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Jubiläum: 100. Geburtstag von Franz Josef Strauß: Kein einfacher Typ

Noch 27 Jahre nach seinem Tod scheiden sich am ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Übervater die Geister. Ein Rückblick in Zahlen.

Zehn Zahlen zu Franz Josef Strauß
Franz-Josef Strauß und seine Frau Marianne.
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Kinder hatten Franz Josef Strauß und seine Frau Marianne (hier im Bild). Die beiden waren bis zu Mariannes Tod im Jahr 1984 verheiratet. Die Ökonomin hatte das Familienvermögen verwaltet und sich sozial engagiert. Marianne starb mit 54 an den Folgen eines Autounfalls. Von 1986 bis zu seinem Tod 1988 war er, der damals schon 71-jährige Ministerpräsident, mit der um 31 Jahre jüngeren Renate Piller zusammen.

© Foto:Heinz Wieseler / picture-alliance / dpa
Franz Josef Strauss wird 1980 die Ehrendoktor-Würde der Universität Dallas verliehen.
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Ehrendoktorate hat Franz Josef Strauß Zeit seines Lebens angehäuft: In den USA ehrten ihn die Universitäten von Cleveland, Kalamazoo, Chicago, Detroit, Dallas und Maryland, in Chile die Universität von Santiago de Chile sowie seine Heimatuniversität München. Nachdem er 1935 das bayernweit beste Abitur seit 1910 gemacht hatte, studierte er dort Altphilologie auf Lehramt. 1941 schloss er das Studium ab, dann wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Nach Kriegsende wurde er rasch als politisch unbelastet eingestuft.

© Foto:picture-alliance / Sven Simon
CSU-Parteichef Franz Josef Strauss im März 1973 bei einer Maß Bier.
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Jahre war Franz Josef Strauss Vorsitzender der CSU. Er wurde bereits 1949, mit 34 Jahren, Generalsekretär. 1952 wurde er Stellvertretender CSU-Vorsitzender, 1961 stieg er zum Vorsitzenden auf. Das blieb er bis zu seinem Tod 1988. 1949 zog er in den Bundestag ein, ab 1953 führte unter Bundeskanzler Konrad Adenauer das Ministerium für besondere Aufgaben. Ab 1955 führte er das Bundesministerium für Atomfragen, von 1956 bis 1962 war er Verteidigungsminister. Sein Auftreten in der Spiegel-Affäre führte dazu, dass er aus dem Kabinett ausscheiden musste. Von 1966 bis 1969 war er noch Finanzminister.

© Foto:Heinrich Sanden / picture-alliance / dpa
Dieses undatierte Foto zeigt Franz Josef Strauss (rechts) mit Rudolf Augstein, dem Herausgebers des Magazins "Der SPIEGEL".
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Tage saß Rudolf Augstein, der Gründer und Verleger des Magazins Der Spiegel, ab Oktober 1962 in Untersuchungshaft. Das war von Franz Josef Strauß als Verteidigungsminister verfügt worden. Zuvor war im Spiegel unter dem Titel "Bedingt abwehrbereit" ein Artikel veröffentlicht, der grundsätzliche Zweifel am Konzept der Bundeswehr anmeldete und Mängel aufdeckte. Nicht nur Augstein, sondern auch andere Mitarbeiter des Spiegel sind damals verhaftet worden. Die so genannte "Spiegel-Affäre" kostete Strauß schlussendlich das Ministeramt.

© Foto:picture alliance / ASSOCIATED PR
Der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß 1959 auf einem Dienstfahrrad, das der Bund der Steuerzahler dem Verteidigungsministerium geschenkt haben.
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Kilometer war das Straßenrennen "Quer durch das bayerische Hochland" lang, das Franz Josef Strauß als Teil der Mannschaft des RC Amor 07 München in knapp unter sechs Stunden gewann. Das Gerücht, dass er etwa die Bayerische Jugendmeisterschaft gewonnen hätte, lässt sich nicht bestätigen. Das Bild zeigt ihn als Verteidigungsminister 1959 auf einem Dienstfahrrad, das der Bund der Steuerzahler seinem Pressechef (im Bild rechts) zur Verfügung gestellt hatte. Der legte darauf immer den Weg zwischen Kaserne und Bonner Bundeshaus zurück.

© Foto:picture-alliance / dpa
Juni 1979 in einem Fernsehstudio: Der Vorsitzende der CDU, Helmut Kohl, mit dem Vorsitzenden der CSU, Franz Josef Strauss.
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Bundestagssitze als stimmenstärkste Fraktion errangen CDU/CSU bei der Bundestagswahl 1980. Das reichte aber nicht, um die Koalition aus SPD und FDP zu stürzen. Strauß war als Spitzenkandidat angetreten, nachdem CDU-Vorsitzender Helmut Kohl auf die Kandidatur verzichtet hatte. Über die Jahre kam es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden. Kohl favorisierte den niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht als Kanzlerkandidat, aber Strauß setzte sich in der Fraktion mit 135:102 Stimmen durch.

