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Förderung für Studierende: Doppelt so viele Deutschlandstipendien wie 2011

Fast 11.000 begabte Studierende haben in diesem Jahr ein Deutschlandstipendium erhalten. Die Regierung wertet die Förderung als Erfolg, die Opposition dagegen sieht die Erwartungen nicht erfüllt.

Die Zahl der Deutschlandstipendien hat sich laut Bundesregierung 2012 verdoppelt: Die Hochschulen vergaben in diesem Jahr 10.977 Stipendien - 2011 waren es 5375, wie das Bildungsministerium am Dienstag in Berlin mitteilte. Damit sei anderthalb Jahre nach seiner Einführung bereits rund jedes vierte öffentlich geförderte Stipendium für Studierende ein Deutschlandstipendium. Oppositionspolitiker erneuerten allerdings ihre Kritik an dem Stipendium und verwiesen darauf, dass die Zahl der vergebenen Deutschlandstipendien weit hinter den erweckten Erwartungen zurückbleibe.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Helge Braun (CDU), wertete die Zahlen als Beleg, dass sich das Deutschlandstipendium "an den Hochschulen etabliert" habe. Das Deutschlandstipendium beträgt 300 Euro im Monat und wird an besonders begabte und engagierte Studierende vergeben. Die Hälfte des Stipendiums werben die Hochschulen bei privaten Förderern ein, meist bei Unternehmen aus der Region. Die andere Hälfte gibt das Bildungsministerium dazu. Auf diese Weise wurden dem Ministerium zufolge bereits rund 30 Millionen Euro an privaten Mitteln mobilisiert.

Kritik aus der SPD

An der Vergabe des Deutschlandstipendiums beteiligten sich den Angaben zufolge 263 von insgesamt 388 Hochschulen. Von diesen 263 Hochschulen schöpften in diesem Jahr 104 die Höchstförderquote von einem Prozent der Studierenden aus. 40 dieser Hochschulen nehmen demnach außerdem die neue Möglichkeit in Anspruch, von den nicht genutzten Mitteln anderer Hochschulen zu profitieren.

Die FDP nannte das Deutschlandstipendium "eines der wichtigsten Bildungsprojekte" der schwarz-gelben Bundesregierung. "Die Verdoppelung der Stipendienzahl innerhalb eines Jahres macht deutlich, dass wir bildungspolitisch auf dem vollkommen richtigen Weg sind", erklärte der FDP-Bildungsexperte Patrick Meinhardt. Ohne die Initiative der FDP für ein Deutschlandstipendium "hätten 11.000 Studierende in Deutschland kein Stipendium."

Dagegen vertrat der SPD-Abgeordnete Klaus Hagemann die Auffassung, zum Feiern bestehe beim Deutschlandstipendium "leider kein Anlass". Die Zahl der vergebenen Stipendien bleibe weit hinter den von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) geweckten Erwartung zurück. "Im laufenden Jahr hat die Ministerin die Mittel für ihr Programm im Vergleich zum Vorjahr auf 36,6 Millionen Euro fast vervierfacht", betonte Hagemann. "Sie freut sich nun über die doppelte Zahl an Stipendiaten. Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit wird also immer größer."

BaföG-Förderung statt Deutschlandstipendium

Bafög-Förderung statt Deutschlandstipendium Auch der Grünen-Hochschulexperte Kai Gehring erklärte, die Bundesregierung solle "sich endlich eingestehen, dass die Deutschlandstipendien stehen gelassen werden wie Sauerbier". "Erneut konnte nur die Hälfte der bereitgestellten Deutschlandstipendien vergeben werden - also nur 11.000 Stipendien für 2,3 Millionen Studierende." Anstatt "stur an Millionensummen für unsinnige Deutschlandstipendien zum Wohle weniger Auserwählter festzuhalten", hätte Schavan die Bafög-Fördermittel für alle Studierenden erhöhen müssen.

Die Linken-Hochschulpolitikerin Nicole Gohlke kritisierte ebenfalls, das Bundesbildungsministerium setze "vollkommen falsche Prioritäten, wenn es sich auf die Stipendienprogramme konzentriert". "Eine ordentliche Bafög-Erhöhung ist viel wichtiger und für sozial gerechte Studienbedingungen allemal wirksamer als das Deutschlandstipendium."

juho/AFP / AFP