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AfD: "FAZ"-Party mit Deutschlands Oberrechten - Böhmermann greift Zeitung an

Was konnte da schon schiefgehen? Die "FAZ" feierte ihren 70. Geburtstag im Edelrestaurant Borchardt. Und als gut gelaunter Gast mittendrin im geselligen Beisammensein: AfD-Chef Alexander Gauland, der den Nationalsozialismus in Deutschland auch mal gerne als historischen "Vogelschiss" verharmlost.

Collage: Alexander Gauland und Jan Böhmermann

Die "FAZ" feiert ihren Siebzigsten. Aber mit wem? Der AfD-Politiker Alexander Gauland ist auf mehreren Fotos und Videos zu sehen, die Gäste der Veranstaltung auf sozialen Medien geteilt haben. Im Netz kam es nicht gut an, dass der Mann mitfeiern durfte, der die Nazi-Vergangenheit Deutschlands kleinredet und dem die Republik zu einem guten Teil den aktuellen politischen Rechtsruck zu verdanken hat. Ein User brachte es auf die Kurz-Formel:

"Liebe @faznet @FAZ_Politik @FAZ_NET - den Arsch offen und AfD einladen?!" Eine Userin bemerkte: "Gott sei Dank muss Reich Ranicki das nicht mehr miterleben." Ein Weiterer: " Liebe FAZ, liebe Mitarbeiter der FAZ, schämt ihr euch denn überhaupt nicht?"

An ein versehentliches Malheur kann man kaum glauben. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Galionsfigur der AfD sich durch den Dienstboteneingang ins Borchardt geschmuggelt hat. Vermutlich wurde Gauland als Parteichef eingeladen, so wie andere Berliner Größen auch. Es ist auch nicht das erste Mal, dass Gauland auf einem Empfang der "FAZ" dabei ist. 

Die AfD also eine Partei wie jede andere? Das sehen viele im Netz ganz anders, auch Jan Böhmermann. Er bombardiert die Frankfurter Journalisten auf Twitter mit einer ganzen Batterie von Fragen.

Wir zitieren den Tweet:

1. Hat diese "70 Jahre Party" stattgefunden? Wenn ja, wann und wo?

2. Handelte es sich um eine öffentliche oder eine geschlossene Veranstaltung?

3. Waren die zwei Rechtsextremen Stephan Brandner und Alexander Gauland offiziell von der FAZ eingeladen? Wenn ja, warum und von wem?

4. Welche grundsätzlichen verlegerischen Richtlinien gibt es bei der FAZ in Bezug auf die Einladung von hochrangigen Parteipolitikern zu nicht-öffentlichen Veranstaltungen?

5. Welche Grundsätze vertritt die FAZ in Bezug auf die Einladung politischer Extremisten zu geschlossenen Veranstaltungen der FAZ?

6. Wurden im Vorfeld oder hinterher redaktions- und/oder verlagsintern mögliche journalistisch-ethische Interessenskonflikte durch die Anwesenheit der besagten Parteipolitiker thematisiert?

7. Hatten @faznet Chefredaktion und Herausgeber vorab Kenntnis über die Anwesenheit von Stephan Brandner und Alexander Gauland? Wenn ja, wie rechtfertigen Chefredaktion und Herausgeber dies a) generell b) mit Blick auf ihr eigenes Verhältnis z. freiheitlich-demokr. Grundordnung?

8. Gab es in der Vergangenheit weitere nicht-öffentliche FAZ-Parties, auf denen hochrangige Vertreter der Partei "Alternative für Deutschland" eingeladen waren? Wenn ja, wann, wo, wer und warum?

9. Plant die FAZ auch in Zukunft, Vertreter der "AfD" zu geschlossenen Veranstaltungen der FAZ einzuladen?

10. Auf welchem Weg sind die Nationalsozialisten 1933 an die Macht und wer gilt hierfür historisch aus welchem Grund als ihr politischer und gesellschaftlicher "Steigbügelhalter"?

Viele Twitter-Nutzer springen Böhmermann entrüstet bei und wenden sich über Twitter direkt an die FAZ-Redaktion. Die äußert sich bislang - auch auf stern-Anfrage - nicht zur Debatte um ihre Gästeliste. Es ist anzunehmen, dass die altehrwürdige Zeitung die Rolle als Stargast in Böhmermanns nächster Sendung von "Neo Magazin Royale" bekommt. Der verwies bei der Bitte um Antworten auf seine Fragen nämlich bereits auf den Redaktionsschluss seiner Sendung am Montag.

Kra