über die Risiken und mögliche Konsequenzen nachgedacht habe, fragt ihn der Richter ungläubig. "Nein, da habe ich nicht darüber nachgedacht."

tkr/Christoph Trost DPA

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