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Heiligendamm: Der Zaun ist zu

Eine Woche vor dem G8-Gipfel werden die Sicherheitsmaßnahmen in Heiligendamm spürbar: So wurde jetzt der umstrittene Zaun geschlossen. Die Gipfelgegner kündigen derweil die "größte Blockadeaktion der deutschen Protestgeschichte" an.

Pünktlich um 7 Uhr wurde der umstrittene Zaun um den G8-Tagungsort Heiligendamm geschlossen. Bis einen Tag nach dem Gipfel (9. Juni) ist der Ort für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Einwohner, Hotelpersonal oder Zulieferer können über zwei Kontrollstellen nach Heiligendamm gelangen. Sie waren in den vergangenen Wochen mit Sonderausweisen ausgestattet worden.

Am Abend zuvor hatte das Schweriner Verwaltungsgericht Einschränkungen für Demonstranten beim G8-Gipfel jetzt auch für den Bereich des Flughafens Rostock-Laage teilweise gekippt. Die zuständigen Richter hätten das Versammlungsverbot unter Auflagen außer Vollzug gesetzt, teilte das Gericht mit. Die Organisatoren müssten dafür Sorge tragen, dass unter anderem Zufahrtswege und der Zugang zu den Sicherheitstoren des Flugplatzes nicht behindert würden. Die Bewegungsfreiheit der Sicherheitskräfte könne dadurch hinreichend sichergestellt werden, hieß es weiter. Polizei sowie Gipfel-Kritiker kündigten Beschwerde gegen diese Entscheidung an.

Bereits am Freitag hatten die Richter das Demonstrationsverbot im Wesentlichen nur innerhalb des errichteten Sicherheitszaunes und in einer Pufferzone von 200 Metern für rechtskräftig erklärt. Über diesen Streit muss nun das Oberverwaltungsgericht Greifswald entscheiden, nachdem Polizei und ein Sternmarsch-Bündnis Beschwerde eingelegt haben.

Die Organisatoren von Protestaktionen begrüßten die Entscheidung zum Airport. Die für den 6. Juni angemeldeten Kundgebungen könnten nun stattfinden. Jetzt könne den acht mächtigsten Staatschefs direkt am Flugplatz laut verkündet werden, dass sie nicht willkommen seien, sagte eine Sprecherin. Dennoch sei eine Beschwerde eingereicht worden. Der Grund sei unter anderem, dass eine der geplanten Demonstration aufgrund der Auflagen vom Flughafen "sehr weit abgedrängt" worden sei.

Ziel seien Blockaden mit bis zu 10.000 Menschen

Die Gipfelgegner haben bereits die "größte Blockadeaktion der deutschen Protestgeschichte" angekündigt. Der Organisator Christoph Kleine sagte, menschliche Blockaden mit bis zu 10.000 Teilnehmern seien das Ziel. "Die schiere Masse der Blockierenden ist der Schlüssel zum Erfolg", so der 40-Jährige. Zu den Unterstützern gehören Vertreter des gesamten Spektrums der Protestbewegung, aber auch Wissenschaftler, Politiker und Musiker wie Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow. "Block G8" betont den friedlichen Charakter der Aktion. "Wir wollen keine Eskalation, Blockaden sind Formen des zivilen Ungehorsams, wie man sie von Castor-Transporten kennt", sagt Kleine.

Knut Abramowskis, Chef der für den Gipfel eingerichteten Polizeieinheit "Kavala" hatte im Vorfeld bereits gesagt: "Blockaden werden nicht geduldet." Das Vorbild für die geplanten Aktionen ist der G8-Gipfel 2005 im schottischen Gleneagles. Durch Blockaden kam der Straßen- und Schienenverkehr in der Region zum Erliegen. Viele Kleingruppen hatten sich nachts in der hügeligen Waldlandschaft im Unterholz versteckt, um morgens die Polizei durch Ankettungs- und Blockadeaktionen auf Zufahrtwegen zu überraschen

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters