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Familientragödie in Groß Ilsede Gedenkfeier für getötete Kinder


Gleich welchen Alters oder welcher Religion - neun Tage nach dem gewaltsamen Tod von vier Kindern in Niedersachsen haben 550 Menschen in einem bewegenden Trauergottesdienst in Groß Ilsede Abscheid genommen. Der Vater soll die Kinder in der vorigen Woche getötet haben.

Neun Tage nach dem schrecklichen Tod von vier Kindern aus dem niedersächsischen Groß Ilsede nehmen rund 550 Menschen jeden Alters und jeder Religion Abschied von den jungen Opfern. Zu dem bewegenden Trauergottesdienst kommen am Samstag auch die Mutter und die engsten Verwandten. Vor dem Altar stehen vier große Porträtaufnahmen der Kinder, beide Geistliche erinnern mit persönlichen Worten an die Opfer der Familientragödie. "Es soll klar werden, was da verloren gegangen ist", sagt der evangelische Pastor Walter Faerber, der den Gottesdienst gemeinsam mit seinem katholischen Kollegen Thomas Mogge gestaltet.

Die Kinder seien kein Fall, sie seien Menschen, von denen möglichst viel auch im Gottesdienst lebendig werden sollte, betont Faerber. Von allen Kindern werden Lieblingslieder angespielt, und die Geistlichen finden zu jedem Kind persönliche Worte.

Die Tochter, mit zwölf Jahren das älteste der Kinder, habe gern gelesen und sei sehr musikalisch gewesen. Ihr neunjähriger Bruder sei von Fußball ebenso wie von "Star Wars" begeistert gewesen und habe sein Wissen gern in Tabellen geordnet. Der Siebenjährige sei der "Draufgänger" der Familie gewesen, hätte Stabheuschrecken gehalten und sei mit dem Kettcar um die Häuser gerast. Der jüngste Sohn sei mit seinen fünf Jahren schon für "coole Sprüche" bekannt gewesen und habe viel mit Legosteinen gebaut.

Vermuteter Grund für die Gräueltat: Eheprobleme

In seiner Predigt blickt Faerber auch nach vorn. "Ich wollte, dass die Menschen aus der Kirche mit dem Gefühl gehen, dass sie etwas tun können." An die Gemeinde appelliert er, der Mutter keine Ratschläge, aber Zeit zu geben, um ihr Leben zurück zu gewinnen. "Wir wollen die Angehörigen, insbesondere die Mutter, nicht nur emotional, sondern auch finanziell unterstützen", sagt der Arzt Thomas Roy, einer der Initiatoren der Spendenaktion "Vier Sterne für Ilsede".

Der tatverdächtige Vater soll die Kinder in dem kleinen Reihenhaus der Familie getötet haben. Der 36-Jährige ist nach einem Suizidversuch weiterhin nicht vernehmungsfähig. Die Mutter war zum Tatzeitpunkt im Urlaub. Als Motiv vermuten die Ermittler Eheprobleme.

Die Tat hat viele fassungslos und ratlos macht. "Vielleicht wird es irgendwann eine Gerichtsverhandlung geben, die Erklärungen an den Tag befördert", sagt Pastor Faerber in seiner Ansprache. Es müsse sich aber nicht jeder mit den Einzelheiten der grauenvollen Tat auseinandersetzen.

Schon eine Stunde vor Beginn des ökumenischen Gottesdienstes füllt sich die 1959 gebaute Kirche. Die 400 Sitzplätze sind schnell besetzt, am Rande stehen weitere 150 Besucher eng gedrängt. Alle Besucher finden jedoch Platz, niemand muss die Andacht von draußen verfolgen. Viele der Trauergäste sind in bunter Kleidung gekommen. "Die Mutter hatte in der Traueranzeige darum gebeten", sagt Diakon Burkhard Rothermund vom Kirchenkreis Peine. Schwarz sei keine Farbe für Kinder.

Anita Pöhlig, DPA DPA

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