Friedmanns Bodyguards Behörden kannten Nazi-Hintergrund


Nach stern-Informationen wussten hessische Behörden bereits seit dem Frühjahr 2005 über den rechtsextremen Hintergrund einiger Friedmann-Leibwächter Bescheid. Einer der Verdächtigen arbeitete sogar beim Staatsschutz - und sollte nach Nazis fahnden.

Bereits seit dem Frühjahr 2005 wussten hessische Behörden über den rechtsextremen Hintergrund einiger Friedmann-Leibwächter Bescheid. Einer der Verdächtigen arbeitete sogar beim Staatsschutz - und sollte dort nach untergetauchten Nazis fahnden.

Verdächtiger wurde schon 2005 beschuldigt

Die hessischen Behörden wussten schon weit früher, als bisher bekannt, von dem Verdacht, unter den Leibwächtern von Michel Friedmann könnten sich Rechtsextreme befinden. Wie das Hamburger Magazin stern in seiner morgen erscheinenden Ausgabe (13/2007) berichtet, ermittelte die Frankfurter Staatsanwaltschaft bereits im Frühjahr 2005 wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen einen Personenschützer der Frankfurter Polizei. Der heute 42-jährige soll - nach Aussage eines anwesenden Kollegen - in einem Frühstücksraum eines Berliner Hotels den Holocaust geleugnet haben.

Der Leibwächter war zum Schutz von Michel Friedmann, dem ehemaligen Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden, in die Hauptstadt gereist. Bei seiner Vernehmung wies der Polizist den Vorwurf zurück. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren später ein: Der Beamte habe - wenn überhaupt - den Holocaust nicht öffentlich geleugnet und habe sich damit nicht strafbar gemacht. Später wurden auf dem Rechner des Personenschützers vier Lieder gefunden, die auf dem Index stehen, darunter das Horst-Wessel-Lied, die Hymne der Hitler-Jugend "Unsere Fahne flattert uns voran" und ein Lied der verurteilten Neonazi-Band "Landser".

Zeitweilige Tätigkeit für den Staatsschutz

Der Beamte wurde später aus dem Mobilen Einsatzkommando, das die Personenschützer für Friedman und andere Prominente stellt, versetzt. Er arbeitete zeitweilig beim Staatsschutz, ausgerechnet in der Abteilung, die nach untergetauchten Tätern des NS-Regimes fahnden. Mittlerweile ist er Sportausbilder an der hessischen Polizeischule.

Ein anderer Personenschützer, der in SS-Uniform fotografiert worden war, soll nach den Angaben seines Anwaltes "definitiv kein Neonazi" sein. Wie der Frankfurter Strafverteidiger Andreas Hohnel dem stern sagte, habe sein Mandant "unüberlegt gehandelt". Dass das Foto in Umlauf kam, sei Ergebnis einer Intrige. Allerdings war auf dem Computer des Polizisten auch der Entwurf einer Urkunde gefunden worden: Darauf wurde einem Kollegen "im Namen des Führers" für die Bewachung Michel Friedmans gedankt.

Suspendierter Polizist sammelte 150 Uniformen

Der 26-Jährige, der Polizeibeamter auf Probe war, bevor er suspendiert wurde, ist ein Militaria-Sammler. Er besitzt rund 150 Uniformen, darunter zwei deutsche. Er tritt auch manchmal öffentlich in Uniform auf, zum Beispiel als US-Soldat bei einer Veranstaltung mit dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch auf dem Gelände der Gedenkstätte Point Alpha in an der thüringisch-hessischen Grenze. Dort arbeitet er ehrenamtlich und ist für die Wartung der historischen Fahrzeuge zuständig.

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