© Foto:FRITZ REISS / picture alliance / AP
Verteidigungsminister Franz Josef Strauß geht 1961 an Bord eines Lockheed F-104 Kampfflugzeugs.
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Kampfflugzeuge des Typs Lockheed F-104 "Starfighter" bestellte Franz Josef Strauß in seiner Funktion als Verteidigungsminister 1958. Die Bundeswehr benötigte neue Kampfjets und hatte die Wahl zwischen mehreren Abfangjägern. Einige Experten hatten sich schon im Vorfeld gegen die F-104 ausgesprochen, da sie noch nicht ausgereift war. Von 1960 bis 1991 stürzten von den 916 Flugzeugen 269 ab, dabei kamen 116 Piloten ums Leben. Ein Lockheed-Lobbyist erhob später Vorwürfe gegen Strauß und behauptete, die CSU sei mit 10 Millionen D-Mark geschmiert worden. Das Verfahren wurde eingestellt, es konnte nichts nachgewiesen werden.

© Foto:picture-alliance / dpa
1974: Franz Josef Strauss, der damalige Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Airbus AG, sitzt während der Deutschen Luftfahrtschau in Hannover kurz selbst im Cockpit.
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Kilometer Reichweite besitzt eine Cessna Citation II. Dieses steuerte der langjährige Privatpilot Franz Josef Strauß im Dezember 1987 von München nach Moskau. Mit an Bord waren auch andere CSU-Politiker wie Edmund Stoiber und Theo Waigel. Das Flugzeug gehörte dem Fleischgroßhändler Josef März, der es Strauß bei Bedarf zur Verfügung stellte. In Moskau gab es ein Problem: Die Piste war vereist, es gab zu wenig Treibstoff, um den Ausweichflughafen Minsk anzufliegen. Seine Passagiere bekamen erst später mit, welcher Streit sich zwischen dem Piloten Strauß und seinem Co-Pilot abgespielt hat.

© Foto:picture alliance / Günther Fisch
CSU-Vorsitzender Franz Josef Strauss trifft 1977 in dessen Sommerresidenz in Vina del Mar den chilenischen Diktator Augusto Pinochet.
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Hektar umfasste die Colonia Dignidad, eine von Auslandsdeutschen in Chile betriebene Siedlung, die wie eine Sekte geführt wurde. Während der Diktatur von Augusto Pinochet wurden dort schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen begangen. Es soll als Folterzentrum des Geheimdienstes gedient haben und Zwangsarbeiter wurden eingesetzt. Minderjährige wurden unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht. Als Teil seines Chile-Besuches 1977, wo er unter anderem mit Pinochet (hier im Bild) zusammentraf, besuchte er auch die Colonia Dignidad. Für diese Reise wurde er in den Medien stark kritisiert.

© Foto:picture alliance / UPI
Eine Büste von Franz Josef Strauß am Münchner Flughafen.
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Passagiere verzeichnete der Münchner Flughafen im Jahr 2013. Damit ist er bundesweit hinter Frankfurt am Main der zweitgrößte, im Europavergleich liegt der Flughafen auf Rang sieben. 1992 wurde dem Flughafen der Beiname "Franz Josef Strauß" gegeben. Strauß war nicht nur leidenschaftlicher Privatpilot, sondern setzte sich auch für die Luftfahrtindustrie ein. So war er einer der Hauptbeteiligten bei der Gründung von Airbus. Offiziell verwendet wird der Beiname aber nicht, so lautet der IATA-Code für den Flughafen schlicht MUC.

© Foto:Matthias Balk / dpa-picture alliance

Franz Josef Strauß war langjähriger bayerischer Ministerpräsident, CSU-Parteivorsitzender, mehrfacher Minister und einfacher CDU/CSU-Kanzlerkandidat. Als politischer Rechtsausleger zementierte er die Vormachtstellung seiner Partei in Bayern ein, weit über seine Lebzeiten hinaus. Umstritten war er immer, besonders seit seiner Zeit als Verteidigungsminister. Bei zu vielen Affären spielte er eine gewichtige Rolle, von Spiegel bis Starfighter.

Bis zu seinem Tod war er nicht nur Ministerpräsident und Parteivorsitzender, sondern auch Pilot. Wenige Tage vor seinem Tod im Oktober 1988 flog er selbst aus Bulgarien nachhause, es kam zu einem Druckabfall in 11.000 Metern Höhe. Er brachte das Flugzeug wieder unter Kontrolle und konnte in München landen. Wenige Tage später brach er mit Atemnot zusammen, als er aus einem Hubschrauber stieg. Er starb kurz darauf an den Folgen eines Multiorganversagens. Am Sonntag wäre er 100 Jahre alt geworden. Der stern hat sein Leben in zehn Zahlen zusammengefasst.


gos