Glos-Rücktritt CSU-Granden beklagen Seehofers Führungsstil


Am Tag nach dem Stabwechsel im Wirtschaftsministerium wird in der CSU Kritik an der Art und Weise der Ablösung von Michael Glos laut. Vor allem der Führungsstil von Parteichef Horst Seehofer stößt vielen altgedienten Christsozialen auf.

Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Peter Ramsauer sieht mangelnde Solidarität mit Michael Glos als einen der Gründe für dessen Rücktritt vom Amt des Bundeswirtschaftsministers. Glos (CSU) sei "häufig angerempelt worden" und habe "von mancher Seite nicht die Solidarität erfahren", die nötig gewesen sei, sagte der CSU-Landesgruppenvorsitzende am Dienstag in Berlin ohne Namen zu nennen. "Für ihn ist viel zusammen gekommen." Ramsauer sagte, er sei selbst über den Rücktritt schockiert gewesen.

Glos hatte die Gründe für seinen Rückzug mitten in der Wirtschaftskrise am Montagabend in der Sitzung der Landesgruppe erläutert. Ramsauer verteidigte die Personalentscheidungen nach dem Rücktritt. "Ich würde das und wir würden das in allen Punkten wieder haargenau so machen."

Aus der CSU wurde vor allem Kritik an der Art und Weise der Ablösung von Glos und am Führungsstil von Parteichef Horst Seehofer laut. Der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Glos hätte mehr Unterstützung von allen Beteiligten verdient." Der ehemalige Staatskanzleichef Eberhard Sinner warf Seehofer vor, er sei "nicht optimal in der Menschenführung". Bayerns Innenministers Joachim Herrmann mahnte, dass die CSU in den Monaten bis zur Wahl "Geschlossenheit und Solidarität zeigen muss - auch die CSU-Spitze".

Der CSU-Wirtschaftsexperte Georg Nüßlein münzte die Kritik auf Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Das, was Michael Glos widerfahren ist, nämlich die fehlende Unterstützung seitens der Union, insbesondere auch seitens der Frau Bundeskanzlerin, ist etwas, was man thematisieren muss", sagte er im RBB-Inforadio. Der neue CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt verteidigte Seehofer gegen alle Kritik. "Seehofer hat die Situation mit Bravour gemeistert", meinte Dobrindt im ZDF. Er bestritt auch, dass es Kritik am Führungsstil Seehofers gebe, räumte aber ein: "Es gibt Leute, die sagen, er hätte da anders handeln können."

Den Regionalproporz in der CSU mit Bayern und Franken rechtfertigte der neue Generalsekretär ebenfalls. "Die CSU ist die einzig wahre Volkspartei in Deutschland", sagte Dobrindt. Die Mitglieder und Wähler hätten einen Anspruch darauf, dass sie mit ihren Mandatsträgern in der Spitze der Partei vertreten seien.

"Um Wirtschaftskompetenz schlecht bestellt"

Die Berufung des CSU-Außenpolitikers Karl-Theodor zu Guttenberg zum Glos-Nachfolger sorgt in der Schwesterpartei CDU für Unmut. Finanzpolitiker Otto Bernhardt sagte der "Bild"-Zeitung, Guttenberg sei bislang als Außenpolitiker aufgetreten. Die Personalie zeige erneut, "dass es um die Wirtschaftskompetenz der Union schlecht bestellt ist". Es fehlten junge Politiker mit wirtschaftspolitischer Ausstrahlung, wie sie beispielsweise Friedrich Merz habe. Der CDU-Wirtschaftspolitiker Andreas Lämmel sagte: "Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise hätte das Amt von einem ausgewiesenen Wirtschaftsexperten übernommen werden müssen."

Der CDU-Mittelstandsexperte Michael Fuchs verwies im Südwestrundfunk ebenfalls auf Guttenbergs rein außenpolitische Erfahrung, lobte aber, dass der neue Minister auch Unternehmer sei. "Aber es ist natürlich schwierig, ein solch schweres Amt in einer Krise, in einer Finanz- und Wirtschaftskrise, wie wir sie in diesem Ausmaß noch nie erlebt haben, zu übernehmen", gab Fuchs zu bedenken.

joe/AP AP

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