HOME

Großer Zapfenstreich: Schmusesong für Christian Wulff

Harmonische Klänge zum Abschied: Christian Wulff soll sich für seinen Zapfenstreich einen Schmusesong von Paul McCartney gewünscht haben. Gemein, wer zwischen den Zeilen liest.

Von Katharina Miklis

Irgendwie war es klar, dass es ein Schmusesong werden würde. Etwas Versöhnliches zum Abschied. Streicher, Seuftzer, Harmonie. Eher der Soundtrack zum Wegschleichen. Kein Abtritt mit Pauken und Trompeten wie bei Karl-Theodor zu Guttenberg, der bei seinem Zapfenstreich mit "Smoke on the Water" noch einmal den wilden Rocker markierte.

Während ganz Deutschland noch darüber diskutiert, ob Ex-Bundespräsident Christian Wulff zum Ehrensold auch einen Chauffeur und eine Sekretärin bekommen darf, soll dieser sich einem Medienbericht zufolge mit der Frage beschäftigt haben, welches Lied bei seinem Großen Zapfenstreich am 8. März gespielt werden soll. So will zumindest die "Leipziger Volkszeitung" von "zuständiger Stelle" erfahren haben, dass Wulff sich nach tagelangen Beratungen für einen Song von Paul McCartney und Stevie Wonder entschieden hat. Der Titel: "Ebony and Ivory".

Der Song, den McCartney und Wonder 1982 veröffentlichten, handelt vom friedlichen Zusammenleben aller Menschen - egal welcher Hautfarbe. Das passt zum einen zu Christian Wulff, der während seiner Amtszeit und bevor die Kreditaffäre ihren Lauf nahm, anstrebte, die Integration und den Zusammenhalt der Gesellschaft zu seinem Leitthema zu machen.

Nun mag man Christian Wulff wahrlich nicht so viel Humor und Selbstironie zumuten, dass er sich der Doppeldeutigkeit so mancher Passage bewusst war. Tatsächlich kann der Nummer-eins-Hit aus den 80ern auch in diese Richtung gedeutet werden: "Überall sind alle Menschen gleich," singt McCartney in dem Schmusesong. Auch Wulff forderte das gleiche Recht auf Freundschaften ein, als man ihm seine Machtbeziehungen vorhielt. In einem Land, in dem man als Politiker keine Freunde mehr haben darf, wollte er gar nicht mehr leben. Nur wenn es um den Kredit für sein Häuschen in Großburgwedel ging oder das Upgrade auf dem Flug nach Miami – da freute er sich dann doch über das ein oder andere Privileg und die Vorteile, die man als mächtiger Staatsmann so hat.

"Zusammen in perfekter Harmonie"

"Das Gute und das Schlechte steckt in jedem von uns," heißt es weiter, Auch davon kann Wulff ein Lied singen, hatte er doch auch seine zwei Gesichter gezeigt. Das des biederen und fleißigen Langweilers legte er schnell ab, um mit seiner Frau auf Glamourpaar in Bellevue zu machen. Bettina und Christian Wulff: Wie "Ebony" (Ebenholz) und "Ivory" (Elfenbein) auf Stevie Wonders Klavier. So unterschiedlich und doch "zusammen in perfekter Harmonie".

Es mag ein Vorteil für Wulff sein, dass die Lieder beim Großen Zapfenstreich lediglich instrumental vom Stabsmusikkorps der Bundeswehr gespielt werden. Sonst würde eine weitere Songzeile sicherlich so manchem Zuschauer schrill in den Ohren nachklingen, in der McCartney und Wonder davon singen, dass wir "einander etwas geben" sollen. Keine Frage, auch Wulff ist viel gegeben worden: Cash von der Schwiegermama (sagt er), bezahlte Werbeanzeigen und Luxusurlaube von mächtigen Freunden (sagen die Kritiker). Aber so hat es Wulff bei seiner Liedauswahl sicher nicht gemeint.

Das Bundespräsidialamt wollte die Liedauswahl am Donnerstag nicht bestätigen.