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Auf Frauengipfel in Berlin Ivanka Trump verteidigt ihren Vater - und erntet höhnisches Gelächter


Auf Einladung von Angela Merkel reiste US-Präsidententochter Ivanka Trump nach Berlin zum Frauengipfel. Auf dem Podium wurde sie auch mit Äußerungen ihres Vaters konfrontiert - und verteidigte sich nicht immer geschickt.

Alle Blicke richten sich auf sie. Auf dem Podium der internationalen W20-Frauenkonferenz in Berlin sitzen eine Königin, eine Kanzlerin, eine Vertreterin des schwäbischen Mittelstands und viele andere. Doch sie - Ivanka Trump, die Tochter und Beraterin des US-Präsidenten - zieht das ganze Interesse auf sich. Schnell zeigt sich: Es ist nicht nur wohlwollendes Interesse.

Bei der Podiumsdiskussion werden Vorbehalte spürbar: Ivanka Trump muss bei ihrem Berlin-Besuch den Vater gegen Kritik in Schutz nehmen. Ihren Versuch, den Präsidenten als Vorkämpfer für Frauenrechte zu präsentieren, quittiert das Publikum mit höhnischem Gelächter. Ivanka Trump lächelt, sie gibt sich betont bescheiden. Einen leichten Stand hat sie in Berlin nicht.

Ivanka Trump folgte Einladung von Angela Merkel

Der Abstecher in die Bundeshauptstadt war Ivanka Trumps erste Auslandsreise als offizielle Beraterin ihres Vaters. Donald Trump hatte ihr per Twitter eine Botschaft mit auf den Weg gegeben: Er sei "stolz" auf die Berlin-Mission seiner Tochter. Das Weiße Haus hatte zuvor betont, Ivanka Trump reise "auf persönliche Einladung" von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Thema der Podiumsdiskussion war eigentlich die Stärkung des Unternehmertums von Frauen. Es lag vor allem an Moderatorin Miriam Meckel, dass Ivanka Trump dabei nicht mit unverbindlichen Äußerungen davonkam. Meckel sprach Kritik an der Trump-Regierung offen an. Das Konzept einer Präsidententochter und -beraterin sei vielen im Publikum unklar, sagt sie zu dem Gast aus Washington. Sie bitte um Klärung. "Mit dieser Rolle bin ich selbst noch nicht ganz vertraut, sie ist neu für mich", räumt Ivanka Trump ein. Auf Meckels Frage, ob sie in Berlin die Interessen ihres Vaters, der US-Büger oder ihrer eigenen Unternehmen vertrete, versicherte Ivanka Trump: "Letzteres bestimmt nicht."

Die Präsidententochter versucht, den Bogen zum eigentlichen Thema der Veranstaltung zu schlagen und lobt den Einsatz ihres Vaters für Frauenrechte. Donald Trump sei ein "enormer Unterstützer" der Stärkung von Frauen und Familien. Im Publikum wird es unruhig, Trumps abfällige Bemerkungen über Frauen sind gut dokumentiert. Die Moderatorin spielt darauf an - und bringt Ivanka in die Position, ihren Vater verteidigen zu müssen.

Präsident Trump sei "fest davon überzeugt, dass Frauen das Potenzial und das Können besitzen, den Job genauso gut wie Männer zu erledigen", beteuert Ivanka. "Die Tausenden von Frauen, die über Jahrzehnte im Privatsektor für meinen Vater gearbeitet haben, legen davon Zeugnis ab." Dass Ivanka Trump ihre erste Auslandsreise ausgerechnet nach Berlin unternimmt, war eigentlich als kleiner diplomatischer Coup der Bundesregierung gewertet worden. Die Idee entstand bei Merkels Besuch im Weißen Haus im März, wo der US-Präsident die Kanzlerin eher kühl empfangen hatte.

Ivanka will "Wissen und Ratschläge" mitnehmen

Möglicherweise besteht in Berlin die Hoffnung, über ein gutes Verhältnis zu der einflussreichen Präsidententochter Zugang zu dem Präsidenten zu bekommen, der Deutschland etwa wegen seiner Handels- und Verteidigungspolitik gerne kritisiert.

Im Stil grenzt sich Ivanka Trump in Berlin deutlich von ihrem Vater ab. Sie vermeidet jede Herablassung. Ziel ihres Besuchs sei es, "zuzuhören und zu lernen und Rat zu suchen", sagt sie. "Ich werde Wissen und Ratschläge zurück in die USA und zu meinem Vater bringen." Offene Konflikte werden auf dem Berliner Podium nicht ausgetragen. Einig sind sich Merkel, Ivanka Trump und andere Konferenzteilnehmer wie die niederländische Königin Maxima oder IWF-Chefin Christine Lagarde, dass der Kampf gegen die Benachteiligung von Frauen in der Arbeitswelt fortgesetzt werden muss. Mit einem Bekenntnis zu Frauenrechten bringt Ivanka Trump das Berliner Publikum gegen Schluss der Veranstaltung dann doch noch zum Applaudieren. "Ich betrachte mich als Feministin", sagt sie. "Ich bin für die Gleichheit der Geschlechter."

fin AFP

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