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ZDF-Sommerinterview Steinmeier wünscht sich mehr Geld für Corona-Helfer: "Von Wertschätzung kann man nicht dauerhaft zehren"

Theo Koll und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Moderator Theo Koll und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier während der Aufzeichnung des ZDF-Sommerinterviews
© Claudius Pflug / ZDF / DPA
In unserer Gesellschaft "drückt sich Wertschätzung auch in Bezahlung aus", erklärte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im ZDF-Sommerinterview. Seine Mahnung gilt "nicht nur" politischen Entscheidungsträgern.

Nach Meinung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verdienen Menschen, die in der Corona-Krise "den Laden am Laufen gehalten haben", dafür mehr als nur Wertschätzung. Er wünscht sich, dass sie auch eine finanzielle Anerkennung erhalten. In unserer Gesellschaft "drückt sich Wertschätzung eben auch in Bezahlung aus", sagte Steinmeier am Sonntag im ZDF-Sommerinterview. "Von Wertschätzung kann man nicht dauerhaft zehren", begründet er seine Haltung.

Steinmeier wünscht sich Hilfe für Benachteiligte

"Der Bildungs-Lockdown hat ganze Familien in schwierigste Situationen gebracht", resümiert Steinmeier. Auch wenn es oft geheißen hätte, von der Krise seien alle gleich betroffen, habe die Corona-Pandemie große Unterschiede offenbart. Es sei ein "großer Irrtum, dass Krisen der große Gleichmacher sind", erklärte er. Ganz im Gegenteil, die Ungleichheiten würden eher noch verstärkt. So seien während des Bildungs- Lockdowns vor allem Alleinerziehende besonders betroffen gewesen.

Eine "Rückkehr in die Normalität" sieht Steinmeier als unrealistisch, denn wer etwas älter sei, wisse, dass "die Normalität" gar nicht existiere. Vielmehr erhofft er sich, dass die Krise dazu dienen könne, Dinge in eine neue Normalität hinüber zu retten, die sich während der Corona-Zeit als wichtig herauskristallisiert hätten.

Sehen Sie im Video: Montrealer Restaurant setzt Puppen statt Plexiglasscheiben ein, um für den Mindestabstand der Kunden zu sorgen. Wer sich ins Montrealer Restaurant "Le Monarque" hinsetzt, wird bestimmt zweimal um sich schauen müssen. Denn viele Gästen bewegen sich gar nicht – und sind zwar aus Kunststoff. Als Abstandsmaßnahme setzt Besitzer und Koch Jérémie Bastien Puppen an Tische, damit sich die Kunden nicht näherkommen können. "Wir wollten den Kunden mehr Platz geben. Wir wollten keine Tische entfernen oder Plexiglasscheiben aufstellen. So können wir den Raum ein wenig dekorieren, um eine Atmosphäre zu schaffen. Wenn der Raum also von unseren Kunden bewohnt wird, füllen die Puppen die Lücken, so dass sie das Dekor optisch angleichen." – Bastien "Es ist eine wunderbare Idee, um die Tische zu trennen und die Atmosphäre angesichts der aktuellen Situation viel angenehmer zu gestalten." – Nassim Habashi, Kunde Einen weiteren Zweck erfüllen die Mannequins auch: Sie tragen Designer-Klamotten, die man künftig bei einer Versteigerung erwerben kann. "Wir wollten eine stilvolle Installation der Spitzenklasse schaffen, weil sich zwei Universen treffen, Mode und Gastronomie. Ich denke, das sind zwei Welten, die immer verbunden waren." – Philippe Dubuc, Stylist, Sarah Pacini Mode Chef Bastien sagt, die Partnerschaft sei für beide Seiten "sehr vorteilhaft" gewesen. Er betont jedoch, dass es um mehr als nur "den Raum verschönern" geht. Er wolle den Menschen helfen, die wegen der Pandemie gelitten haben. Die Gewinne der Auktion werden an lokale Wohltätigkeitsorganisationen gespendet.
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Politik zeigte sich bei den Hilfen als sehr schnell handlungsfähig

Wirtschaftlich habe sich die Politik als sehr schnell handlungsfähig gezeigt, lobte Steinmeier. Kurzarbeitergeld, Überbrückungshilfen und Kredite insbesondere für Selbstständige mit kleinen Firmen hätten das gezeigt. Möglicherweise sei dadurch das Vertrauen in die Politik, womit sich sich die Deutschen sehr schwer täten, wieder gewachsen. Menschen, die mit dem Staat "gefremdelt" hätten, hätten in der Corona-Krise erlebt, dass es einen Staat brauche.

Quelle: ZDF-Sommerinterview (in voller Länge)

bal

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