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Kehrtwende nach Absage: Hanau stellt Karikaturen von Greser und Lenz doch aus

Ihre Federn sind spitz, sie nehmen auch den Islamismus auf die Schippe. In Hanau wäre eine Ausstellung von Greser-und-Lenz-Karikaturen fast gescheitert - an Kosten für höhere Sicherheitsvorkehrungen.

Die Stadt Hanau in Hessen will eine geplante Ausstellung mit Karikaturen der Zeichner Achim Greser und Heribert Lenz doch stattfinden lassen. Wie auf einer Pressekonferenz der Stadt am Dienstag mitgeteilt wurde, ist die ursprüngliche Absage vom Tisch. "Wir haben unsere erste Entscheidung korrigiert, nachdem uns auch durch die Berichterstattung bewusst wurde, dass eine Absage in Tagen wie diesen zu ungewollten Fehlinterpretationen führen muss", sagte Hanaus Bürgermeister Claus Kaminsky.

Zuvor war die Ausstellung abgesagt worden, weil der Sicherheitsaufwand nach den Attentaten von Paris zu groß geworden sei. Die Zeichner, die vor allem in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) veröffentlichen und bis vor einigen Jahren auch für den stern zeichneten, scheuen sich nicht, auch Rechtsextremisten oder Islamisten auf die Schippe zu nehmen. Die veranschlagten Kosten für die Ausstellung, die vom 14. März an im Hanauer Schloss Philippsruhe zu sehen sein soll, bezifferte der Kulturamtschef auf rund 20.000 Euro. Wenn alles nach Plan verlaufen wäre, hätte der städtische Kulturbetrieb das schultern können. Nach den jüngsten Anschlägen müsse die Stadt aber mit zusätzlichen hohen Kosten für Sicherheitsvorkehrungen rechnen.

"Kein demokratischer Hosenscheißer sein"

Kosten, die die Stadt nun doch schultern will. Für die Karikaturisten ist es die richtige Entscheidung. Der "FAZ" sagte Achim Greser, dass er der Stadt Hanau keinen Vorwurf gemacht habe, die Absage für ihn jedoch "ein Sieg der Terroristen" gewesen wäre. Offenbar habe die Berichterstattung über die Absage die Stadt aufgeschreckt. "Es will sich ja keiner dem Vorwurf aussetzen, jetzt in dieser Lage als demokratischer Hosenscheißer dazustehen", so Greser in einem Interview mit der "FAZ".

Laut Informationen der Zeitung ist es nicht das einzige Projekt der beiden Künstler, das nach den Anschlägen auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" auf der Kippe steht. So wurde eine geplante Ausstellung im Berliner Kunstauktionshaus Lempertz bisher nicht bestätigt. Der Kurator habe um Bedenkzeit gebeten.

Trotz der Aufregung um ihre Ausstellungen fühlen sich Greser und Lenz nicht bedroht. Auch der Besuch eines Kriminalpolizisten in ihrem Büro sei angenehm und entspannt verlaufen. Dieser habe sich nach ihrem Befinden erkundet und eine Telefonnumer hinterlassen, die sie bei Bedenken anrufen sollen.