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Marie-Agnes Strack-Zimmermann: FDP-Bundesvorstand: "Sich von der Höcke-AfD wählen zu lassen, ist völlig inakzeptabel"

Sie kennt den neuen Ministerpräsidenten Thüringens persönlich: Marie-Agnes Strack-Zimmermann, ehemalige Bürgermeisterin von Düsseldorf und Mitglied im FDP-Bundesvorstand, fordert Parteichef Christian Lindner zum Handeln auf.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, ehemalige Bürgermeisterin und Mitglied im FDP-Bundesvorstand

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So richtig verstanden hat Marie-Agnes Strack-Zimmermann immer noch nicht, was in Thüringen abgelaufen ist. Die FDP-Bundestagsabgeordnete war auf einer Veranstaltung, erzählt sie dem stern, als sie plötzlich hörte, dass ihr Parteikollege Thomas Kemmerich zum neuen thüringischen Ministerpräsidenten gewählt worden sei. Dass ein Liberaler ein Bundesland regiert, sei zwar schön. Doch dass er von der völkisch-nationalen AfD mitgewählt worden sei, könne sie nicht ertragen.

"Dass ausgerechnet die Höcke-AfD ihn in den Sattel gehoben habe, ist völlig indiskutabel", sagt sie. So indiskutabel, dass sich die ehemalige Düsseldorfer Bürgermeisterin erst einmal auf Twitter Luft machen musste. Dort schrieb Strack-Zimmermann sogar von einem "schlechten Tag für sie als Liberale":

Wie es dazu gekommen ist? Sie weiß es nicht und rätselt selbst. Sie kennt Thomas Kemmerich gut, schätzt ihn, aber was ihn zu der Kandidatur getrieben hat, darüber wundert sie sich auch. "Vielleicht war es eine spontane Gelegenheit", sagt sie. Eine Absprache mit der Parteiführung in Berlin habe es jedenfalls nicht gegeben. "Da bin ich mir ganz sicher" , sagt Strack-Zimmermann, die auch Mitglied im Bundesvorstand der FDP ist.

Christian Lindner muss "den Prozess jetzt begleiten"

Die Landesverbände seien eigenständig, und entschieden selbst wie sie vorgehen. Sie setzt jetzt auf die Parteiführung und FDP-Chef Christian Lindner. Er müsse jetzt "den Prozess begleiten".

Was das heißt, ist aber offen. Lindner hofft, dass Kemmerich es schafft mit SPD, Grüne und CDU eine Regierung zu bilden und entsprechende Gespräche führt. Doch SPD und Grüne lehnen das bisher ab, eine Zusammenarbeit mit der AfD schloss Lindner dagegen aus. Notfalls müsse es dann Neuwahlen geben, sagte er.

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Marie-Agnes Strack-Zimmermann will sich bei diesem Thema nicht festlegen. "Das müssen die Kollegen in Thüringen klären", sagt sie. Die 61-Jährige gebürtige Düsseldorferin hat schon viel erlebt in der Politik, sie ist Expertin für Verteidigungs- und Kommunalpolitik und war sechs Jahre lang stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende, bis sie vor einem knappen Jahr das Amt auf eigenen Wunsch hin abgab.