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Tweet des Ministers Jens Spahn will Menschen von Impfung überzeugen – und tritt ins Fettnäpfchen

Gesundheitsminister Jens Spahn
Sehen Sie im Video: Spahn weist Kritik an Maskenpraxis zurück – und teilt gegen die SPD aus






Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von der CDU hat sich zur erneuten Debatte um Masken geäußert. Am Montag sagte Spahn in Berlin, mit Vorwürfen gegen ihn, nicht EU-zertifizierte Masken in Umlauf gebracht zu haben, wolle vor allem die SPD von den eigenen schlechten Wahlergebnissen und Umfragewerten ablenken. Die Masken seien sicher: "Sie haben keine EU-Zertifizierung, aber sie sind beim Infektionsschutz sicher, und das ist das Entscheidende, um das es geht. Es war übrigens eine Idee des Arbeitsministeriums, selbst in einem Sonder-Kontingent an Obdachlose und Eingliederungshilfe Masken zu verteilen."
"Und dann haben wir miteinander geschaut, welche Masken dafür infrage kommen. Und das waren eben aus unserer Sicht auch diese Masken, die den Infektionsschutz gewährleisten. Dann haben wir uns darauf geeinigt, diese Masken nochmals zusätzlich auf bestimmte Arbeitsschutz-Aspekte hin zu überprüfen. Hat sich herausgestellt, das würde Monate dauern. Und uns ging es um eine schnelle Hilfe. Und deswegen haben wir dann ja am Ende, und das ist vielleicht auch mal wichtig, FFP2-Masken in Deutschland im Auftrag des Ministeriums produziert, an die Einrichtungen versandt. Das ist das Ergebnis, dass man miteinander einmal schaut, welche Masken wir nehmen, das miteinander diskutiert und zu einem Ergebnis führt, das halte ich für normales Regierungshandeln. Dass man das anschließend so darstellt, das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Dankeschön."
Spahn äußerte zudem, diese Kritik sage mehr über den Zustand der SPD aus als über die Qualität der umstrittenen Masken.
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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnet auf Twitter vor, wie viele Menschen noch von der Corona-Impfung überzeugt werden müssten. Viele Bürger:innen würden sich allerdings gern impfen lassen, können es aber nicht.

Täglich verkündet Jens Spahn auf seinem Twitter-Account die neuesten Wasserstandsmeldungen in Sachen Impfungen: Am Montag wurden 38 Millionen Deutsche mindestens einmal geimpft, am Dienstag waren es immerhin schon 38,2 Millionen. An den Tweets des Bundesgesundheitsministers lässt sich der Fortschritt der Impfkampagne in Deutschland also durchaus nachvollziehen – und doch geht es vielen Bürger:innen nicht schnell genug.

Das wurde auch an den Reaktionen auf einen Zusatz, den Spahn den neuen Impfzahlen zufügte, deutlich. "Wollen wir eine Impfquote von >75% erreichen, müssen wir mind. noch 15 Mio Menschen überzeugen", schrieb der Minister. Ein Satz, der so verstanden werden könnte, als läge es an den impfskeptischen Deutschen, dass die Pandemie noch nicht vollends überwunden ist.

Viele Menschen warten auf einen Impftermin

Dabei würden sich Millionen Menschen nur allzu gern impfen lassen, können es aber nicht. Viele warten noch auf einen Impftermin, die Wartezeiten bei den Hausärzt:innen sind lang, auch in den Impfzentren gibt es kaum noch freie Zeitfenster. Zwar ist seit dem Montag die Priorisierung für alle Impfstoffe aufgehoben, doch die verfügbaren Mengen reichen noch bei weitem nicht für alle Impfwilligen.

Entsprechend fielen die Reaktionen auf Spahns Tweet aus. "Ich brauche keine Überzeugungsarbeit, sondern einen Impftermin", schrieb ein User. "Ich kenne in meinem gesamten Bekanntenkreis keinen einzigen Impf-Gegner. Jedoch kenne ich sehr viele Leute, die immer noch keinen Impftermin haben. Das ständige Gerede über Impf-Verweigerer soll nur vom Versagen der Bundesregierung (vor allem: Spahn und Merkel) ablenken", kommentierte ein anderer. Viele gaben Spahn die Schuld an dem Impfstoffmangel.

Jens Spahn: "Es geht um Wochen" 

Der Bundesgesundheitsminister hat derzeit ohnehin einen schweren Stand: Ihm wird vorgeworfen, er habe minderwertige Masken an Menschen mit Behinderung und Obdachlose verteilen wollen. Deshalb forderten in den sozialen Netzwerken zahlreiche User:innen den Rücktritt Spahns, auch aus der SPD kam scharfe Kritik. Die Vorsitzende Saskia Esken nannte Spahns Vorgehen "menschenverachtend" und brachte ebenfalls einen Rücktritt des Ministers ins Spiel. Bundeskanzlerin Angela Merkel hingegen verteidigte den stellvertretenden CDU-Vorsitzenden.

Was den Fortschritt der Impfkampagne angeht, versicherte Spahn am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin": "Wer auf einen Impftermin wartet, muss nur noch wenige Wochen Geduld haben. Es geht um Wochen, nicht um Monate." Trotzdem warb er um Geduld: "Es können jetzt nicht alle innerhalb von ein, zwei Wochen geimpft werden."

Quelle: Jens Spahn auf Twitter  / ARD-"Morgenmagazin"

epp

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