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Hubertus Heil: "Hubi, Du sollst mal Kanzler werden"

Wer ist Hubertus Heil, der designierte SPD-Generalsekretär? Im stern.de-Interview spricht Heils politische Ziehmutter Eva Schlaugat über die Stärken und Schwächen des 33-jährigen Shooting-Stars.

Frau Schlaugat, Sie sind Chefin des SPD-Unterbezirks Peine in Niedersachsen, Hubertus Heil ist immer noch Ihr Stellvertreter. 1998 saßen Sie für die SPD im Bundestag, Heil war Ihr Mitarbeiter, dann Ihr Nachfolger. Er ist Ihr politischer Ziehsohn. Wann haben Sie ihn denn entdeckt?

Ich habe ihn als jungen Schüler entdeckt. Das war er 17 oder 18 Jahre alt. Schon in diesem jungen Alter war sein Politik-Talent zu erkennen.

Wie haben Sie ihn denn entdeckt?

Er war bei uns im SPD-Unterbezirk Peine wahrnehmbar. Ich wurde damals gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, für den Bundestag zu kandidieren. Ich wusste aber, dass ich - mit einem Ganztags-Job und zwei Kindern - jemanden brauchen würde, der mir zuarbeitet. Und da habe ich Hubertus gefragt. Der war damals, wie heute ja auch noch, im Juso-Alter. Der konnte sich das vorstellen - und daraus hat sich eine bis heute währende Freundschaft entwickelt.

Wodurch ist er Ihnen aufgefallen?

Er hat in Ortsvereins-Sitzungen sehr schnell Zusammenhänge begriffen, hatte immer eine klare Analyse der Situation - auf regionaler und überregionaler Ebene. Er war jemand, der sehr gut in der Lage war, Verbündete zu suchen.

Wie arbeitet Heil?

Er ist sehr zielorientiert, sehr pragmatisch. So würde ich ihn auch politisch einschätzen. Er ist weder rechts noch links. Er gehört in die pragmatische Mitte. So arbeitet er auch. Für mich war er ein sehr zuverlässiger und kreativer Mitarbeiter.

Wie kommt es denn, dass Heil jetzt Ihren alten Wahlkreis in Berlin vertritt?

Ich habe 1994 für den Bundestag kandidiert, bin aber nicht reingekommen. 1998 bin ich für neun Monate nachgerückt, hatte aber schon vorher gesagt, dass ich nicht mehr kandidieren würde. Als Unterbezirks-Vorsitzende war es meine Pflicht, mich auf die Suche nach einem geeigneten Kandidaten zu machen. Mein Blick fiel auf Hubertus Heil. Ich dachte, das würde er können. Er ist mit einem sehr guten Ergebnis in den Bundestag eingezogen.

Überrascht Sie seine Beförderung zum Generalsekretär?

Natürlich hat mich das überrascht. Aus Spaß sage ich zwar immer zu ihm: "Hubi, pass' auf Dich auf, Du sollst schließlich noch mal Kanzler werden." Aber dass er nun mit 33 Jahren den Generalsekretär angetragen bekommen hat, das ist erstaunlich. Ich glaube, dass er's kann. Ich hoffe nur, dass er nicht verheizt wird.

Ist er mit 33 nicht zu jung für diesen Job?

Ich finde mit 33 ist man schon sehr jung für so ein Amt. Auf der anderen Seite hat er sehr früh angefangen, Politik zu machen. Ich halte ihn trotz seiner Jugend für ein politisches Schwergewicht.

Trauen Sie ihm zu, die verschiedenen Flügel der SPD zu integrieren?

Das glaube ich, und das hoffe ich.

Sind Sie stolz auf ihn?

Stolz? Nein. Aber ich finde, dass es eine Ehre ist, dass er gefragt worden ist.

Heil feiert heute seinen 33. Geburtstag. Was wünschen Sie ihm?

Ich wünsche ihm, dass er den Bezug zur Basis nicht verliert, dass er versucht, das Bild eines Politikers zu leben, das die Leute davon überzeugt, dass Politik auch anders, besser gemacht werden kann. Ich ärgere mich, dass Politiker derzeit vor allem als korrupt und bestechlich gelten. Ich wünsche mir, dass Hubertus dazu beitragen kann, dass sich das Bild von Politikern verbessert.

Welche Schwächen hat er?

Er versucht immer wieder, sich das Rauchen abzugewöhnen - und, das kann man an seiner Figur sehen, er isst sehr gerne. Das ist aber nichts Negatives.

Es gibt Stimmen, die werfen Heil vor, ein Karrierist zu sein, der in erster Linie versucht, schnell nach oben zu kommen. Würden Sie dem zustimmen?

Nein. Solche Vorwürfe kommen daher, dass er mit 33 Jahren politisch schon viel erreicht hat. Dann wird so etwas schon einmal schnell ausgesprochen - vielleicht von Neidern, die selber nicht zum Zug gekommen sind. Ich kenne ihn als warmherzigen, menschlichen jungen Mann, von dem ich glaube, dass er das Zeug dazu hat, sich nicht verbiegen zu lassen. Dass er das schafft, sich nicht verbiegen zu lassen, das wünsche ich ihm auch zu seinem Geburtstag.

Interview: Florian Güßgen
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