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Reaktionen zur Hessen-Wahl: "Die AfD ist nun offiziell braun"

Ein brauner Balken im Diagramm für die AfD und Hinweise auf die unbekannten Ziele der Rechtspopulisten: Nach der Kommunalwahl in Hessen zeigt der politisch gemäßigte Teil Deutschlands, dass diese 13 Prozent nicht repräsentativ sind.

Ganz rechts und in Braun: So wurde der Balken für die AfD im Rathaus in Gießen dargestellt. "Passt", finden viele Twitterer.

Ganz rechts und in Braun: So wurde der Balken für die AfD im Rathaus in Gießen dargestellt. "Passt", finden viele Twitterer.

Die gute Nachricht ist: Die überwiegende Mehrheit in Hessen hat nicht die rechtspopulistische AfD gewählt. Die schlechte Nachricht: Die überwiegende Mehrheit in Hessen hat überhaupt nicht gewählt. Und von den paar, die ihr Wahlrecht tatsächlich nutzten, machten dem aktuellen Anschein nach 13 Prozent ihr Kreuz weit rechts von der politischen Mitte.

Dabei ist es der rechtspopulistischen Partei offenbar gelungen, selbst politikverdrossene Sonst-Nichtwähler für sich vom Sofa zu holen: Auf Facebook zeigen sich Menschen an der interessiert, die noch nicht einmal wissen, um welche Wahl es bei deren Werbung denn eigentlich geht. Unter einen Beitrag der Partei schrieb eine Anhängerin aus dem hessischen Gießen gar: "Wann kann ich wählen?"

Dass die meisten Menschen jedoch nicht hinter der AfD stehen, zeigte sich in den Reaktionen unter anderem in den sozialen Medien. Aber auch schon beim Auswerten der Stimmen. Bei der Auszählung im Rathaus in Gießen wurde die AfD ganz rechts in der Grafik dargestellt - mit einem braunen Balken. Also in der Parteifarbe der NPD, die sich zu ihrer Rechtsradikalität bekennt. "Passt", finden viele Twitterer; Screenshots aus dem Rathaus machen in den sozialen Netzwerken schnell die Runde.


Die Partei reagiert beleidigt: "Alle anderen Parteien haben ihre Parteifarben", behauptet die AfD. Zumindest für die Piraten stimmt das jedoch nicht: Deren Balken wird im weiteren Verlauf lila statt orangefarben dargestellt. Und freilich ist es jeder Redaktion selbst überlassen, in welchen Farben sie das Balkendiagramm koloriert. Eine Darstellung in den Parteifarben ist vielleicht naheliegend, aber keineswegs verpflichtend. 


In den sozialen Medien macht außerdem eine Zusammenfassung einiger Ziele der AfD die Runde, die der breiten Öffentlichkeit bislang nicht bekannt sein mögen. Unter anderem die Grünen-Politikerin Renate Künast teilte den Text auf Twitter. Darin geht es etwa um die Homophobie der Rechtspopulisten und auch deren Sehnsucht, in Deutschland eine echte "Lügenpresse" zu erschaffen, indem die Pressefreiheit beendet wird.

 

Die bei Twitter vielfach geteilte Freude der AfD über "109 Prozent" in ist dagegen das Produkt eines Satire-Accounts, der die Arbeit der Rechtspopulisten kritisch beäugt. 




jen