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Kommentar

Innenminister-Idee: Führt einen muslimischen Feiertag ein und räumt das Feiertagssystem gleich mit auf

Thomas de Maizière ist offen für einen muslimischen Feiertag. Eine gute Idee, denn er würde Muslimen den Respekt zollen, den viele vermissen. Außerdem könnte das deutsche Feiertagskuddelmuddel ohnehin ein Großreinemachen vertragen.

Thomas de Maizière

Quizfrage: Was genau ist Allerheiligen?* Und warum ist das Fest so besonders, dass fast die Hälfte Deutschlands an diesem Tag frei hat? Vielleicht wissen es selbst einige Katholiken nicht, von protestantischen Nord- und Ostdeutschen im Rest des Landes einmal abgesehen. Ratlos-neidvoll blicken sie dann jedes Jahr am 1. November ins Saarland oder nach Nordrhein-Westfalen. Und fragen sich: Warum eigentlich die da unten und wir nicht hier oben? 13 Feiertage haben die Bayern, mit 14 liegen nur noch Malta und Spanien davor - weltweit. In Bremen sind es gerade einmal neun. Religiös betrachtet mag diese deutsche Teilung ihren Grund haben, gerecht ist sie nicht.

Islam ist die zweitgrößte Religion in Deutschland 

Aber was heißt schon gerecht? In diesem Land leben ungefähr genauso viele Protestanten wie Katholiken (beide kommen auf je knapp 30 Prozent). Der Rest ist entweder nicht getauft, gehört Klein-Konfessionen wie dem Judentum oder dem Buddhismus an oder ist: muslimisch. Der Islam ist die zweitgrößte Religion des Landes, doch eigene Feiertage für Muslime gibt es nicht. Warum eigentlich? Immerhin bekommen muslimische Kinder an hohen Festtagen wie dem Zuckerfest, also dem Fastenbrechen, schulfrei, doch das war es auch schon. Bislang war die Forderung nach einem Feiertag von Querdenkern wie den Grünen Hans-Christian Ströbele zu hören. Nun ist es ausgerechnet CDU-Mann Thomas de Maizière, der sagt: "Ich bin bereit darüber zu reden, ob wir auch mal einen muslimischen Feiertag einführen."

Nun geht dem Noch-Innenminister so eine Aussage natürlich leicht von den Lippen, weil de Maizière in einer Jamaika-Koalition wohl kein Innenminister mehr sein wird, und er sich daher wohl nicht weiter darum kümmern muss. Aber die Bereitschaft, auch denjenigen Menschen einen Festtag einzuräumen, die hier seit vielen Jahrzehnten leben, ist längst überfällig. Sie wäre auch fair und würde den deutschen Muslimen auch den Respekt zollen, den viele seit langem vermissen. Ein muslimischer Feiertag lässt sich auch als ein Integrationsbeitrag verstehen.

Warum nicht auch ein jüdischer Feiertag?

Als die Diskussion das letzte Mal geführt wurde, bekamen die Befürworter Rückendeckung von Zentralrat der Juden. Der zugleich vorschlug, auch einen jüdischen Feiertag einzuführen. Warum eigentlich nicht? Aber vermutlich werden sowohl Muslime als auch Juden noch sehr lange auf einen eigenen Feiertag warten müssen, denn neben dem Totschlagargument von Deutschland als christlich geprägtem Land, wird auch die Wirtschaft mit ihrem Todschlagargument aufwarten: Das nämlich noch mehr Feiertage die ökonomische Kraft schwächen würde.

Aber auch das muss nicht sein. Denn die Einführung eines muslimischen und jüdischen Feiertags ließe sich mit dem ohnehin überfälligen Aufräumen des deutschen Feiertagskuddelmuddels verbinden: Die Katholiken verzichten auf drei Feiertage, profitieren aber von den Festtagen für Muslime und Juden. Bleiben am Ende elf bundesweite Feiertage für alle. Das wäre deutlich gerechter und die Unternehmen in den wirtschaftsstarken Regionen Bayern und Baden-Württemberg freuen sich über einen Arbeitstag mehr. 

*An Allerheiligen wird allen Heiligen gedacht. Es ist ein sogenannter stiller Feiertag. Sprich: Es herrscht Verbot von öffentlichem Tanz und lauter Musik.