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Eklat nach der Bundestagswahl: Chaostage bei der AfD: Frauke Petry und ihr Ehemann Marcus Pretzell planen Parteiaustritte

Nur zwei Tage nach dem fulminanten Ergebnis bei der Bundestagswahl steckt die AfD tief im Personalchaos: Parteichefin Frauke Petry und ihr Ehemann, der NRW-Landesvorsitzende Marcus Pretzell, wollen aus der Partei austreten. Damit verliert die Partei zwei ihrer bekanntesten Gesichter.

Parteichefin Frauke Petry will aus der AfD austreten. "Klar ist, dass dieser Schritt erfolgen wird", sagte Petry am Dienstag in Dresden, allerdings ohne einen genauen Zeitpunkt zu nennen. Die Frage, ob sie eine neue Partei gründen wolle, ließ sie unbeantwortet.

Auch Petrys Ehemann, der Landes- und Fraktionschef der AfD in Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell, will Partei und Fraktion verlassen. Diesen Schritt habe Pretzell für die nächste Fraktionssitzung angekündigt, sagte AfD-Fraktionssprecher Michael Schwarzer in Düsseldorf.

Die Austritte sind ein schwerer Schlag für die AfD, die bei der Bundestagswahl am vergangenen Sonntag mit einem Stimmenanteil von 12,6 Prozent zur drittstärksten Kraft im Parlament gewählt worden war. Mit den Parteiaustritten von Petry und Pretzell verlieren die Rechtspopulisten zwei ihrer bekanntesten Politiker.

Pretzell wolle sein Mandat im Landtag behalten, sagte der Sprecher weiter. Er habe seine Ankündigung mit seiner "pessimistischen Einschätzung über den Zustand der Partei" begründet. Gemeinsam mit Pretzell wolle auch der Abgeordnete Alexander Langguth die Fraktion verlassen. 

Differezen zwischen Frauke Petry und der AfD

Zuvor hatte Petry bereits zusammen mit dem Parlamentarischen Geschäftsführer Uwe Wurlitzer und dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Kirsten Muster ihr Amt als Fraktionsvorsitzende der AfD im Sächsischen Landtag niedergelegt. Mit "Ablauf des heutigen Tages" würden alle drei zudem aus der Fraktion austreten, aber weiter ihre Mandate als Einzelabgeordnete behalten, hieß es.

Als Grund wurden grundsätzliche Meinungsunterschiede mit Teilen der Partei genannt, die ihnen eine Fortführung der Arbeit in der Fraktion unmöglich machten.

Nach ihrer Wahl in den Bundestag hatte Petry bereits am Montag in Berlin mitgeteilt, auch dort nicht der AfD-Fraktion angehören zu wollen. Die 42-Jährige hatte bei der Bundestagswahl am Sonntag ein Direktmandat in Sachsen gewonnen.

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Marcus Pretzell kritisiert Entwicklung der AfD

Pretzell selbst äußerte sich beim Verlassen der Fraktionssitzung nicht. Dem WDR sagte er: "Was mich zum Austritt aus der Partei und damit auch aus der Fraktion bewegt, ist eine Entwicklung der AfD, die ich etwas anders einschätze als unter anderem auch meine beiden Kollegen hier." Über den Rückzug Pretzells hatte auch die "Rheinische Post" online berichtet.

Die neu in den Bundestag gewählten AfD-Abgeordneten aus Nordrhein-Westfalen hatten zuvor deutlich gemacht, dass Petry nicht mit ihrer Unterstützung rechnen kann. In einer gemeinsamen Erklärung vom Dienstag heißt es unter anderem: "Unsere Entschlossenheit, mit unseren Kollegen in der AfD-Bundestagsfraktion gut und eng zusammenzuarbeiten, wird dadurch nicht berührt."

Frauke Petry verließ die Pressekonferenz

Am Montag kündigte sie an, sie wolle der neuen AfD-Bundestagsfraktion nicht angehören. Anschließend verließ sie eine gemeinsame Pressekonferenz mit den Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland. 

Weidel hatte daraufhin Petry aufgefordert, den Parteivorsitz niederzulegen und die AfD zu verlassen. AfD-Vorstandsmitglied André Poggenburg sagte, nur so könne Petry "einem Antrag auf Parteiausschluss zuvorkommen". Auch der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen legte ihr den Austritt aus der Partei nahe.

Zunächst will Petry "als fraktionslose Abgeordnete im Bundestag" arbeiten. Ob sie die Gründung einer eigenen Fraktion oder Parlamentariergruppe anstrebt, hatte sie am Montag nicht gesagt. 

tyr / DPA