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Großer Zapfenstreich: Wulff wünscht sich Zugabe

Drei sind nicht genug: Anstatt der üblichen Anzahl von Liedern wünscht sich Christian Wulff einen Song mehr für seinen Zapfenstreich. Als Zugabe will der zurückgetretene Bundespräsident die "Ode an die Freude" hören.

Von Katharina Miklis

Eines Tages werde ich dort aufwachen, wo es keine Wolken mehr gibt. Wo Sorgen wie Zitroneneis dahinschmelzen, weit über den Schornsteinen werdet ihr mich finden. Irgendwo hoch oben über dem Regenbogen ..." Mit dieser Songzeile wird sich Christian Wulff am Donnerstag beim Großen Zapfenstreich von dem Amt des Bundespräsidenten verabschieden. Es ist eine Passage aus dem Lied "Over the Rainbow", das Harold Arlen in den späten 30er-Jahren für die Verfilmung von "Der Zauberer von Oz" geschrieben hatte. Und sagt einiges aus über den Gemütszustand von Christian Wulff.

Dabei scheint es dem zurückgetretenen Bundespräsidenten nicht daran gelegen zu sein, die Feierlichkeiten schnell über die Bühne zu bringen. Im Gegenteil: Insgesamt hat er für das Zeremoniell vor dem Schloss Bellevue vier Lieder ausgesucht, die das Stabsmusikkorps der Bundeswehr spielen soll. Üblich sind drei. Auch der "Alexandermarsch" von Alexander Leonhardt und das Kirchenlied "Da berühren sich Himmel und Erde" von Christoph Lehmann werden am Donnerstagabend im Park von Bellevue erklingen, so bestätigte es das Bundespräsidialamt gegenüber stern.de. Als Zugabe will Wulff Ludwig van Beethovens "Ode an die Freude" hören. Ursprünglich hatte er sich für den Titel "Ebony and Ivory" von Paul McCartney und Stevie Wonder gewünscht. Laut bild.de hatte das Stabsmusikkorps jedoch Bedenken geäußert, weil der Titel sich nicht für die Trompeten eigne.

Auch die Nationalhymne wird erklingen

Vor dem Großen Zapfenstreich wird es einen Empfang im Schloss Bellevue geben. Rund 200 Gäste hat Bundesratspräsident Horst Seehofer eingeladen. Erwartet werden Wegbegleiter von Christian Wulff aber auch Vertreter der Verfassungsorgane, der Bundeswehr, Mitglieder des Diplomatischen Korps sowie Familienangehörige.

Horst Seehofer, Verteidigungsminister Thomas de Maizière sowie der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker, werden Wulff im Anschluss zum Podest im Park von Schloss Bellevue führen, von wo aus er seinem Wunschkonzert lauschen wird. Auch die Nationalhymne wird erklingen.

Nach der Diskussion um den Ehrensold für den Ex-Präsidenten hagelt es Absagen von allen Seiten für den Zapfenstreich. Auch die vier noch lebenden Vorgänger des zurückgetretenen Bundespräsidenten, Walter Scheel (1974-79), Richard von Weizsäcker (1984-94), Roman Herzog (1994-99) und Horst Köhler (2004-10), werden am Großen Zapfenstreich für Wulff an diesem Donnerstag nicht teilnehmen. Auch sein Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten von Niedersachsen, David McAllister, schiebt andere Termine vor. "Christian Wulff ist eigentlich zu raten, auf diesen Zapfenstreich nicht zu bestehen", sagte Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier am Dienstag. Er selbst sei, wie auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel oder die Grünen-Fraktionsspitze, nicht eigeladen.

Die ARD überträgt den Großen Zapfenstreich unter dem Titel "Abschied von Bellevue" ab 19 Uhr live. Auch N24, n-tv und Phoenix haben Sondersendungen geplant. Im ZDF wird Maybrit Illner den Zapfenstreich zum Thema machen.

Katharina Miklis