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Frauenquote für deutsche Wirtschaft: Amtliches Gezicke

Ungewollt bestätigten sie die Vorurteile gegen Frauen in Führungspositionen: Leutheusser-Schnarrenberger, Schröder und von der Leyen sind in Sachen Frauenquote in Zwietracht verbunden. Und zeigen das.

Von Lutz Kinkel und Juliane Ziegler

Es ist, aus internationaler Perspektive betrachtet, schon peinlich, wie selten Frauen Positionen im deutschen Topmanagement bekleiden. Gerade mal 3,7 Prozent der Vorstände in Großkonzernen sind weiblich. "Einfach unterirdisch", findet das Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Nun soll eine Frauenquote Abhilfe schaffen. Keine gesetzliche Quote wie in vielen anderen europäischen Ländern. Schwarz-Gelb, pardon: die christlich-liberale Koalition agiert auch auf diesem Politikfeld zahnlos und setzt auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft. Immerhin: Die Ministerialen und Staatssekretäre haben den Personalplanern der Dax-Konzerne konkrete Zielvorgaben aus den Rippen geleiert.

Nun wollen sie das Ergebnis vorstellen: Ursula von der Leyen (Arbeit), Kristina Schröder (Familie) und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Justiz). Deshalb sind sie an diesem Montag in der Repräsentanz der Deutschen Telekom in Berlin zu einer gemeinsamen Pressekonferenz zusammengekommen. Doch je länger die Konferenz dauert, desto klarer wird, dass das Trio nichts gemeinsam hat. Drei Ministerinnen, drei Meinungen, sie sind nur in Zwietracht miteinander verbunden. Insbesondere Schröder und von der Leyen liefern eine Performance ab, die sämtliche Vorurteile gegen Frauen in Führungspositionen zu bestätigen scheint.

Auftritt Schröder, die Konsenssucherin: "Ich habe eine Wette gewonnen", erklärt die Familienministerin stolz. Sie habe prognostiziert, dass kein Dax-Unternehmen weniger als 10 Prozent Frauenanteil im Topmanagement wolle. Und so ist es gekommen: SAP plant weltweit eine Quote von 25 Prozent bis 2017, die Commerzbank will 30 Prozent bis 2015, Adidas gar 35 Prozent. Kristina Schröder feiert das als ihren persönlichen Erfolg: "Meine Idee funktioniert, das ist der Beweis dafür." Sie sucht den Konsens mit den Unternehmen, sie will auf freiwilliger Basis etwas bewegen. Und sieht sich bestätigt: "Was im letzten halben Jahr passiert ist, ist mehr, als in den letzten zehn Jahren passierte." Da muss Ursula von der Leyen kräftig schlucken.

Auftritt von der Leyen, die Macherin

: Mit einem einzigen Satz zerstört die Arbeitsministerin die triumphale Geste ihrer Vorrednerin. Man könne nicht "Äpfel, Birnen und Mandarinen" miteinander vergleichen, höhnt von der Leyen. Schließlich hätten einige Konzerne ihre Zielvorgabe für das Personal in allen, auch ausländischen Produktionsstandorten definiert, einige nur für Deutschland; manche hätten Zahlen für Vorstand und Aufsichtsrat ausgewiesen, andere nur für nicht näher definierte Führungspositionen. Damit sei die Vergleichbarkeit nicht gegeben. "Dieses hier sollte ein Testlauf für die Quote sein", sagt von der Leyen. "Wir sind am Anfang der Bewegung." Und, damit niemand sie falsch versteht, schickt die Arbeitsministerin wenig später eine harte Ansage hinter: "Heute ist keinerlei Beweis geführt, dass eine gesetzliche Frauenquote überflüssig wäre." Familienministerin Schröder, die neben von der Leyen sowieso immer etwas blass und verspannt wirkt, wird noch blasser und verspannter. Angestrengt schaut sie auf den Tisch vor sich - aus diesen beiden Frauen werden keine Freundinnen mehr.

Auftritt Leutheusser-Schnarrenberger, die Bremserin

: Die Liberale ist etwas weiter auf die rechte Seite des Podiums gerückt, es wirkt, als wollte sie Distanz zu ihren Kolleginnen von der CDU halten. Die Justizministerin erklärt, ebenso umständlich wie leidenschaftlich, wie es so ihre Art ist, wenn sie eigentlich unüberbrückbare Differenzen einräumen müsste, dass sie im Prinzip eine Erhöhung des Anteils weiblicher Führungskräfte ganz gut fände. Sie sei ja eine Anhängerin des Corporate-Governance-Kodex, der das bereits vorsehe. Befragt, wie sie eine gesetzlichen Quote beurteile - inklusive möglicher Strafen bei Verstoß - sagt Leutheusser-Schnarrenberger: "Ich halte davon nicht allzu viel, um es vorsichtig zu sagen." Damit stellt sie sich unmissverständlich gegen Arbeitsministerin von der Leyen, und es klingt wie eine Drohung, als sie ergänzt, sie sei ja schließlich für das "Gesellschaftsrecht" zuständig.

Überhaupt ist jede der drei Frauen zuständig. Sie beginnen ihre Sätze mit "ich", sie sprechen von "meinen Vorschlägen", sie halten sich jeweils für "federführend" und sie reden direkt mit dem Publikum, nie unter- oder miteinander. So formt sich das Bild von drei Frauen, die es dank ihrer herausragenden Qualifikation in herausragende Ämter gebracht haben, aber bei der Vertretung ihres ureigenen Anliegens versagen - weil sie in der Wahl der Mittel heillos zerstritten sind. Die Konsenssucherin, die Macherin und die Bremserin, zusammengezwängt in einer Koalition, unfähig, sich vor einem öffentlichen Auftritt zumindest so abzustimmen, dass nicht alle verlieren.

Es ist, aus deutscher Perspektive betrachtet, schon peinlich, wie sich diese Regierung aufführt.

Von:

Juliane Ziegler und